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Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 23:19 Uhr

Innenstadt Elmshorn : Es gibt viel zu tun

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Einzelhandelskonzept: Ein Beratungsunternehmen macht eine Bestandsaufnahme des Kaufverhaltens der Kunden und gibt Empfehlungen.

Elmshorn | Wer kauft wo wann was in der Elmshorner Innenstadt ein, was gefällt ihm – und vor allem: Was gefällt ihm nicht? In seinem Vortrag zum Einzelhandelskonzept für die Innenstadt führte Andreas Gustafsson vom Beratungsunternehmen Bulwiengesa im Ausschuss für Stadtentwicklung eine Flut an Fakten und Statistiken ins Feld. Die Schlussfolgerungen, die er daraus zieht, fallen für die Krückaustadt wenig schmeichelhaft aus – immer mehr Kunden ziehen zum Einkaufen die Hamburger Innenstadt oder das Internet vor. Außerdem ist die Bewertung der Innenstadt unterdurchschnittlich – laut Gustafsson tragen der Mangel an Parkplätzen und die dauerhaften Leerstände dazu bei.

Grundlage für Gustafssons Ausführungen sind in erster Linie Kundenbefragungen. Was Gustafsson als positiv wertet: Die Besucherfrequenz in der Innenstadt ist seit der vorherigen Erhebung im Jahr 2009 weitestgehend stabil geblieben. „Das muss im Vergleich mit anderen Städten, als Erfolg gelten. Elmshorn hat das Glück, in einer Wachstumsregion zu liegen.“

Allerdings: Die Prognose für die Zukunft sieht weniger rosig aus: 21,9 Prozent der Befragten geben an, künftig weniger in der Innenstadt einkaufen zu wollen. Bei den Innenstadtbesuchern aus dem weiteren Umland sind es sogar 31 Prozent. „Elmshorn muss aufpassen, dass die Kunden aus dem Umland nicht abhanden kommen“, sagte Gustafsson. Diese Kunden brächten am meisten Umsatz in die Innenstadt – und sie kämen mit dem Auto. Die Parkplatzsituation spielt für Gustafsson deshalb eine große Rolle bei der Kundengewinnung, wurde von den Befragten aber im Vergleich mit ähnlich großen Städte extrem schlecht bewertet. „Das sehe ich kritisch, denn das kostet Elmshorn wahrscheinlich Besucher“, sagte Gustafsson.

Aber wohin wandern die Kunden der Elmshorner Innenstadt eigentlich ab? Gustafsson konnte vor allem drei große Konkurrenten ausmachen: den Franzosenhof, die Hamburger Innenstadt und den Onlinehandel. Pinneberg und Itzehoe spielen dagegen fast überhaupt keine Rolle. „Der Franzosenhof hat einen großen Schluck aus der Flasche genommen. Der sollte nicht größer werden, man sollte den Franzosenhof aber auch nicht austrocknen lassen. Es ist wichtig für Elmshorn“, sagte Gustafsson. Was die wachsende Attraktivität von Hamburg betrifft, so führt er diese auf die gestiegene Anzahl der Pendler zurück, die in Elmshorn günstigen Wohnraum suchen, aber nach Hamburg orientiert bleiben.

Anders als in Städten mit vergleichbarer Größe ist das Alter der Kunden in Elmshorn nicht angestiegen – im Gegenteil, es kommen immer mehr Jugendliche, was laut Gustafsson ein Zeichen dafür ist, dass sich die Nutzung der Innenstadt wandelt und als Treffpunkt immer mehr Bedeutung gewinnt. Aufenthaltsqualität ist für den Berater etwas, das stärker in den Fokus der Stadtplaner und Politiker rücken sollte. So könne man die zurückgehende Handelsfunktion der Innenstadt kompensieren.

Anzahl der Geschäfte geht zurück

Die Zahl der Geschäfte ist in den vergangenen sechs Jahren von 340 auf 275 zurückgegangen. „Das fällt aber nur wenig auf, weil vor allem Läden in den Rand- und Nebenlagen weggefallen sind“, sagte Gustafsson. Inhabergeführte Fachgeschäfte hätten oft den Generationenwechsel nicht überlebt. Größere Läden konzentrierten sich immer mehr auf die Hauptgeschäftslagen. Die Zahl der Leerstände hat sich seit 2010 kaum verändert, allerdings beobachtet Gustafsson mit Sorge, dass es erstmals in der Fußgängerzone Ladenlokale gibt, die nicht nur vorübergehend leer stehen. Zwei Geschäftsräume würden möglicherweise dauerhaft keinen neuen Mieter finden. „Leere Schaufenster und Plakate an den Scheiben sind für die Außenwirkung einer Stadt fatal“, warnte Gustafsson. Entsprechend negativ fällt die Bewertung des Erscheinungsbildes aus. Er empfiehlt den Stadtplanern, an die Inhaber heranzutreten, um die Läden mit Kulturprojekten oder Pop-up-Stores wiederzubeleben.

Das bei den Kunden am meisten frequentierte Geschäft in der Innenstadt ist H&M mit 22 Prozent, kurz darauf folgen der Rossmann Drogeriemarkt (19 Prozent) und das Modehaus Ramelow (15 Prozent). Das spiegelt sich im Produktinteresse wider – wer in der Elmshorner Innenstadt einkauft, interessiert sich mit großem Abstand vor allem für Bekleidung, Drogerieartikel und Lebensmittel. Bäcker und Friseure werden dagegen als im Übermaß vorhanden empfunden.

Gustafsson stellte fest, dass Gastronomie und Lebensmittelhandel in der City an Bedeutung steigen. Das sollten die Stadtplaner bei der Gestaltung von Krückau-Vormstegen im Blick behalten. Was die Parkplätze betrifft, gab Gustafsson die Anregung, als Standort das Rathaus an der Schulstraße in Betracht zu ziehen. Für was sich Stadtplaner und Fraktionen auch immer entscheiden – der Vortrag gab ihnen auch jeden Fall viel Stoff zum Nachdenken.

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erstellt am 17.Okt.2016 | 13:00 Uhr

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