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Elmshorner Nachrichten

04. Dezember 2016 | 15:19 Uhr

Ein Leben für die Feuerwehr

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Porträt Bettina Hörmanns Hobby ist die Rettung von Leben / Auch ihre Hochzeit wird sie auf einer Wache feiern – in New York

Tagsüber verteilt Bettina Hörmann Briefe in einem von Hamburgs nobelsten Stadtteilen. Nachts ist die 42-Jährige als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Elmshorn stets bereit, zu einem Notfall zu fahren. Wach wird sie dann sowieso, denn als Verlobte des hauptamtlichen Gerätewartes Norbert Huckfeldt wohnt Hörmann direkt in der Feuerwehrwache in der Peterstraße. Wenn sie anderen von ihrem Hobby erzählt, reagieren die meisten erst einmal irritiert. „Entweder gehen sie davon aus, dass Elmshorn eine Berufsfeuerwehr hätte. Oder sie glauben mir nicht, weil ich eine Frau bin.“

Überhaupt könnten Außenstehende oft nicht richtig nachvollziehen, was es heißt, freiwillig als Feuerwehrfrau zu arbeiten. Ihren Pieper, ein kleines Gerät, das erstaunlichen Krach machen kann, trägt Bettina Hörmann immer bei sich, sei es beim Einkaufen, bei der Arbeit oder wenn sie sich mit Freunden trifft. Bei kleineren Einsätzen müssen nicht alle 120 Mitglieder der Elmshorner Feuerwehr ausrücken. Aber wenn es einen Großeinsatz gibt, wie zum Beispiel als im März die Autowerkstatt in der Johannesstraße gebrannt hat, lässt Bettina Hörmann alles stehen und liegen und eilt auf die Feuerwehrwache – sogar ihre Arbeit in Hamburg verlässt sie in einem solchen Fall. Auch nachts sind die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr immer bereit, niemand weiß, wann der nächste Einsatz kommt – und wie groß er sein wird. „Ich habe neben dem Bett immer Kleidung bereitliegen“, sagt Hörmann.


Ein zeitaufwendiges Hobby


Zeit für andere Hobbys bleibt bei den regelmäßigen Dienstabenden und den Einsätzen nicht – allein im Juli waren es insgesamt 27 für die Elmshorner Feuerwehr. Zumal sich Bettina Hörmann zusätzlich zur Rettungstaucherin hat ausbilden lassen. Das bedeutet einmal in der Woche Training bei der Feuerwehr Itzehoe, weil Elmshorn keine eigenen Rettungstaucher hat. Eingesetzt werden die Taucher zum Beispiel wenn es gilt, in einem See, Fluss oder im Meer vermisste Personen zu suchen.

Zur Feuerwehr hat Bettina Hörmann durch einen Zeitungsartikel gefunden. „Vor zehn Jahren suchte die Feuerwehr neue Mitglieder.“ Sie wollte etwas sinnvolles im Leben machen und kurz zuvor hatte Hörmann nach einem Unfall einige Zeit in einem Hamburger Notfallkrankenhaus verbracht. „Dort habe ich viele Brandverletzte kennengelernt, die froh waren, dass es die Feuerwehr gibt. Als es mir wieder gut ging, bin ich einfach mal bei der Wache vorbeigegangen.“ Damals war sie die dritte Frau unter mehr als hundert Männern. Ein Problem war das nicht. „Ich wurde sofort als vollwertiges Mitglied aufgenommen und fühlte mich sofort zuhause.“ Bei der Feuerwehr Elmshorn gibt es derzeit elf Frauen. „Es ist wichtig, dass eine Feuerwehr Frauen hat“, sagt Bettina Hörmann. „Sie sind in manchen Situationen einfach sensibler – auch wenn die Jungs das super machen.“

Egal ob Mann oder Frau – Gefahr ist bei den Einsätzen der Feuerwehr ein ständiger Begleiter. „Da kriegt man auch keine Routine, jeder Einsatz ist anders, auch wenn ich nach zehn Jahren natürlich einiges an Erfahrung habe“, sagt Hörmann. Man dürfe aber nicht ständig an die Risiken denken, „das muss man von sich fern halten. Man macht seine Arbeit und denkt nicht darüber nach.“

Der schlimmste Einsatz, den Bettina Hörmann bis jetzt erlebt hat, war der Brand in einem Mehrfamilienhaus in der Mühlenstraße im Dezember 2010. .„Als wir dort ankamen, schlugen die Flammen schon aus den Fenstern“, erinnert sich Bettina Hörmann. „Dort stand ein Vater mit einem Kind auf dem Arm – da war für uns Eile geboten. Zum Glück haben wir die Familie unversehrt über die Drehleiter aus dem Haus holen können.“

Trotzdem – die Arbeit als Feuerwehrfrau macht Bettina Hörmann vor allem sehr viel Spaß. „Es freut mich, wenn ich weiß, dass ich Menschenleben retten kann“, und ergänzt dann mit einem Lächeln. „Natürlich ist es auch toll, mit dem großen Feuerwehrauto durch die Stadt zu fahren.“ Für alle Feuerwehrleute ist die Arbeit mehr als eine Freizeitbeschäftigung. Aber für Bettina Hörmann ist sie mittlerweile zu ihrem Leben geworden.


Hochzeit in der Feuerwehrwache


Die gebürtige Elmshornerin hat bei der Feuerwehr nicht nur ihren Verlobten, Gerätewart Norbert Huckfeldt, kennengelernt, das Paar feiert auch seine Hochzeit auf einer Feuerwehrwache. Und zwar nicht auf irgendeiner Wache: Anfang September fliegen die beiden Feuerwehrleute nach New York. Getraut werden sie unter der Brooklyn Bridge, dann geht es in weißem Kleid und im Anzug mit einem original amerikanischen Feuerwehrauto weiter in eine New Yorker Feuerwehrwache. „Das wird bestimmt aufregend, diese bulligen Autos finde ich toll“, sagt Bettina Hörmann. Sie hat schon öfter Feuerwehren im Ausland besucht, zum Beispiel in den Niederlanden oder auf Gran Canaria. „Dann tauschen wir T-Shirts aus und es ist immer sehr nett.“

Dieses Mal werden sich die Kameraden ganz besonders freuen – Bettina Hörmann und Norbert Huckfeldt verzichten auf Eheringe und werden das Geld spenden. Dann geht es für das frisch getraute Paar weiter auf eine zweiwöchige Kreuzfahrt, bevor Bettina Hörmann – dann Bettina Huckfeld – zurückkehrt in ihren Alltag zwischen Post verteilen und Leben retten.

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erstellt am 02.Sep.2016 | 16:00 Uhr

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