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Elmshorner Nachrichten

03. Dezember 2016 | 12:47 Uhr

Elmshorn : Der Kampf um Kinderbetreuung

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Eine Sozialstaffel gibt es nur bei Horten, nicht an Grundschulen. Sabrina Westphal kann sich die Betreuung ihrer Tochter nicht leisten. Unterstützung gibt es nur an einem Hort.

Elmshorn | Für Kinder, die in einer Hortgruppe betreut werden, greift die Sozialstaffel des Kreises Pinneberg – jedoch nicht für Kinder, deren Betreuung  in der Grundschule erfolgt. Im Klartext bedeutet das: Eltern mit niedrigem Einkommen müssen für die Betreuung an der Grundschule monatlich bis zu 250 Euro bezahlen, bei einem ähnlichen Angebot in einem Hort ist die Betreuung  kostenlos. 

Die Erklärung: Hortplätze werden nach dem Kindertagesstättengesetz mit einer Sozialstaffel gefördert – die noch relativ neue Betreuung an Grundschulen jedoch nicht. Mit dieser Situation hat sich jetzt der Kinder- und Schulausschuss der Stadt Elmshorn befasst.

einer MutterDazu gab es gleich zwei Anlässe: Zum einen hatte sich die Elmshornerin Sabrina Westphal an die Politiker – und per Facebook an den ganzen Kreis Pinneberg – gewandt. Die junge Mutter ist alleinerziehend und arbeitet in Teilzeit als medizinische Fachangestellte. Die Betreuung ihrer  sechsjährigen Tochter in der Grundschule Hafenstraße kann sie sich nicht leisten.  Der nächste Hort ist weit entfernt, die Plätze schnell vergeben. Sabrina Westphal fürchtet bereits, ihren Beruf aufgeben zu müssen, um ihre Tochter betreuen zu können. Und die Reaktionen auf ihren Facebook-Aufruf zeigen: Sie ist im Kreis längst nicht die Einzige mit diesem Problem.

Geldsorgen des Kreises

Zum anderen lag den Gemeindevertretern im Ausschuss ein Schreiben des Kreises vor, in dem es  um die Förderung von Kinderbetreuung geht. Nach einem Erlass des Landes vom März 2016 können Kreise die Betriebskostenförderung für Horte flexibel – also auch für Betreuungsangebote an Schulen – einsetzen und damit die Kosten für die Eltern senken.

Ein Rundschreiben an alle Grundschulen im Kreis Pinneberg hat ergeben, dass lediglich acht Schulen die Voraussetzung für die Förderung erfüllen würden. Die Qualität der unterschiedlichen Betreuungsangebote sei nicht vergleichbar, ebenso wenig der Personalschlüssel. Und selbst die acht Schulen, von denen sich keine in Elmshorn befindet, erhalten die Förderung nicht. Denn dafür stehe kein Geld zur Verfügung. Die  Mittel sind gedeckelt. Würde zusätzlich  die Kinderbetreuung an Schulen gefördert, müsste die Bezuschussung für Horte reduziert werden.

Im Elmshorner Ausschuss war die Empörung groß. Die Kommunalpolitiker sehen auf zwei Ebenen Handlungsbedarf. Einerseits wollen sie die Entscheidung des Kreises anfechten, der die Elmshorner Grundschulen für die Förderung als ungeeignet eingestuft hat. Wie die zuständige Amtsleiterin Heike Rosemann erklärt, sind aus ihrer Sicht die Qualifikationen ausreichend, es habe Probleme beim Ausfüllen der Fragebögen gegeben. Andererseits wollen die Politiker beim Land erwirken, dass mehr Geld für die Schulkinderbetreuung zur Verfügung gestellt wird, um die Sozialstaffel auch für die Betreuung an Grundschulen zur Verfügung zu stellen und  die Deckelung  der Betriebskostenförderung aufzuheben.

Es geht nicht mehr weiter

Eigentlich ist Sabrina Westphal kein Mensch, der gerne viel Aufheben um sich macht. An die Öffentlichkeit würde die 27-Jährige normalerweise nie gehen – aber jetzt weiß sie einfach nicht mehr weiter. Ihre sechsjährige Tochter soll in diesem Sommer eingeschult werden. Schon längst ist das Mädchen in der Hafenschule angemeldet, aber um ihrem Beruf als medizinische Fachangestellte in Pinneberg weiter nachgehen zu können, ist Sabrina Westphal als alleinerziehende Mutter auf zusätzliche Betreuung angewiesen.

„Lange Zeit dachte ich, das sei gar kein Problem“, erzählt sie. „In der Kita habe ich finanzielle Unterstützung bekommen, ich dachte, das würde jetzt so weiter gehen.“ Aber eine Sozialstaffel gibt es nur für die Betreuung in einem Hort, nicht in der Schule. Erst eine Woche ist es her, dass Sabrina Westphal erfahren hat, dass ihr zunächst einmal keine finanzielle Unterstützung für die Kinderbetreuung zusteht. Bei einer fünftägigen Betreuung von sieben bis 17 Uhr müsste die junge Frau rund 250 Euro bezahlen - „das ist bei meinem Gehalt einfach nicht möglich“, sagt sie. Seitdem hängt Sabrina Westphal ständig am Telefon, spricht mit dem Jobcenter, mit der Kreis- und der Stadtverwaltung. „Aber überall wird man nur weitergeleitet, niemand fühlt sich zuständig.“

Immerhin weiß sie mittlerweile: Von der Stadt kann sie 27 Euro Zuschuss bekommen, darauf haben sich die Fraktionsvertreter vor einem Jahr geeinigt. „Mehr war aufgrund der klammen Haushaltslage nicht möglich“, sagt Heike Rosemann, Leiterin des Amtes für Kinder, Jugend, Schule und Sport. Außerdem würde das Jobcenter zwei Euro der täglichen drei Euro für das Mittagessen übernehmen. Für Sabrina Westphal ist das aber alles nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Sie befürchtet, ihren Beruf aufgeben zu müssen, um die Betreuung ihrer Tochter aufrecht erhalten zu können – „aber das würde den Staat dann deutlich teurer zu stehen kommen“, verdeutlicht Sabrina Westphal die Relationen.

Lösungen in Sicht

Mittlerweile haben sich für sie – nach langem Herumfragen unter Politikern, Verwaltungsmitarbeitern und Betreuern der Hafenschule – zwei mögliche Lösungen eröffnet. „Offenbar gibt es die Möglichkeit, über die Wirtschaftliche Jugendhilfe Zuschüsse zu bekommen“, sagt Sabrina Westphal. Nach Informationen von Kreissprecher Oliver Carstens prüft die Kreisverwaltung derzeit 58 Anträge. „Voraussetzung ist eine Bescheinigung des Jobcenters“, erklärt er.

Sollte auch das nicht klappen, hat Sabrina Westphal das Glück, dass ihre Tochter bereits jetzt die Kita Stoppelhopser besucht, die über einen Hort verfügt. „Dort würde meine Tochter einen Platz bekommen – sowohl im Hort als auch an der Schule Kaltenweide – sogar ganz kurzfristig“, sagt sie. Allerdings befindet sich diese Kita weit von ihrem Wohnort entfernt, alleine den Schulweg zu bestreiten, wäre für ihre Tochter undenkbar. Aber es wäre immerhin eine Möglichkeit.

Amtsleiterin Heike Rosemann hat viel Verständnis für die schwierige Situation von Sabrina Westphal. „Natürlich ist es für die Eltern nicht nachvollziehbar, dass eine auf den ersten Blick ähnliche Betreuung mal bezuschusst wird und mal nicht.“ Das Hauptproblem liege in der Deckelung des Betriebskostenzuschusses von Seiten des Landes und der Beschränkung der Sozialstaffel auf den Hort. In Elmshorn gibt es derzeit 120 Hortplätze, die vorrangig an Eltern mit geringem Einkommen vergeben werden. Über 400 Schulkinder befinden sich aber in der Betreuung. Um einen Zuschuss für alle Eltern mit Bedarf zu ermöglichen, müsste das Land mehr Geld zur Verfügung stellen.

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erstellt am 27.Mai.2016 | 10:00 Uhr

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