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Elmshorner Nachrichten

08. Dezember 2016 | 05:03 Uhr

Kriegsopfer : Der Volkstrauertag ist gerettet

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Erst sollte die Gedenkfeier ausfallen, jetzt findet sie Dank eines Antrags der SPD doch statt. Auch die Kirche beteiligt sich.

Elmshorn | Die Gedenkveranstaltung der Stadt zum Volkstrauertag fällt aus – von dieser Nachricht in den Elmshorner Nachrichten sind fast alle Vertreter der politischen Fraktionen überrascht worden. Glücklich darüber zeigte sich in der Sitzung des Hauptausschusses am Dienstagabend niemand. Angesichts der Dringlichkeit – der Volkstrauertag ist bereits am kommenden Sonntag – stellte die SPD einen Antrag auf eine „Light-Version“ der Andachtsstunde. Zumindest die Kranzniederlegung durch die Repräsentanten der Stadt solle beibehalten werden.

Dem schlossen sich alle Fraktionen an. Es wird also am Sonntag, 13. November, doch eine Gedenkveranstaltung geben. Ab 12 Uhr werden zumindest Vertreter der Stadt Kränze zum Gedenken an die Gefallenen der beiden Weltkriege an den Ehrenmalen auf dem kirchlichen Friedhof niederlegen. Unterstützung bekommt die Stadt von kirchlicher Seite: die Evangelisch-Lutherische Gemeinde hatte bereits am Montagabend beschlossen, eine Gedenkstunde für den Frieden in der Friedhofskapelle abzuhalten. „Der Krieg ist ein aktuelles Thema – und da wir die Ehrenmäler hier bei uns auf dem Friedhof haben, habe ich mich dafür eingesetzt, dass wir etwas machen“, sagt Friedhofsverwalter Ulrich Hitzler.

Jetzt wird es vor der gemeinsamen Kranzniederlegung um 11.30 Uhr eine Andacht in der Friedhofskapelle geben. Der Chor der Emmaus-Gemeinde singt, Isolde Kittel-Zerer spielt Orgel und Pastor Achim-James Findeisen McKenzie hält die Andacht.

Doch das Problem bleibt: Auch wenn in den vergangenen Jahren immer rund 50 Teilnehmer am Volkstrauertag dabei waren, handelte es sich in erster Linie um Vertreter von Parteien, Verbänden und Vereinen, die sich von Amts wegen zur Teilnahme verpflichtet fühlten. Von der Bevölkerung nahm kaum jemand teil, weshalb Feuerwehr und Technisches Hilfswerk für dieses Jahr ihre Teilnahme abgesagt hatten.

Für Ulrich Lenk (SPD) ist aber nicht der Gedenktag an sich, sondern die Art und Weise der Feier das Problem. Viele Bürger hätten die Abschaffung der Feierstunde ihm gegenüber bedauert – auch wenn sie noch nie daran teilgenommen hätten. Das entspricht auch dem Ergebnis der EN-Online-Umfrage: 63 Prozent der 187 Teilnehmer wollen, dass der Volkstrauertag weiterhin begangen wird. 37 Prozent davon wünschen sich aber eine Modernisierung. Und Immo Neufeldt (CDU) erklärte, es sei Aufgabe der Politik, die jüngeren Generationen, die seit 70 Jahren in Frieden leben, daran zu erinnern, dass es auch schon andere Zeiten gegeben habe.

Der zweite Antrag der SPD kam da gerade recht: Die Fraktion beantragte die Einrichtung einer Arbeitsgruppe. Der Kulturausschuss soll sich in den kommenden Monaten mit der Frage auseinandersetzen, wie der Volkstrauertag attraktiver gemacht werden könne.

Kritik ging im Hauptausschuss vor allem in Richtung der Stadtverwaltung. Dort habe man die Entscheidung, den Volkstrauertag abzusagen, nicht eigenmächtig fällen dürfen. „Es wäre geschickter gewesen, auf die Selbstverwaltung zuzugehen und eine gemeinsame Sprachregel zu finden“, sagte Andreas Hahn (CDU). „Das enspricht nicht der Wertschätzung, die wir erwarten.“

Stadtrat Dirk Moritz stellte daraufhin noch einmal die geringe Motivationslage zur Teilnahme am Gedenktag dar. Sowohl Konfirmandengruppen als auch Schulen seien angefragt worden und wollten oder konnten sich nicht beteiligen. Selbst Kranzträger zu finden, sei in den vergangenen Jahren schwer gewesen. Er begrüßte die Entscheidung, für das kommende Jahr ein neues Konzept für den Volkstrauertag zu entwickeln. Am Ende behält wohl Silke Pahl Recht, wenn sie sagt, dass der Volkstrauertag durch seine kurzzeitige Abschaffung mehr Interesse erhalten habe als in all den Jahren zuvor, als er wie gewohnt durchgeführt wurde.

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erstellt am 10.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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