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Lidl-Debatte in Elmshorn : Die Stadt will kleine Märkte schützen

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Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Stadt möchte möglichst viele Nahversorger erhalten – deshalb darf Lidl den Discounter am Eiskeller nicht erweitern.

Elmshorn | Der Lidl-Markt am Eiskeller wird im Oktober schließen, weil die Stadt einer Erweiterung  nicht zustimmt – das steht seit vergangener Woche fest. Bereits im vergangenen Herbst hatten rund 3100 Bürger für den Erhalt des Discounters ihre Unterschrift geleistet. Jetzt regt sich in den sozialen Netzwerken  erneut der Widerstand gegen die Stadt. Die Hauptkritikpunkte: Elmshorn verliere einen wichtigen Nahversorgungs-Standort und besonders älteren Menschen werde die Versorgung mit Lebensmitteln enorm erschwert.

Silke Faber, zuständige Leiterin des Amtes für Stadtentwicklung, kann die Sorgen nachvollziehen. „Aber eigentlich verfolgt die Stadtverwaltung dasselbe Ziel wie die Mitglieder der Bürgerinitiative. Nur beim Weg dorthin sind wir uns nicht einig.“ Im Klartext bedeutet das: Wenn sich Stadtverwaltung und Politik gegen eine Erweitung des Lidl-Marktes von 800 auf rund 1500 Quadratmeter aussprechen, dann geht es ihnen dabei in erster Linie um den Schutz der vorhandenen Nahversorger in Elmshorn. Schließlich hatte der Nahversorgungs-Gutachter Andreas Gustafsson im Juni ganz klar gemacht, dass eine Erweiterung den Edeka-Markt an der Meteor-Straße in seiner Existenz bedrohen würde.

 „Wenn wir das weiterdenken, sieht das Horrorszenario so aus, dass es irgendwann nur noch einige wenige Großmärkte gibt“, erläutert Faber. „Das wäre wie beim Verschwinden der Tante-Emma-Läden – wir wären nicht in der Lage, den 700-Meter-Radius, in dem die Nahversorgung sichergestellt ist, aufrecht zu erhalten.“ Das bedeutet aber nicht, dass die Stadt nicht für Veränderungen offen wäre.

Das oberste Ziel

Überall innerhalb von Elmshorn soll es in einem 700-Meter-Radius einen Nahversorger geben. Das ist das oberste Ziel von Silke Faber und ihrem Team vom Amt für Stadtentwicklung. „Klar, mit dem Rollator ist das immer noch eine weite Entfernung“, sagt Faber. „Aber leider sind die Zeiten der Tante-Emma-Läden vorbei.“

Auch ohne den Lidl am Eiskeller ist diese Entfernung nach wie vor durch den Netto-Markt an der Reichenstraße und durch das Nahversorgungszentrum an der Meteorstraße gewährleistet. Das bedeutet aber nicht, dass die Stadt grundsätzlich gegen einen Supermarkt am Eiskeller wäre. „Ganz im Gegenteil“, sagt Faber. „Im neuen Bebauungsplan hat der Nahversorger am Eiskeller sogar Bestandsschutz.“ Wenn also ein anderes Unternehmen Interesse an der 800 Quadratmeter großen Fläche hätte, wäre die Stadt die Letzte, die sich dagegen stellen würde. „Erst kürzlich hatten wir eine Nachfrage für genau diese Größe“, berichtet Silke Faber. Letztlich könne die Stadt aber nicht garantieren, dass dieser Interessent sich tatsächlich für den Eiskeller entscheidet. „Das ist Marktwirtschaft.“

Im Rahmen ihrer Möglichkeiten bemühe sich die Stadtverwaltung aber, ein dichtes Netz von Nahversorgern zur Verfügung zu stellen. Aus genau diesem Grund lässt sie außerhalb der Innenstadt und der drei Nahversorgungszentren – Meteorstraße, Hainholz und Koppeldamm – keinen sogenannten großflächigen Einzelhandel mit über 800 Quadratmetern zu. Denn das, da war der Nahversorgungs-Experte Andreas Gustafsson ganz deutlich, würde eine Konkurrenz-Gefahr bedeuten. Die Faustformel lautet: Ab einer Größe von 800 Quadratmetern gräbt ein Supermarkt anderen Märkten die Kunden ab. Und würde die Stadt einem Discounter die Erweiterung erlauben, kämen bald auch andere mit dem selben Wunsch – und diese würden wiederum anderen, kleineren Märkten Konkurrenz machen. „Wir stehen vor der Entscheidung, ob wir in unserer Stadt viele kleine oder wenige große Supermärkte haben wollen.“

Eine Stadt mit drei dezentralen Stadtteilzentren

Zwar hätte Lidl immer argumentiert, sein Warensortiment nicht erweitern sondern nur die Gänge verbreitern zu wollen. „Aber das können wir auf Dauer nicht beeinflussen“, sagt Faber. Das Einzelhandelszentrum an der Meteorstraße will die Stadt aber auf jeden Fall erhalten, Faber findet es „großartig“ in einer Stadt wie Elmshorn gleich drei dezentrale Stadtteilzentren zu haben – und dort sei es, anders als beim Lidl, aufgrund der fehlenden Platzreserven nicht möglich, unbegrenzt zu erweitern.

Die Amtsleiterin Silke Faber ist sich sicher: Wäre das Zentrum an der Meteorstraße in Gefahr, würden leicht doppelt so viele Unterschriften wie bei Lidl zusammenkommen. „Wer für die Erweiterung des Lidls unterschrieben hat, war sich nicht bewusst, dass er gleichzeitig gegen die Geschäfte an der Meteorstraße unterschrieben hat.“

Die Stadtverwaltung ist bereits mit den Geschäftsleuten in der Meteorstraße im Gespräch, wie sich dort die Enge der Läden und die schlechte Parkplatzsituation verbessern ließen. „Es gibt dort durchaus noch Potenzial“, sagt Faber. Ihre Mitarbeiter beschäftigen sich auch mit der Frage, wie Senioren und Menschen mit Behinderungen besser ihre Nahversorger erreichen können. Eine Möglichkeit wären zum Beispiel Querungshilfen an den schwer mit einem Rollator begehbaren Straßen mit Kopfsteinpflaster. Faber: „Das Thema liegt uns sehr am Herzen.“

Auch im Internet kocht die Diskussion hoch. Auf der Facebookseite der Elmshorner Nachrichten hat die Nachricht die Gemüter erhitzt.

Andere User trauern bereits jetzt dem Lidl-Supermarkt hinterher.

Aber es gibt auch Befürworter der Entscheidung, die nicht die Stadt in der Schuld sehen, sondern den Anbieter, in diesem Fall Lidl selbst.

 
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erstellt am 14.Sep.2016 | 06:00 Uhr

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