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Elmshorner Nachrichten

25. März 2017 | 01:09 Uhr

SHMF-Konzert : Famoses Festival-Finale in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Albrecht Mayer und die Kammerakademie Potsdam begeistern 1000 Besucher. Aber - ein Störenfried sorgt für Misstöne.

Elmshorn | Still, fast unbemerkt vom Rest des Publikums, genießt Christian Kuhnt den Erfolg. Das Schleswig-Holstein Musik Festival 2016 läuft. Die Halbzeitbilanz kann sich sehen lassen – und auch Elmshorn hat wieder dazu beigetragen. Das weiß der Intendant genau und besucht deshalb regelmäßig die Spielstätte, die wegen ihres besonderen Stallgeruchs im doppelten Sinn beispielhaft ist. Am Freitagabend war Christian Kuhnt einer von fast 1000 Besuchern des letzten Elmshorner Konzerts der Festival-Saison in der alten Reithalle. Damit die Sache gleich klar ist: Es war ein feines, ein elegantes, ein exemplarisch gutes Konzert mit einem saublöden Misston – dazu aber später mehr.

Dass Solisten ans Dirigentenpult wechseln, ist nicht unüblich, doch die Sache ist nicht immer von Erfolg gekrönt. Oft treibt die Teilzeitkapellmeister mehr der Drang ganz vorn zu stehen, als das Ziel Bemerkenswertes zu gestalten. Bei Albrecht Mayer ist das nicht so. Er ist nicht nur der herausragende Oboist unserer Zeit, sondern auch ein ausgezeichneter Orchesterleiter. Und warum? Weil er das Notwendige zur richtigen Zeit tut (und nur das). Der Dirigent Albrecht Mayer ist Partner des Ensembles und vertraut seinen Musikern.

Und das war beim Elmshorner Konzert mit der Kammerakademie Potsdam in jeder Weise gerechtfertigt. Gute kleine Orchester – ob für die Sommermonate zusammengewürfelt, oder in fester Formation – gibt es einige, aber Ensembles mit Charme und ganz besonderem Fluidum sind rar. Die Potsdamer haben beides und das war sehr gut für das Programm.

Joseph Haydns „Abschiedssinfonie“ eröffnete den Abend in der Reithalle. Für Albrecht Mayer und die Kammerakademie war das eine Frage der Feinjustierung. Hinter diesem Klang, elegant wie feines Porzellan, steckt viel Arbeit: sehr nuanciert und dabei niemals überdynamisch klang das. So wurde die altbekannte Abschiedsszene im Finale der berühmten Komposition nicht bloß zum Bühneneffekt, sondern tatsächlich zum musikalischen Abgesang.

Die Kammerakademie Potsdam hat für ihr Zusammenspiel einen „direkten“ Ansatz gewählt. Es wird nicht gekleistert, alle Stimmen sind zu hören – und wenn es sein muss, auch mal gegeneinander. Auch bei der abschließenden „Haffner“-Sinfonie von Mozart – großartig.Mehr gibt es im Grunde auch über den Solisten Albrecht Meyer nicht zu sagen. Kein Wunder, dass er maßgeblich dafür gesorgt hat, dass die Oboe nicht mehr am Image das Quengelholzes krankt. Alles klingt locker und selbstverständlich. Und auch wenn das Haydn zugeschriebene Oboenkonzert in C-Dur gar nicht von Haydn ist, hat es viel Spaß gemacht, weil Albrecht Mayer alles aus der Musik rausgeholt hat. Die Bandbreite seiner Ausdrucksmöglichkeiten ist enorm. Und: Als Solist ist er gern Teil des Teams. Auch bei Mozarts Andante in C-Dur KV 315. Das Stück ist eigentlich für Flöte komponiert, geht aber vorzüglich für Oboe. Albrecht Mayer weiß genau, dass das kein Zufall ist. Mozart hat beim Komponieren immer eines gehört, die menschliche Stimme, das Singen, und das kann Albrecht Meyer mit seiner Oboe unvergleichlich. Großer Applaus und ein „Paukenschlag“ als Zugabe.

Die Kammerakademie Potsdam gestaltete den letzten Konzertabend der Elmshorner Festival-Saison in der Reithalle.
Die Kammerakademie Potsdam beim letzten Konzertabend der Elmshorner Festival-Saison in der Reithalle. Das Konzert war Teil des SHMF. Foto: Marek
 

Alles gut – bis auf den erneuten Misston. Bereits während des zweiten Elmshorner Festival-Konzerts hatte ein unbelehrbarer Konzert-Crasher das Programm mit Rufen und wirrem Applaus begleitet. Diesmal saß der seltsame Störer wieder im Publikum, krähte dazwischen und trübte die Stimmung. Albrecht Mayer wandte sich nach dem dritten Satz des ersten Stücks ans Publikum und bat charmant, aber bestimmt um Zurückhaltung. Loriot hätte die Sache wohl so gelöst: „Die akustische Beteiligung des Publikums während des Konzerts ist nicht vorgesehen, es nervt.“

Intendant Christian Kuhnt nahm es sportlich und gelassen. Er ist Elmshorn-Fan und kommt im nächsten Jahr bestimmt wieder, mit jeder Menge Musik im Gepäck.

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erstellt am 08.Aug.2016 | 17:00 Uhr

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