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Elmshorner Nachrichten

11. Dezember 2016 | 05:18 Uhr

Flüchtlinge : Die Perspektive wechseln

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Die Syrische Ärztin Khaledia Abdullah beschreibt in einer neuen Kolumne das Leben als Flüchtling aus ihrer Perspektive.

Über Flüchtlinge wird derzeit viel geredet und geschrieben – aber nur selten kommen die Menschen selber zu Wort, die vor Krieg und Verfolgung aus ihrer Heimat zu uns geflohen sind. Die Elmshorner Nachrichten wollen das jetzt ändern. Ab heute wird Khaledia Abdullah aus Syrien alle zwei Wochen in einer Kolumne über ihr Leben als Flüchtling in Deutschland berichten.

Die Syrerin ist im März 2015 nach Deutschland gekommen. In ihrer Heimat, in Damaskus, hat sie als Oberärztin in der Anästhesie eines Krankenhauses gearbeitet. Als der Krieg in Syrien ausbrach, verlor Khaledia Abdullah ihre Wohnung durch einen Bombenangriff. „Der Krieg war plötzlich überall“, erzählt sie in größtenteils fließendem Deutsch. „Es gab keinen sichereren Platz in Syrien mehr.“

Schwierige Flucht

Aber verlassen konnte sie ihre Heimat zunächst nicht, denn Ärzte benötigten dazu eine Genehmigung der Regierung. Als ihr die Flucht schließlich gelang, machte sich Khaledia Abdullah auf den Weg nach Deutschland. Über Algerien reiste sie nach Marokko, von dort aus überquerte sie in einem Schlauchboot das Mittelmeer und gelangte nach Spanien. Dann ging es weiter mit verschiedenen Schleppern. „Als Frau ist es nicht einfach, alleine als Flüchtling unterwegs zu sein“, erzählt Khaledia Abdullah. „Es gibt viele schlechte Leute, die Schlepper verlangen von einer allein reisenden Frau viel mehr Geld. Und es gibt keine Regierung, keine Polizei , die einen beschützt.“

Sechs Monate lang war sie unterwegs, dann erreichte sie Bremen, von wo sie über die Erstaufnahmestation in Neumünster nach Elmshorn weitergeleitet wurde. „Die ersten sechs Monate war ich mit 60 anderen Flüchtlingen untergebracht“, erzählt Khaledia Abdullah. „Das war schwer, dort lebten vor allem Männer und ich musste mir mit 30 Personen eine Küche teilen.“

Hilfe vom Willkommensteam

Relativ früh hat die Familie Ziegler aus dem Willkommensteam Kontakt zu Khaledia Abdullah aufgenommen und ihr bei der ersten Eingliederung und bei Behördengängen geholfen. Helmut Ziegler ist emeritierter Arzt und konnte ihr nach einigen erfolgreich absolvierten Sprachkursen einen Kontakt zur Praxis am Hogenkamp vermitteln. Einmal in der Woche schaute Khaledia Abdullah von Dezember bis Juni den Ärzten über die Schulter, lernte die Abläufe und das Vokabular, um später wieder als Ärztin arbeiten zu können. Parallel besuchte sie einen B2-Sprachkurs in Hamburg. Danach folgte ein weiterer Kurs, in dem sie das medizinische Fachvokabular lernte.

Zurzeit macht sie ein sechsmonatiges Praktikum in den Krankenhäusern Elmshorn und Itzehoe. Nach einem dreimonatigen Crash-Kurs als Vorbereitung auf die Gleichwertigkeitsprüfung steht nach erfolgreichem Bestehen die Approbation in Deutschland.

Khaledia Abdullah hat alle ihre Zeugnisse aus Syrien mitgebracht, das erleichtert ihre Situation enorm. „Glücklicherweise habe ich die ganzen Papiere rechtzeitig zu meiner Schwester gebracht, so dass sie nicht mit der Wohnung zerstört wurden.“ Auf ihrer Reise nach Deutschland trug sie die wertvollen Unterlagen immer in einem Rucksack, ganz nah am Körper. So konnte ihre Ausbildung von der Ärztekammer in Kiel anerkannt werden.

Reaktionen auf das Kopftuch

Aber selbst als Ärztin ist es für Khaledia Abdullah nicht leicht. Gerade mit ihrem Kopftuch stoße sie oft auf Unverständnis und Vorurteile, berichtet sie. Das ist einer der Punkte, über den sie in ihrer Kolumne in den Elmshorner Nachrichten schreiben möchte. „Viele Menschen in Deutschland setzen Kopftücher mit Dummheit gleich. Das macht es für mich sehr schwer.“

Wenn der Krieg vorbei ist, möchte Khaledia Abdullah zurück nach Syrien. „Ich fühle mich hier wohl, aber vermisse auch mein Heimatland“, sagt sie. Derzeit wohnt sie in einer Einliegerwohnung im Haus einer Elmshornerin. Ihr Ziel ist es, ihre Approbation zu bekommen, um wieder in ihrem Beruf arbeiten zu können.

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erstellt am 20.Aug.2016 | 16:00 Uhr

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