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Elmshorner Nachrichten

10. Dezember 2016 | 08:02 Uhr

Verkauf : Familie Dölling gibt auf

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Tönnies übernimmt die Firmenanteile des Unternehmens.

Elmshorn | Verkauft: In Elmshorn geht die Ära eines Familienunternehmens zu Ende, das am 6. September 1907 seine Geburtsstunde erlebte. Claus Dölling hatte damals eine kleine Schlachterei am Sandberg eröffnet. Daraus wurde eine Wurstfabrik, die jedes Jahr 10.000 Tonnen Wurst herstellte und 350  Produkte auf dem umkämpften Markt anbot. Stimmt das Kartellamt zu, gehen die Familienanteile komplett an den Unternehmer Maximilian Tönnies.

Verkauft: Ganz überraschend kam diese Nachricht am Ende dann wohl doch nicht. Das Unternehmen Döllinghareico hat wirtschaftlich schwere Zeiten hinter sich. In den vergangenen Jahren mussten an den Standorten in Elmshorn und in Lübz in Mecklenburg-Vorpommern 260 Mitarbeiter gehen.

Mit einem harten Sanierungskurs steuerten die Verantwortlichen dagegen – und die Mitarbeiter zogen mit. Sie verzichteten auf Gehalt, auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld und waren bereit, länger zu arbeiten. Aber auch Geschäftsführung und leitende Angestellte akzeptierten Einschnitte beim Gehalt – um das Unternehmen in der Krise, die das Unternehmen vor allem in den Jahren 2008 und 2012 erfasste, zu retten. Das funktionierte – kurzfristig jedenfalls. Döllinghareico kam 2015 raus aus den roten Zahlen. Claus Dölling, der bisherige Mitinhaber, machte jetzt deutlich, dass die kurzfristigen Positiv-Effekte für das Elmshorner Unternehmen nicht ausreichen: „Es ist aber notwendig, dass wir Döllinghareico auch eine langfristige Zukunftsperspektive bieten. Dieses schaffen wir jetzt durch die Übernahme der Anteile durch Maximilian Tönnies.“ Das werden die 239 Mitarbeiter an den beiden Standorten gern hören – auch, wenn sie noch gar nicht wissen, was die Zukunft für sie bringt.

Knallharter Wettbewerb

Der Wettbewerb in Deutschland ist knallhart. Auf dem Markt tummeln sich bis zu 400 Wursthersteller. Die Preise für Fleisch sinken, es gibt einen Trend hin zur vegetarischen und veganen Ernährung. Aus dem operativen Geschäft hatte sich die Familie Dölling schon 2014 komplett zurückgezogen. Die Geschäfte bei Döllinghareico führt seitdem Andreas Subai.

Das Familienunternehmen: 1952 übernahmen die Söhne Claus und Carl den Betrieb. In der dritten Generation machten dann die Zwillingsbrüder Claus und Peter Dölling aus der einstigen Metzgerei eine Fabrik. 1982 wurde der neue Standort am Fuchsberger Damm mit mehr als 13.000 Quadratmetern eröffnet. Dölling auf Expansionskurs: 1999 übernahm das Elmshorner Unternehmen seinen größten Wettbewerber, den Wurstwarenhersteller Hareico mit den Standorten Halstenbek und Lübz. Die Halstenbeker Produktion wurde nach Elmshorn verlegt. Für die Smett-Verpackung – 2002 die erste Wurst im Becher – erhielt das Unternehmen den deutschen Innovationspreis. Im Jahr 2003 verlässt Peter Dölling das Unternehmen.

Die Kinder von Claus Dölling, Carola und Ole, steigen in das Familienunternehmen ein. Sie erhalten die Anteile von Peter Dölling. Claus Dölling hält die Hälfte von Döllinghareico, seine Kinder je ein Viertel. 2007 feiert der Betrieb 100-jähriges Bestehen. Im Jahr 2011 wurde Ole Dölling Geschäftsführer. 2014 übernimmt dann Subai das operative Geschäft.

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erstellt am 23.Nov.2016 | 12:15 Uhr

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