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Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 07:06 Uhr

Elbsafari: Mit dem Tidenkieker unterwegs

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Ausflugstipp Die Touren – auch zu speziellen Themenschwerpunkten wie Naturgewalten oder Literatur – sind buchbar über das Elbmarschenhaus in Haseldorf

Mit dem Tidenkieker auf der Unterelbe unterwegs sein, ist wie Eintauchen in eine ganz andere Welt – es beginnt schon, wenn man das grasgrüne Schiff mit dem freundlich grüßenden Seebären am Ausguck zwischen den Schlickbänken hindurch auf dem großen Elbarm in den Haseldorfer Hafen steuern sieht. Gespannt gucken die wartenden Passagiere den Crewmitgliedern zu, wie sie die schmale Gangway zusammenbauen, über die man hinunter an Bord klettert. Und dann gilt es, auf der Haseldorfer Binnenelbe entlang mannshohen Schilfröhrichts zu schippern, das im Hochsommer seine Blütenstände im Wind wiegt. Das Wasser läuft allmählich auf, und so ragen die hohen Schlickbänke des Süßwasserwatts aus den verzweigten Wasserarmen heraus. Für Lach- und Silbermöwen wartet hier viel Nahrung. Selbst der Graureiher stolziert durch den Schlick und stochert mit seinem Schnabel nach Leckerbissen.

Die Fahrrinne ist mit Pricken (Birkenstämmen) markiert, damit die Schiffe nicht auf Grund laufen. Mit einem Tiefgang von 50 Zentimetern wurde das Flachbodenschiff Tidenkieker extra angefertigt, um Besuchern Naturerlebnisse auf der Elb-Safari zu ermöglichen. Und doch passiert es immer mal wieder, dass das Schiff festsitzt, weil die Schiffer Passagieren zeigen wollten, wie es in der Sumpfwildnis zwischen den Elbinseln aussieht. Das ist weiter nicht schlimm; dann wartet man halt einen Augenblick, bis genug Wasser aufgelaufen ist.

Diese Sumpfwildnis mag ein Abbild der Zustände in den Elbmarschen sein, bevor die Holländer im 12. Jahrhundert kamen, für Entwässerung sorgten, Siele und Deiche bauten und so die Basis für das Entstehen der heutigen Landschaft sorgten. Von „Inseln und Pfützen“ sprach der Missionar Vicelin, der seinerzeit das Kloster Neumünster gründete. Für Mönche und ihre Klosterschätze war das legendäre Dorf Bishorst an der Unterelbe Zufluchtsort, wenn die Klosterbrüder wieder einmal von einfallenden Wenden bedroht wurden. Wie zahlreiche andere Orte versank Bishorst in den Fluten der Elbe – auch weil die Deiche nicht genug gepflegt wurden. Es kann einen schon ein mulmiges Gefühl überkommen, wenn der Tidenkieker über die Stelle fährt, an der sich die Bishorster Kirche mit dem Friedhof befand.

Der Tidenkieker fährt zwischen mannshohen Beständen der Blaugrünen Binse hindurch in die Pinnau- Mündung, als ein Passagier aufgeregt „ein Adler“ ruft und auf einen Pfahl zeigt, auf dem der junge Vogel sitzt. Das gehört ebenso zu den überraschenden Naturerlebnissen wie das Sichten eines Seehundes auf dem Schlick oder einer Familie Nilgans mit zwei Jungen.

Nach einem Wendemanöver hinter dem Pinnau-Sperrwerk geht die Fahrt weiter zur unbewohnten Elbinsel Pagensand. Während des halbstündigen Fußmarschs durchqueren die Gäste einen dicht bewachsenen Wald und eine große Wiese. So gelangen sie auf einem abenteuerlichen Trampelpfad bis ans am Fahrwasser gelegene Ufer, wo man tagsüber den Sandstrand genießen oder bei einem Abendtörn den stimmungsvollen Sonnenuntergang beobachten kann. Die sandigen Schuhe können später mit einem Schlauch der Reinigung unterzogen werden.

Der sich an Backbord nähernde Leuchtturm Juelsand wird von Gästen immer wieder für eine Kirche gehalten. Das Bauwerk markiert die Einfahrt zum Dwarsloch und damit zum Haseldorfer Hafen. Bei Fahrten im Frühjahr kann man auf den benachbarten Wiesen Zehntausende von Nonnengänsen rasten sehen. Manchmal kreist auch ein Riesenschwarm von Zugvögeln über dem Gebiet.

Wer Interesse an den stark nachgefragten Touren hat, kann sie (rechtzeitig!) buchen. Als eine von drei fachkundigen Begleitern ist auch die Elmshornerin Annkatrin Holbach mit dabei. Die Natur- und Landschaftsführer erklären Gästen auf jeder Tour die Naturschönheiten. Holbach beispielsweise bietet als weitere Schwerpunkte entweder Naturgewalten, Strandraub, Piraten oder Literatur an.

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erstellt am 06.Aug.2016 | 16:00 Uhr

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