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Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 17:13 Uhr

Standesamt Elmshorn : Die „Klostersande“ soll zum Hochzeitsschiff werden

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Der Förderverein putzt das ehemalige Getreidefrachtschiff für Feiern und Konzerte heraus. Abschied von den Dixi-Klos.

Elmshorn | Bald können Elmshorner Paare ganz stilecht auf Schiffsplanken in den Hafen der Ehe segeln. Im Heck der „Klostersande“ richtet der Förderverein der MS „Klostersande“ derzeit ein Trauzimmer ein. Auf stilvollen Holzmöbel aus der Zeit der Jahrhundertwende wird das Standesamt Elmshorn voraussichtlich ab August heiratswillige Paare trauen. Nur noch letzte Details müssen in diesen Tagen geklärt werden, dann ist der Hochzeits-Coup perfekt.

Bislang gibt es außerhalb des Standesamtes in der Weißen Villa in Elmshorn nur die Möglichkeiten, im Wasserturm und im Pavillon am See der Gaststätte Sibirien zu heiraten. Mit der „Klostersande“ kommt nun ein dritter ungewöhnlicher Trauort hinzu. Und nicht nur das: Es gibt die Idee, dass in Zukunft auch im Elmshorner Industriemuseum Ja gesagt werden darf. „Das wären zwei hoch attraktive Angebote. Wir müssen nach Alternativen suchen, da die Sanierung der Weißen Villa im nächsten Jahr beginnen soll“, sagt Bürgermeister Volker Hatje im Gespräch.

Hans Barzel vom Förderverein der Klostersande und seine Mitstreiter sind begeistert von der Idee. „Der große Vorteil ist, dass  unser Laderaum genügend Platz bietet“, sagt Barzel. „Viele Paare heiraten ja heute nur noch standesamtlich und wollen gerne viele Gäste zur Trauung mitbringen.“ Auch ein anschließender Sektempfang oder sogar die Hochzeitsfeier könnten an Bord des ehemaligen Getreidefrachters stattfinden. „Natürlich gehen wir zum Fotografieren mit dem Brautpaar auch auf die Brücke“, sagt Hans Barzel schmunzelnd. „Da bietet sich ein Bild von der Braut am Ruder an.“ Sogar eine Urkunde will der Förderverein „seinen“ Paaren als bleibende Erinnerung ausstellen.

In den vergangenen beiden Jahren haben Hans Barzel und andere engagierte Freunde der „Klostersande“ viel Zeit und Mühe in den Umbau des Laderaums investiert. Da wurden Wasser- und Stromleitungen gelegt, eine Heizung eingebaut und bald soll es sogar Toiletten geben. Entstanden ist ein etwa 120 Quadratmeter großer Veranstaltungsraum, der mit seinen leuchtend blauen Wänden, den alten Holzplanken, einigen Roststellen und dem Wellblechdach nichts von seinem Charme verloren hat. Allerdings wurde er unter anderem durch frisch restaurierte Leuchter, den Einbau einer Lichtanlage, einer kleinen Bühne und einer Küche aufgewertet und als Veranstaltungsort nutzbar gemacht.

Von Frühjahr bis Herbst wird  dann in Zukunft das Standesamt  an jedem Freitag Trauungen auf der „Klostersande“ anbieten. Ähnlich wie beim Wasserturm und bei der Gaststätte Sibirien liegt die Nutzungsgebühr bei 150 Euro. Anmeldungen laufen über das Elmshorner Standesamt, erreichbar unter Telefon 04121-231260.

„Klostersande“ wird immer schicker

Die in einer Kunstinstallation hängt der große, blaue Container an einem Kran über der „Klostersande“. Langsam wird er in den Bauch des ehemaligen Getreidefrachters herabgelassen. Die unförmige Kiste mit drei Kubikmetern Fassungsvermögen sorgt dafür, dass die Gäste bei Veranstaltungen auf der „Klostersande“ künftig nicht mehr Dixi-Klos nutzen müssen.

Es handelt sich um einen sogenannten Fäkalien-Tank, der im Schiffsbauch platziert und hinter einer dekorativen Wand versteckt, künftig den Inhalt der Toiletten bis zum Auspumpen aufnehmen wird. Die zwei Toiletten und zwei Pissoires gibt es freilich noch nicht, aber, versichert Hans Barzel vom Förderverein der MS „Klostersande“, die kommen noch bis Ende Juli – in Eigenarbeit, versteht sich. Und wenn man sich ansieht, was Barzel gemeinsam mit fünf anderen engagierten Herren aus dem Verein in den vergangenen zwei Jahren so alles erreicht hat, will man ihm das gerne glauben.

Auf 120 Quadratmetern ist im Bauch der „Klostersande“ Platz zum Feiern und Heiraten.
Auf 120 Quadratmetern ist im Bauch der „Klostersande“ Platz zum Feiern und Heiraten. Foto: Pfeifer
 

Aus dem Heck-Laderaum des Frachters haben die älteren Herren einen veritablen Veranstaltungsraum gemacht, Bühne und Standesamt inklusive. Schon wer die Treppe hinunter in den Bauch der „Klostersande“ steigt, sieht die Veränderungen auf den ersten Blick. Im Mittelschiff gibt es jetzt Stehtische, im 120 Quadratmeter großen Laderaum wartet eine Küchenzeile inklusive Herd, Kühlschrank und Spülmaschine auf ausgelassene Feste. An den breiten Bierzelttischen finden knapp 100 Personen Platz, Stehplätze sind es noch deutlich mehr. Für das richtige Ambiente sorgen zwei alte, restaurierte Leuchter an der Wellblech-Decke, Scheinwerfer rücken die Bühne ins rechte Licht.

„Wir haben jede Menge Leitungen gelegt“, erklärt Hans Barzel den Aufwand, der hinter all dem steckt. „Mittlerweile haben wir sogar unseren eigenen Stromanschluss. Hoffentlich gibt es bald auch einen Wasseranschluss, bislang läuft das nur über eine Hilfskonstruktion.“ Für Wärme sorgt eine Infrarotheizung. Wer sich im Winter allerdings bei den Konzerten nicht selbst warm tanzt, sollte lieber eine Jacke mitnehmen. „Wenn draußen Minusgrade herrschen, wird es hier nicht wärmer als 14 Grad“, sagt Barzel.

Mit Hilfe eines Krans wird der Tank in den Bauch der „Klostersande“ gehoben.
Mit Hilfe eines Krans wird der Tank in den Bauch der „Klostersande“ gehoben. Foto: Pfeifer
 

Nur eins fehlt noch bei der Ausstattung: Der Stuhl für die Standesbeamtin – schließlich sollen ab August auf dem Schiff Trauungen möglich sein. „Bis jetzt haben wir nur Stühle für das Brautpaar und die Trauzeugen“, sagt Barzel. „Was uns noch fehlt, ist ein richtig schöner, stilvoller Holzstuhl aus der Jahrhundertwende, am besten mit hoher Lehne.“

Nach den Schippertagen vom Wochenende steht in nächster Zeit auf der „Klostersande“ in erster Linie das Hafenfest an, außerdem sind einige Geburtstage und ein Polterabend geplant. Auch öffentliche Konzerte soll es in den nächsten Monaten wieder an Bord der „Klostersande“ geben. „Wir haben schon einige Anfragen von Bands“, sagt Barzel. „Aber ich habe bis jetzt noch keinem zusagen können.“

Packen an: Die Vereinsmitglieder Hans Barzel (v.l.), Jürgen Beick, Jürgen Tillmann und Wolfgang Köster.
Packen an: Die Vereinsmitglieder Hans Barzel (v.l.), Jürgen Beick, Jürgen Tillmann und Wolfgang Köster. Foto: Pfeifer
 

Immerhin hat sich die „Klostersande“ als Konzert-Location mittlerweile rumgesprochen. „Die Bands schätzen es sehr, hier zu spielen“, erklärt Barzel. Das liege vor allem an der guten Akustik. „Anders als im Kranhaus ist hier jedes auf der Bühne gesprochene Wort bis in den letzten Winkel zu hören – auch ohne Mikro.“ Außerdem gebe es keine Probleme mit Nachbarn. „Die Leute auf der anderen Straßenseite hören nichts von uns. Das Wellblech und die Deckspanten isolieren den Schall.“

Und dann ist da natürlich noch das außergewöhnliche Ambiente auf der „Klostersande“, mit seinen alten, dunklen Schiffsplanken und den leuchtend blau gestrichenen Wänden, denen man ihre Vergangenheit ansieht.

Wenn alles gut geht, will der Förderverein mit der „Klostersande“ im nächsten Jahr übrigens auch mal in See stechen. „Wir planen eine Fahrt in unsere Brandenburger Partnerstadt Wittenberge“, sagt Barzel. Dafür müsste aber der Dieseltank nochmal gereinigt werden. Vor Arbeitslosigkeit müssen sich die Vereinsmitglieder also nicht zu fürchten.

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erstellt am 10.Jun.2016 | 12:15 Uhr

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