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Elmshorner Nachrichten

06. Dezember 2016 | 13:15 Uhr

Aufnahmen eines Fotografenlebens : Der Elmshorner Ernst-Gerhardt Scholz zeigt seine Arbeiten im Torhaus

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

„Fotografie – nicht Kunst“ - der Fotograf aus Elmshorn kann auf eine große Bandbreite an Motiven zurückgreifen.

Elmshorn | Ein Foto mit seinem Lieblingsbild wird gefordert, da läuft Ernst-Gerhardt Scholz quer durch den Ausstellungsraum und bleibt vor einem Bild, das eine Welle zeigt, stehen. „Das mag ich momentan am liebsten. Das liegt an der Erinnerung“, sagt er und erzählt, dass er die Frische dieses Momentes besonders schätzt. „Aber ich glaube, ich bin hier der einzige, der dieses Foto am liebsten hat.“ Er nimmt das Bild von der Wand und positioniert sich für ein Foto, ohne dass es irgendwelche Anweisungen gab. „Machen Sie mal den Blitz aus“, protestiert er nach einigen Schüssen. Die Erklärung, das die moderne Kamera einen recht verlässlichen Automatikmodus besitzt, lässt er nicht gelten: „Ausschalten!“

Scholz ist Elmshorner und fotografiert seit mehreren Jahrzehnten. Die neue Ausstellung „Fotografie – nicht Kunst“ im Torhaus, Probstendamm, zeigt einen Teil seiner Arbeiten. „Man kann in dieser Ausstellung durchaus in Erinnerung schwelgen. Oder wehleidig werden“, sagt Christel Storm in ihren Begrüßungsworten. Die Ausstellung wurde organisiert vom Kunstverein Elmshorn. Zur Vernissage sind so viele Besucher gekommen, dass es sich auf der Treppe staut.

Scholz hat lange als Pressefotograf gearbeitet, später hat er auch geschrieben. Auch für die Elmshorner Nachrichten war er in den 1960er Jahren im Einsatz. Einige Fotos der Ausstellung stammen aus dieser Zeit, wie die Titel der Bilder verraten. „Der EN-Redaktionskäfer erregt das Interesse der DDR-Jugend“, ist etwa neben einem Bild von 1966 zu lesen.

Die Ausstellung zeigt eine große Bandbreite an Motiven. Landschaftsbilder sind ebenso dabei wie Straßenaufnahmen in der DDR oder Bilder von privaten Reisen. Auch Fotos, die Scholz als Journalist gemacht hat, werden gezeigt. So gibt es Bilder von der 1966 zerstörten Holzklappbrücke in Heiligenstedten oder von Freddy Quinn, der im Elmshorner Theater Autogramme gibt. Der einzige Zusammenhang, mit dem sich die Ausstellungsstücke in Verbindung bringen, ist Scholz selbst, denn die Schau zeigt Momentaufnahmen eines Fotografenlebens. Dazu passt ein Glaskasten, in dem Scholz die verschiedenen Kameras, die ihn durch sein Leben begleitet haben, aufreiht. Die älteste Agfa Siletto Vario hat er seit 1958 benutzt. Die jüngste stammt aus dem Jahr 2008. Nur ein Hinweisschild weist hier auf sie hin. Der Platz ist leer, vermutlich, weil sie noch im Gebrauch ist.

„Da ich nun mal ein Zeitungsmensch bin, habe ich entschieden, meine Fotos sind keine Kunst, sondern Journalismus. Ich sehe mich eher als Handwerker“, sagt Scholz in seiner Rede vor den Ausstellungsbesuchern. Zwei Drittel der Deutschen Haushalte hätten eine Kamera im Haus; etwa 500 Fotos würden hierzulande in der Sekunde gemacht, erzählt er und will damit beweisen, dass die Fotografie ein Massenphänomen ist. Ohne es zu merken erzählt er später, warum er doch ein Künstler ist. „Ein gutes Foto hat etwas besonderes“, sagt er. Der künstlerische Akt des Fotografierens liegt vielleicht nicht in dem Drücken des Auslösers, sondern im dem Erkennen dieses Besonderem. Recht hat Scholz trotzdem: Er ist Handwerker, denn die Bilder für diesen Pressebericht sind ohne Blitz tatsächlich besser geworden.

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erstellt am 19.Apr.2016 | 13:00 Uhr

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