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Elmshorner Nachrichten

03. Dezember 2016 | 01:30 Uhr

Er macht sich ein Bild vom Leben : Der Kunstverein zeigt Werke von Erhard Göttlicher

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Neue Ausstellung: Der Kunstverein zeigt unter dem Motto „Erhard Göttlicher – 70 ruhelose Jahre“ Werke des Künstlers in Torhaus und Sparkasse.

Elmshorn | „Immer der Musik nach. Morgens, wenn ich keine Lust habe, höre ich sehr laut Chris Christophersen – „Me and Bobby McGee“. Ja, so fand der Autor zum ersten Mal in den Uetersener Neuweg, ins verwinkelte Wohn- und Atelierhaus eines ihm bis dato kaum bekannten Kunstprofessors namens Erhard Göttlicher. Das war 1981.

Gerade waren die Hamburger Kunstwochen zu Ende gegangen, bei denen der Uetersener für seine robusten „Höllensturz“ von der Kritik gefeiert worden war. Da entfaltete die künstlerische Pranke seines Lehrers Alfred Hrdlicka ihre ganze Wirkungskraft.

Und wirkungsvoll blieben Göttlichers Bilder fortan. Eine Feststellung, die sich jetzt bei einer Rückschau anlässlich seines 70. Geburtstages bestätigt findet. Davon kann man sich beim Kunstverein Elmshorn überzeugen. Im Torhaus und in der Galerie der Sparkasse Elmshorn wird am Sonntag, dem 4. September, die Doppelausstellung „Erhard Göttlicher – 70 ruhelose Jahre“ eröffnet. Der Künstler ist anwesend, es ist schließlich sein Geburtstag.

Erhard Göttlicher  feiert seinen 70. Geburtstag.
Erhard Göttlicher feiert seinen 70. Geburtstag. Foto: Balin

Geboren wurde Erhard Göttlicher im österreichischen Graz. Studiert hat er in Wiesbaden, Bielefeld, Kopenhagen und Hamburg. Dorthin verschlug es ihn 1975 dann auch beruflich, als Dozent für Akt- und figürliches Zeichnen an der Fachhochschule Hamburg. Von 1980 bis 2012 sehen wir Göttlicher als Professor für Kunst und Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften der Hansestadt. Von 1987 bis 1993 fungierte er zudem als Direktor der Internationalen Akademie für Kunst und Getaltung „Pentiment“.

Mit bewundernswertem Fleiß erschuf er ein eigenes Oeuvre von kaum vorstellbarem Ausmaß. Man halte sich vor Augen: Mehr als 180 Ausstellungen und 500 Ausstellungs-Beteiligungen hat dieser Mann realisiert, Aktivitäten, die sich in über 40 Ländern abspielten. In mehr als 30 deutschen und internationalen Museen sind seine Bilder zu finden. Göttlicher kann auf rund 30 Kulturpreise und Auszeichnungen verweisen. Erwähnt seien nur der renommierte Kunstpreis „Junger Westen“ (1975) und das „Villa Massimo-Stipendium der Deutschen Akademie in Rom“ (1977/78), mit den Norddeutschen Realisten wurde ihm der Kulturpreis der Schleswig-Holsteinischen Wirtschaft zuerkannt (2013).

Bereits 1991 konnte Erhard Göttlicher den Kulturpreis des Kreises Pinneberg für sich verbuchen: Er ist ein erfolgreicher Künstler. Verständlich deshalb auch die große Zahl seiner Bewunderer und Sammler. Göttlichers Arbeiten finden stets rasch Käufer. Auch die Elmshorner Ausstellung kam nicht ohne eine Anzahl von Leihgaben aus ganz Deutschland zustande.

„Wir sind froh und dankbar, dass es uns gelungen ist, mit Hilfe der Leihgeber dem Publikum eine so wunderbare Ausstellung bieten zu können“, sagt Christel Storm, Vorsitzende des Kunstvereins.

Die Ausstellung ist bis zum 25. September geöffnet: in der Hauptfiliale der Sparkasse Elmshorn (Königstraße) während der Schalterzeiten, im Torhaus Dienstag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr und 16 bis 18 Uhr. Sonnabend und Sonntag jeweils von 10 bis 12.

In der Galerie der Sparkasse (Obergeschoss) hängen die Landschaften und Hamburg-Motive sowie Porträts, einige charmante Akte, der Radier-Zyklus zu Ödön von Horváths „Glaube, Liebe, Hoffnung“ sowie eines der Hauptwerke des Künstlers, die Illustration zu „Schindlers Liste“. Die Radierungen entstanden 1983 im Auftrag der Zeitschrift „Stern“ für den Vorabdruck des Romans von Thomas Keneallys über Oskar Schindler.

Ein weiteres Hauptwerk findet sich im nahen Torhaus: die mehr als dreieinhalb Meter lange Acryl/Blei/Pastell-Arbeit „Deutscher Nationallismus“ von 1994. Auch dieses Bild wurde im „Stern“ veröffentlicht. Von Napoleon bis Hitler (und Solingen) zeichnet Göttlicher die blutige Spur nach, die der deutsche Nationalismus durch ganz Europa gezogen hat.

Nebenbei: das Nationalismus-Bild ist keineswegs Göttlichers Größen-Rekord. Der zeichnet sich durch neun Meter Länge und zwei Meter Höhe aus, heißt „Betriebsausflug“ und hängt in den Räumen des Berufsförderungswerkes in Hamburg.

Aber im Torhaus geht es nicht nur politisch zu. Da sind unter anderem auch zu sehen: eine Hommage an Manets „Frühstück im Grünen“, acht Illustrationen zu Horváths „Kasimir und Karoline“, fünf lustige Gänse-Bilder und eine Reihe der großartigen Venedig-Ansichten. Stichwort Venedig: Ausgesprochen preisgünstig wird eine Geburtstags-Edition in 25-er Auflage mit vier unterschiedlichen Motiven aus der Lagunenstadt angeboten.

Eröffnet wird die Ausstellung am kommenden Sonntag, 4. September, um 11 Uhr in der Galarie der Sparkasse Elmshorn (Eingang Probstendamm). Es gibt Grußworte von Bürgermeister Volker Hatje und Sparkassen-Vorstand Matthias Bungert, Christel Storm begrüßt und die Musik kommt von „Contigo“. Dr. Friedrich Häring , 30 Jahre lang Direktor des Oberhessischen Museums in Gießen, wird in die Ausstellung einführen.

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erstellt am 02.Sep.2016 | 16:15 Uhr

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