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Elmshorner Nachrichten

03. Dezember 2016 | 20:55 Uhr

Der Rache der Taliban entkommen

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Flucht Habib Rahman Nader musste aus seiner Heimat fliehen – der 26-Jährige beschreibt jetzt sein neues Leben in Deutschland

Über Flüchtlinge wird derzeit viel geredet und geschrieben – aber nur selten kommen die Menschen selber zu Wort, die vor Krieg und Verfolgung aus ihrer Heimat zu uns geflohen sind. Die Elmshorner Nachrichten wollen das mit einer Kolumne ändern.

Im Frühjahr hatte bereits eine syrische Ärztin von ihrem neuen Leben berichtet. Jetzt wird Habib Rahman Nader aus Afghanistan davon erzählen, wie es ihm in Deutschland ergeht. Politische Verfolgung und Bürgerkrieg sind für viele Flüchtlinge der Grund, ihre Heimat zu verlassen und nach Deutschland zu kommen. Bei Habib Rahman Nader war die Bedrohung direkt gegen seine Person gerichtet.

Der 26-Jährige ist Journalist und hat in Afghanistan bei dem Fernsehsender Arzu TV als Nachrichtenreporter gearbeitet. Als es Gerüchte gab, in einer Moschee in seinem Heimatdorf würden die Taliban Jugendliche zu Terroristen ausbilden, wurde Nareb für einen Bericht dorthin geschickt. Tatsächlich fand der junge Journalist die Gerüchte bestätigt, er veröffentlichte eine Reportage und kurz darauf wurde die Moschee geschlossen. Damit jedoch hatte er die Wut der Taliban auf sich gezogen. Mitglieder kamen zum Haus seines Vaters und erschossen seinen vier Jahre jüngeren Bruder.

„Sie haben mir die Nachricht hinterlassen, dass sie mit mir reden wollen“, berichtet Nader. „Wenn ich nicht komme, würden sie mich töten. Aber mir war klar, dass sie mich so oder so töten würden, wenn ich in Afghanistan bleiben würde.“

Also verließ Nader seine Heimat. Während sein Vater nach Pakistan ging, beantragte Habib Rahman Nader in Kabul ein Visum und buchte einen Flug nach Moskau. „Ich wollte aber nach Europa“, sagt er. „Schleuser haben mich über die Ukraine, Tschechien und Österreich nach Deutschland gebracht.“

Die Schleuser hätten gewusst was sie tun, große Probleme an den Grenzen hätte er nicht bekommen. Weiter ging es dann zunächst über Frankfurt nach Hamburg, wo seine Schwester mit ihrem Ehemann schon seit mehreren Jahren lebt. Dann meldete sich Nader in der Erstaufnahmeeinrichtung in Neumünster und wurde am 30. November vergangenen Jahres nach Barmstedt geschickt. Dort lebt er seitdem zusammen mit drei anderen Flüchtlingen in einer Wohnung.

Viele Möglichkeiten, Deutsch zu lernen, hatte er nicht. Anders als Syrer oder Iraner gelten die Bleibeperspektiven für Afghanen als schlecht. Integrationskurse, in denen über längere Zeiträume hinweg Deutsch unterrichtet wird, stehen Nader deshalb nicht offen. Er konnte aber im Grone-Bildungszentrum in Elmshorn an der zwölfwöchigen Maßnahme „Perspektiven für Flüchtlinge“ teilnehmen. Damit verbunden war nicht nur ein Sprachkursus, der insbesondere aufs Berufsleben vorbereiten soll, sondern auch Hilfe bei der Organisation eines Praktikumsplatzes. Nader konnte ein sechswöchiges Praktikum bei Alsterradio in Hamburg absolvieren.

In den kommenden Wochen wird er in Form einer Kolumne von seinem Leben als Flüchtling berichten.

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erstellt am 19.Nov.2016 | 16:53 Uhr

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