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Elmshorner Nachrichten

03. Dezember 2016 | 10:44 Uhr

Reportage : Die Elmshorner DLRG sorgt für Sicherheit

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Seit 25 Jahren sind die Mitglieder der Elmshorner DLRG mitsamt Boot am Hafen von Kollmar im Einsatz. Eine Reportage.

Kollmar | Der erste, der dem Besucher entgegen kommt, ist ein nasser Labrador mit einem Tennisball im Maul. Er gehört zwar nicht direkt zur Wachmannschaft, aber mit seinem Herrchen kommt er häufig zu Besuch an die Elbe. Am großen Tisch unterm Pavillon sitzen mehrere Leute in roten DLRG-Einsatzkleidern und ein paar Zivilisten: Freunde sind zu Besuch gekommen, es geht familiär zu.

Ab und zu greift Tobias Krohn zum Fernglas und guckt über die Elbe: Wenn er dabei etwas sieht, was nicht in Ordnung ist, nimmt er Felix Lemm und Inga Schöllermann mit an den nahe gelegenen Steg, steigt ins Hartschalenboot und fährt los. Helfen ist ihre selbst gewählte Aufgabe.

Den Wachdienst teilen sich die Ortsgruppen

Im 25. Jahr sitzen die Elmshorner DLRG-Mitglieder hier im Hafen von Kollmar am Elbstrand. Diese Aufgabe hat der Verein sich selbst gesucht, erklärt Björn Scholz, langjähriger Aktiver bei den Lebensrettern und für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Den Wachdienst von Mai bis Oktober teilen sich die Elmshorner mit anderen DLRG-Ortsgruppen aus dem Kreis Pinneberg; die Elmshorner sind in diesem Sommer sieben Mal dran.

Ein Wochenende auf Wache fängt mit der Anreise am Freitagnachmittag an. Hinter den beiden Transportern kommen die Anhänger mit den beiden Motorbooten an den Strand. Duschen stehen den Ehrenamtlern in der Kollmaraner Sporthalle zu Verfügung, Verpflegung bringen sie selbst mit. „Meistens koche ich und wasche ab“, sagt Inga Schöllermann: „Dafür muss ich dann die schweren Sachen nicht tragen“.

Fürs Boot steht ein Platz am Steg zur Verfügung; aber weil die Elbe ein Tidegewässer ist, muss das Boot rechtzeitig vor Niedrigwasser an einen Platz unter der Dampferbrücke verlegt werden und ein paar Stunden später wieder zurückgeholt; auch nachts. „Dann stellt man sich den Wecker“, erklärt Inga Schöllermann lakonisch.
Baywatch-Feeling mit herzhaftem Sprung in die Brandung kommt in Kollmar nicht auf. Die Strömung macht es auch geübten Schwimmern sehr schwer. Bei Bedarf geht es mit dem Boot raus; allerdings eher selten, um Leute aus dem Wasser zu fischen. Meistens geht es darum, Wassersportlern zu helfen, die mit ihren Booten auf Grund gelaufen sind, deren Motoren nicht anspringen oder denen die Masten brechen.

Jung und gut ausgebildet

Per Funk sind die Kollmaraner Freiwilligen mit anderen DLRG-Gruppen an der Unterelbe verbunden und mit der Rettungsleitstelle. Die schickt sie zum Beispiel los, vermisste Personen zu suchen – die dann allerdings fast immer wohlbehalten an Land wieder auftauchen – oder als Ersthelfer, wenn ein Radfahrer auf dem Deich einen Unfall hatte.

Sieben Ehrenamtler, darunter vier Frauen, sind an diesem Wochenende am Hafen in Bereitschaft: Drei Mann Bootsbesatzung, zwei Sanitäterinnen, ein Wachleiter und eine Praktikantin der DLRG Hörnerkirchen. Sie sind allesamt jung und gut ausgebildet: Sie haben Rettungsschwimmer- und Erste-Hilfe-Prüfungen abgelegt. Der Bootsführer muss zusätzlich zum normalen Bootsführerschein eine besondere Lizenz erwerben, dabei lernt er, Leute ins Boot zu holen oder an Gebäude heranzufahren. Wenn viel los ist, zum Beispiel an Himmelfahrt oder beim Hafenfest, stockt die DLRG ihre Besatzung auf 15 Mann auf.

Irgendwas ist immer zu tun

Bei schönem Wetter sitzt es sich natürlich nett am Elbstrand, aber bei einem Schmuddelsommer wie diesem? „Irgendwas ist immer zu tun“, sagt Inga Schöllermann: Fenster und Schuhe putzen, Karten studieren, sich einprägen, was sich im Revier verändert hat. In der vergangenen Nacht sind sie mit dem Boot ’rübergefahren nach Pagensand. „Dass man nachts auf dem Wasser so wenig sehen kann“, das hat Praktikantin Miriam Gold überrascht. Für die Besatzungen ist es wichtig, sich auch unter solchen Umständen zu orientieren und die Gegend genau zu kennen: Wo ist der Hubschrauberlandeplatz auf der Insel, wo können Verletzte gut ins Boot bugsiert werden?

Trotz aller Ausbildung: „Es ist ja Freizeit, es macht Spaß“, findet Felix Lemm: „Man lernt etwas, man verbringt seine Zeit sinnvoll und ist draußen in der Natur.“ Für Tobias Krohn ist Kollmar „Ausgleich zur Arbeit“, Inga Schöllermann schätzt die Atmosphäre: „Man verbringt seine Zeit mit Freunden“. Sogar ein Wochenende im Bauwagen mit seinen acht Schlafplätzen macht dann Spaß. Sorgen machen Björn Scholz die Finanzen.

Elmshorner sparen auf ein Boot

Die DLRG bekommt für ihren Wachdienst keine öffentliche Förderung, alles Material bezahlt der Verein aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. Sogar ihre Einsatzkleidung bezahlen die Mitglieder selbst, Jacke und Hose schlagen pro Set mit rund 230 Euro zu Buche.

Der vereinseigene Transporter ist insgesamtb 24 Jahre alt, das Boot 20, die Aluminiumschale wird langsam weich. Die Elmshorner haben jezt angefangen, auf ein neues Boot zu sparen: Rund 80 000 Euro wird das kosten.

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