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Elmshorner Nachrichten

28. März 2017 | 00:33 Uhr

Made in Elmshorn : Eintauchen in die Welt der Seifen

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Elmshornerin fertigt Seife. Anfertigungen für besondere Ereignisse.

Elmshorn | Für ein Hotel in Wolfsburg Seifenstücke in Form eines Automodells herstellen; Jubiläumsseife für die Elmshorner Volksbank inklusive eingeprägtem Logo; fürs Nolde-Museum Seifen zu Geschichten produzieren: wenn Emil Nolde nach Berlin fuhr, nahm er immer Honig und Fliederbeersaft mit, also entwickelte Doris Heilmann eine Seife mit Honigduft in Fliederfarbe. „Ich kann für jede Firma sehr schnell etwas machen“, sagt die Elmshornerin. Oder fürs Brautpaar kleine Seifenstücke als Geschenke an die Gäste herstellen.

„Holsteiner Seifenmanufaktur“ heißt Heilmanns Unternehmen. Dort produziert sie Seifen; und Badebomben, Körperbutter, Gesichtswasser, Augen-Makeup-Entferner und Lippenpflegestifte. Die kann man alle in ihrem Online-Shop kaufen. Aber betriebswirtschaftlich ist das Geschäft mit Unternehmen, die Seifen mit bestimmten Eigenschaften bestellen, wichtiger. Aktueller Auftrag: eine Rasierseife; der Duft wird besprochen, die Farbe ist klar, beim Auftraggeber ist alles in dunkelblau.

Doris Heilmann hat sich die Herstellung von Seifen selbst angeeignet.
Doris Heilmann hat sich die Herstellung von Seifen selbst angeeignet. Foto: Jann Roolfs

Die Faszination für Seifen fing schon in Heilmanns Kindheit an: Ihre Mutter hatte eine Schublade, in der sie Seifen sammelte. Aber erstmal machte sie eine Lehre in einer Bank. Irgendwann war sie verheiratet, hatte zwei Kinder und langweilte sich zu Hause. Sie fing an, Seifen zu verkaufen. Die ersten Versuche, selbst welche herzustellen, „sind drei Mal sowas von in die Hose gegangen“, dass sie das Projekt aufgeben wollte. Aber ihre Tochter erinnerte sie: „Mama, du hast gesagt, man gibt nicht auf“, also machte Heilmann sich an die Recherche und hatte schließlich Erfolg.

Seifenproduktion ist Chemie: Man braucht Säure; die kommt aus Fetten. Früher wurden die in stundenlangem Kochen aus Knochen gewonnen, heute werden pflanzliche benutzt, zum Beispiel Olivenöl. Zweite Grundzutat ist eine Lauge; die stellt Heilmann aus Natriumhydroxid her; in Wasser gelöst ergibt das Natronlauge. Wird die Substanz in Schaf- oder Ziegenmilch gelöst, wird die Seife fettiger, das pflegt die Haut. Säure und Lauge werden miteinander verrührt, sie neutralisieren sich und dabei entsteht ein Salz – die Seife. Das Verrühren geschieht, je nach Rezept, bei bestimmten Temperaturen: „Das ist die Kunst dabei“, erklärt Heilmann.

Mit weiteren Zutaten werden Eigenschaften der Seife bestimmt: ätherische oder Parfumöle für den Duft, Farbstoffe oder Bimsstein-Mehl für bessere Reinigungswirkung. Diese Seife mit Bimsmehl liefert Heilmann regelmäßig an eine Autowerkstatt – statt Waschpaste. Nach dem eigentlichen Sieden wird die Seife über Nacht in Styroporkisten gelagert, das ist die Gelphase. Dann fühlt sich die Seife an „wie Käse“. Am nächsten Morgen wird sie ausgepackt und jeder Block in 60 Seifenstücke geschnitten. Dann werden die Kanten im Wellenschliff angeschnitten und jedes Stück gestempelt, das sind die Heilmanns Markenzeichen. Schließlich folgen vier Wochen Reifezeit im Lager mit Trocknungsgerät, damit das Wasser aus der Seife verdunstet.

 Zutaten für Seifen: ätherische und Parfumöle sorgen für Duft.
Zutaten für Seifen: ätherische und Parfumöle sorgen für Duft. Foto: Jann Roolfs
 

Nerviger ist die Bürokratie: Für jedes Rezept muss Doris Heilmann einen Sicherheitsbericht erstellen lassen – Kostenpunkt: 300 Euro – und ihre Daten an die EU melden. Jährlich wird ihr Labor amtlich überprüft. Für jeden Bestandteil ihrer Seifen muss sie vom Lieferanten ein Sicherheitsdatenblatt verlangen. „Ein Höllenaufwand“, schimpft sie; hinter den Auflagen sieht sie Vertreter großer Konzerne, die sich unliebsame Konkurrenz kleiner Firmen vom Hals halten wollen.

„Man hat irrsinnig viele Ideen, was man herstellen kann“: Es gibt Seifen in verschiedenen Düften, Farben und Formen, marmoriert oder zweifarbig; die „Prinzessinnenseife“ ist pink, mit Glitzersteinchen drauf und Krönchen-Stempel, ein Produkt für Mädchen. Die meisten Kunden der Manufaktur sind weiblich. Speziell für Männer hat Heilmann zwei Produkte im Angebot. Aber als Kunden sind sie ihr lieb: „Das sind die entspanntesten Einkäufer“, die sich schnell und klar entscheiden.

 Ein kleines Seifenmuseum im Lager der Seifenmanufaktur.
Ein kleines Seifenmuseum im Lager der Seifenmanufaktur. Foto: Jann Roolfs
 

Vor gut zwölf Jahren hat Heilmann sich mit ihrer Manufaktur selbstständig gemacht. Eine Mini-Jobberin hilft ihr in der Produktion. Zeitweise hat Heilmann von der Seife gelebt, inzwischen hat sie nebenbei einen Halbtagsjob. „Alles allein abdecken, das ist nicht mehr zu schaffen“, sagt sie. Zurzeit verhandelt sie über eine Fusion mit einem Unternehmen aus Raa-Besenbek, ihrem wichtigsten Kunden. Der Markenname bliebe dann erhalten. Aber auch die Idee, ihre Seifenmanufaktur zu verkaufen, „ist noch nicht aus der Welt“.

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erstellt am 17.Mär.2017 | 16:30 Uhr

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