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Elmshorner Nachrichten

10. Dezember 2016 | 19:37 Uhr

Einfach mal vorbeischauen : Eröffnung des Mühlencafés in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Das Mühlencafé des Willkommensteams ist jetzt Treffpunkt für Elmshorner und Flüchtlinge. Stadt übernimmt Miete.

Elmshorn | Spender, Partner, Institutionen, Flüchtlinge und Mitglieder – sie waren alle vertreten bei der offiziellen Eröffnung des Mühlencafés am Freitagnachmittag. Das Willkommensteam hat in den vergangenen Monaten viel Arbeit und Spendengelder in das Projekt gesteckt, aus einem ehemaligen Bettenhaus in der Mühlenstraße einen gemütlichen, einladenden Treffpunkt für Elmshorner und Flüchtlinge zu machen.

Jetzt war es also so weit: Die Menschen flanierten mit Sektgläsern zwischen den hellen Sofas und kleinen Tischen hindurch, bewunderten die Kunstwerke, die Elmshorner Künstler dem Willkommensteam zur Verfügung gestellt haben, und holten sich an der neu eingebauten, in Rottönen gehaltenen Küche ein paar Snacks. Die Vorsitzende Antje Thiel nahm die rund 70 Gäste in ihrer Ansprache mit auf eine Reise zu den Anfängen des Willkommensteams.

„Das Willkommensteam ist jetzt ziemlich genau zwei Jahre alt“, sagte sie. „Damals stiegen die Flüchtlingszahlen immer weiter und die Verwaltung erkannt, dass Flüchtlinge mehr brauchen als das, was eine Behörde leisten kann.“ Es gab ein erstes Treffen mit Freiwilligen, daraus entstand eine Gruppe engagierter Helfer, aus der wiederum im März 2015 der Verein „Willkommensteam für Flüchtlinge e.V.“ wurde. Die Mitglieder übernahmen Patenschaften für Flüchtlinge, unterstützten sie bei Behördengängen, begleiteten sie zu Arztbesuchen und vermittelten ihnen Kontakte, damit sie sich willkommen fühlten.

„Wir sind jedoch schnell an Grenzen gestoßen“, berichtete Thiel. „Es konnte einfach nicht jeder gleich gut über alles Bescheid wissen“. Deshalb gründeten sich verschiedene Arbeitsgruppen, die sich zum Beispiel auf Hausaufgabenhilfe, die Vermittlung von Arbeit oder die Reparatur von Fahrrädern spezialisierte. Und wieder stieß das Willkommensteam an Grenzen – diesmal an räumliche. „Wir trafen uns abwechselnd privat, unser Material lagerte in der ganzen Stadt. Wir brauchten einen Raum als Treffpunkt für die Teams – und damit die Flüchtlinge mit Elmshornern in Kontakt kommen können.“

Die Idee vom Mühlencafé war geboren. Bereits jetzt trifft sich in den Räumen in der Mühlenstraße ein Sprachkurs für Menschen aus Afghanistan, im Keller schraubt die Fahrrad-AG und bald sollen andere Arbeitsgruppen dazu kommen. Aber vor allem ist das Café als Treffpunkt für Jedermann gedacht. „Viele scheuen sich davor, eine Patenschaft zu übernehmen“, sagte Thiel. „Aber hier kann man einfach vorbeischauen – und wenn am Nebentisch zufällig ein Flüchtlingen mit einem Behördenbrief oder seinen Hausaufgaben kämpft, kann man schnell kurz mal helfen.“ Darauf freut sich auch schon Melles Arem aus Eritrea. Als er alleine nach Deutschland gekommen war, sei das Willkommensteam zu seiner Familie geworden. „Am Anfang fühlen sich Flüchtlinge oft sehr einsam“, sagte er. „Es ist gut, dass es jetzt in Elmshorn ein so schönes Café zum Kennenlernen gibt.“

Stadtrat Dirk Moritz verwies darauf, dass es ein Irrtum ist, zu glauben, durch die sinkenden Flüchtlingszahlen sei nichts mehr zu tun. 2016 seien bislang mit 207 Neuankömmlingen mehr Flüchtlinge gekommen, als im Jahr 2014. Dazu kommt, dass immer mehr Menschen im Rahmen des Familiennachzugs nach Elmshorn kämen. „Es gibt also nicht weniger, sondern eher mehr zu tun. Und genau aus diesem Grund brauchen wir mehr denn je solch wichtige Organisationen wie unser Willkommensteam.“

Die Stadt unterstützt das Mühlencafé, in dem sie die Miete übernimmt. Besonders beeindruckt zeigte sich Bürgermeister Volker Hatje von dem Engagement von Constance Diegel, die nicht nur die Idee mit dem Mühlencafé hatte, sondern sie auch tatkräftig in die Tat umgesetzt hat. „Diese Frau brennt für diese Aufgabe“, so der Bürgermeister. „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Entsprechend motiviert sehen alle Beteiligten dem Start des Cafés in dieser Woche entgegen. Zunächst hat es dreimal pro Woche geöffnet: dienstags und donnerstags von 14 bis 18 Uhr und freitags von 13 bis 17 Uhr.

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erstellt am 24.Okt.2016 | 14:00 Uhr

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