zur Navigation springen

Elmshorner Nachrichten

03. Dezember 2016 | 07:45 Uhr

„Grenzen setzen wir uns selbst“ : Extremsportler Joey Kelly spricht an der Nordakademie über Ziele und Herausforderungen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Auf Einladung der Nordakademiker sprach der Ex-Musiker und Extremsportler Joey Kelly über Ziele und Herausforderungen.

Elmshorn | Joey Kelly braucht bei seinem Vortrag in der Nordakademie nicht lange, um sein Publikum auf seine Seite zu ziehen. Kein Wunder, gleich zu Beginn wird deutlich, dass die Stuhlreihen voll sind mit ehemaligen Fans der langhaarigen Musik-Großfamilie. Für die rund 380 Zuschauer entwickelt sich der Abend dann auch zu einer Mischung aus wieder auferlebten Jugenderinnerungen und Motivationscoaching. Kelly schlägt einen weiten Bogen zwischen den Anfängen der Kelly Family in Spanien und Italien bis hin zu seinen Erlebnissen als in den Medien omnispräsenter Extremsportler. Dabei destilliert der 43-Jährige immer wieder Weisheiten aus seinen Anekdoten, die sich ebenso auf sportliche Ziele wie auch auf berufliche Karrieren der Zuhörer übertragen lassen.

„Als wir auf der Straße Musik gemacht haben, war es naiv von meinem Vater, zu glauben, wir würden irgendwann vor 50  000 Leuten in einem Stadion zu spielen“, sagt Kelly. „Aber er hatte ein Ziel. Ein klares Ziel ist das Wichtigste.“ Das Leben in Doppeldeckerbus, Zirkuszelt und Hausboot nahm für Joey Kelly eine Wende, als er mit seiner Schwester Patricia wettete. „Sie wollte einen Triathlon laufen. Da dachte ich: Wenn sie das schafft, gewinne ich die Sache – und zwar ohne Training.“ Wenig überraschend wurde Joey Kellys erster Triathlon zu einem Desaster. Aber er hielt durch und ab sofort war der Ausdauersport für ihn der ideale Ausgleich zu seinem Leben als Musiker und Manager der Kelly Family. „Ich bin fünf bis sechs Ironmen im Jahr gelaufen. Trainiert habe ich immer nachts, nach den Auftritten. Ich glaube, ich kenne jede Stadt in Deutschland bei Nacht.“

Das zeitintensive Hobby zwang Kelly auch dazu, Prioritäten zu setzen. 1998, der Musiker vollendete als Erster acht Ironman-Triathlons in einem Jahr – fiel der fünfte Wettbewerb auf den selben Tag wie ein Konzert im Münchener Olympiastadion. Vor 70  000 Menschen sollte die Kelly Family mit Michael Jackson & Friends auf die Bühne. Während der letzten Disziplin, dem Marathon, rief Kellys Trainer ihm plötzlich zu, sein Bruder Paddy sei am Telefon: „Ihr müsst früher auftreten. Sie sagen: Brich den Marathon ab.“ Und Kelly antwortete: „Jetzt? Abbrechen? 4000 Meter vor dem Ziel? Niemals!“. Also lief er den Marathon zu Ende, sprang in den Hubschrauber, landete in der Nähe des Olympiastadions und streifte sich auf dem Weg zur Bühne sein Kostüm über die Laufklamotten. „Drei Sekunden nachdem ich da war, begann das erste Stück. Mein Kostüm stand noch offen, man sah meine Laufsachen. Mein Bruder war not amused.“

Nach der Musikkarriere stellte sich Joey Kelly immer anspruchsvolleren Herausforderungen. Er absolvierte die härtesten Ausdauer-Wettbewerbe der Welt, durchquerte die Wüste bei plus 50 Grad und Eislandschaften bei minus 30 Grad. Das größte Abenteuer war eine Reise zum Mittelpunkt des Südpols ohne Hilfsmittel. Indem Kelly immer wieder an seine Grenzen geht, so sagt er, habe er gelernt, dass Niederlagen wichtiger sind als Erfolge. „Daraus lerne ich mehr.“ Und: „Hunger oder Schmerzen sind nur Hysterie des Körpers. Man muss einfach nur aufhören zu jammern und weitermachen.“

Ausdauer, Disziplin, Wille, Leidenschaft und ein klar definiertes Ziel – das sind Werte, die Kelly seinem Publikum vermitteln möchte. Aber auch die Unterhaltung kommt nicht zu kurz, zum Beispiel, als Kelly von seinen beiden Siegen bei Stefan Raabs Wok-WM erzählt. „Ich habe 15 Jahre lang alle Raab-Events mitmachen dürfen. Aber bei der Wok-WM habe ich nur zwei Mal gegen den Olympiasieger Georg Hackl gewonnen.“ Das erste Mal, ganz am Anfang des Events, habe er sein Gewicht mit 100 Kilo Blei so sehr erhöht, dass er die Bobbahn runtergeknallt sei „wie eine Kanonenkugel“. Im nächsten Jahr wurden die Regeln geändert. Und das zweite Mal, im vorletzten Jahr, klebte er sich mit einem Elektromagneten am Wok fest. „Georg Hackl weiß bis heute nicht, wie ich diesen Sieg geholt habe.“

Am Ende des Vortrags gab es für Joey Kelly einen lang andauernden Applaus. Und er bedankte sich mit Autogrammen, Fotos und Kelly-CDs „die heute keiner mehr haben will.“ Seit diesem Tag ist Kelly außerdem Ehrenmitglied des Absolventenvereins der Nordakademie.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 07.Sep.2016 | 10:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen