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Elmshorner entgehen knapp dem Anschlag von Istanbul

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Terror Vorsitzender der türkisch-islamischen Gemeinde kämpft für den guten Ruf seines Glaubens

„Das tut mir im Herzen weh“ – Ali Evcil trauert mit den Hinterbliebenen der Opfer des Anschlags am Flughafen Istanbul. Als gläubiger Muslim ist der Vorsitzende der türkisch-islamischen Gemeinde Elmshorn entsetzt über das Morden im Namen seiner Religion. Diesmal sitzt dem 51-Jährigen der Schrecken besonders in den Gliedern: Gemeinsam mit elf weiteren Familienmitgliedern entkam er dem Terror am vergangenen Dienstag nur durch einen Zufall. „Man muss sich einmal vorstellen, es hätte uns alle treffen können“, so Evcil.

Die Familie des Elmshorners war wegen eines Trauerfalls in die Türkei gereist. „Es war zunächst vorgesehen, dass wir am Dienstag, dem Tag des Anschlags, gemeinsam vom Flughafen Atatürk aus nach Hamburg fliegen“, so Ali Evcil. Doch kurzfristig organisierte die Familie die Rückreise dann doch anders. Ein Teil der Verwandtschaft flog bereits am Montag von Istanbul aus. Evcil selbst folgte mit dem Rest der Familie am Mittwoch. Die zweite Gruppe mit Ali Evcil musste allerdings von Antalya aus fliegen. „Nach dem Anschlag war alles gesperrt, man kam nicht einmal in die Nähe des Flughafens Atatürk und wir mussten umbuchen“, so Ali Evcil. In der Zwischenzeit sind alle Familienmitglieder wohlbehalten wieder in Deutschland angekommen.

„Der Zeitpunkt des Anschlags war bewusst gewählt. Während des Fastenmonats Ramadan wird viel gebetet und Gemeinsamkeit gelebt. Alles soll friedlich sein“, sagt Ali Evcil. Für den Elmshorner ist klar, warum islamistische Terroristen immer wieder die Türkei als Ziel für Anschläge wählen. Unter den radikalen Muslimen gelte die Türkei als zu liberal und zu westlich orientiert. „Die glauben, die Türken seien gar keine echten Muslime“, sagt Ali Evcil.

Was bei ihm außer Entsetzen über den Anschlag bleibt, ist die Überzeugung, dass die Terroristen ihre Ziele niemals erreichen dürfen. „Wir lassen uns nicht einschüchtern und fahren natürlich wieder in die Türkei“, so der 51-Jährige. Der nächste Flug sei bereits gebucht.

Der Vorsitzende der muslimischen Gemeinde in Elmshorn muss derzeit viel Aufklärungsarbeit leisten. Dabei geht es um Integration, den Islam und immer wieder die Gewalt. Ali Evcils Antwort: „Meine Religion ist keine Terror-Religion. Das Töten von Menschen hat mit dem Islam nichts zu tun.“ Evcils Gemeinde feiert in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen. Zentrum der Gemeinschaft ist die Moschee an der Biernatzkistraße. Dort war der Anschlag Thema während des gestrigen Freitagsgebets. Seite 9

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