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Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Stadtjubiläum : Elmshorns größte Geburtstagsparty

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

500 Gäste kamen zum Empfang zum 875-jährigen Bestehen der Stadt. Und am Ende gab es noch eine Überraschung.

Elmshorn | Dass die Krückau hier so flach ist, das verfluchte schon so mancher Elmshorner Schipper, die Verschlickung des Flusses hat Werften und Schifffahrt einschlafen lassen. Aber gerade diese Besonderheit ließ Elmshorn erst entstehen: Hier konnte der Fluss überquert werden, im Verlauf einer Heerstraße siedelten sich darum die ersten Bewohner an genau dieser Stelle an. Nördlich der Krückau, wohlgemerkt, die südlichen Gebiete Vormstegen und Klostersande wurden erst 1878 eingemeindet, gegen erbitterten Widerstand Vormstegens.

Wann sich die ersten Bewohner dort niederließen, wo heute gut 50  000 Menschen in der sechstgrößten Stadt Schleswig-Holsteins leben, weiß niemand. Aber die erste urkundliche Erwähnung ist bekannt: In einem Schreiben vom 11. Juli 1141 erwähnte der Hamburger Erzbischof den Ort und damit beginnt die offizielle Stadtgeschichte. 875 Jahre ist das her, und dieses Jubiläum feierte die Stadt gestern mit einem Bürgerempfang in der Olympiahalle. Rund 500 Zuschauer inklusive Minister- und Kreispräsident, Bundes- und Landtagsabgeordneten und Vertretern der Partnerstädte Tarascon (Frankreich), Wittenberge, Stargard (Polen) und Raisio (Finnland) bekamen einen ungewöhnlichen Festakt geboten: Rund zwei Stunden dauerte der Streifzug durch die Stadtgeschichte, der von 80 ehrenamtlich Aktiven mit Liedern und szenischen Darstellungen kurzweilig dargeboten wurde.

Verwurzelt und sozial

Als Ehrengast lobte Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) Elmshorn in seinem Grußwort: Die Stadt werde „immer ein ganz starker Teil Schleswig-Holsteins“ sein. Er bescheinigte ihr gute Entwicklungsmöglichkeiten und bezeichnete die Elmshorner als „sinntypisch für unser Land“, weil sie einerseits verwurzelt seien, andrerseits Probleme anpackten und nicht nur an sich dächten. „Hätten unsere Vorfahren gesagt: ‚Ich habe da nichts mit zu tun‘, dann gebe es heute nichts zu feiern“, sagte Albig und verwies auf die historische Parallele, dass 1756 nach einer großen Sturmflut 600 Marschenbewohner in Elmshorn aufgenommen werden mussten und im vergangenen Jahr 500 Flüchtlinge.

Ehrenamtler gestalten Programm

Dass die Elmshorner Gemeinschaftssinn pflegen, stellten sie mit dem Bürgerempfang unter Beweis. Unter der Führung von Bürgervorsteher Karl Holbach und seiner Frau Annkatrin gestalteten sie ehrenamtlich das Programm. Der Singkreis der Liedertafel trat auf, der DRK-Kindergarten, die Dittchenbühne und die Theatergruppe der Ehemaligen der EBS illustrierten in sechs kurzen Szenen geschichtliche Daten: unter anderen die Mühsal des Viehtriebs über den Ochsenweg, Schulunterricht im 19. Jahrhundert, die Plagen der Besetzung im 30-jährigen Krieg. Trockene Daten wurden in einer Sprech-Motette vorgetragen, zusammengehalten wurde alles von Karl Holbachs Referat, zum Finale sangen alle zusammen ein Elmshorn-Kindergartenlied.

 

Ministerpräsident Albig verwies in seinem Grußwort auf zwei wichtige Daten der Stadt: 1863 versammelten sich in Elmshorn 20  000 Schleswig-Holsteiner, um die Unabhängigkeit ihres „op ewig ungedeelten“ Landes zu proklamieren; vergebens, 1866 wurde es preußische Provinz. Im Mai 1945 schaffte es Elmshorn als eine von nur zwei deutschen Städten, die Nazis zum Ende des Kriegs selbst zu vertreiben, bevor die alliierten Truppen einrückten.

Überraschung am Ende

Heute schützt das Krückausperrwerk vor Sturmfluten, verfügen fast alle Elmshorner Haushalte über Breitband-Anschlüsse und die Stadt wächst. Den Bahnhof nutzen täglich 11  000 Menschen, damit ist er der drittgrößte in Schleswig-Holstein. Die Unternehmervillen aus der Blütezeit Anfang des 20. Jahrhunderts stehen noch heute an der Kaltenweide und am Mühlendamm, viele der damals wichtigen Wirtschaftszweige gibt es hier dagegen nicht mehr: Lederindustrie, Schiffbau, Textilindustrie. Dass die vergangenen Jahrhunderte den Vorfahren viele Kämpfe bescherten, gegen Brände, Seuchen, Fluten und politische, daran erinnerten sich die Elmshorner an ihrem Geburtstag. Weltoffenheit und Bodenständigkeit wünschte Bürgervorsteher Karl Holbach seiner Stadt, mit diesen Tugenden sah auch Albig die Stadt gewappnet für die Zukunft.

Als Überraschung präsentierte Bürgermeister Volker Hatje zum Abschluss der Veranstaltung den gerade fertig gestellten Imagefilm über Elmshorn. Der propagiert die Stadt mit moderner Bildsprache vor allem als attraktiven Wirtschaftsstandort. Und danach gab es Erbsensuppe vom DRK – weltoffen und verwurzelt.

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