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Elmshorner Nachrichten

07. Dezember 2016 | 13:38 Uhr

Viel mehr als nur ein Bühnenbild : Das Stadttheater Elmshorn bekommt seine historische Fassade zurück

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Im Rahmen des dritten Bauabschnittes bekommt der historische Gebäudeteil des Elmshorner Stadttheaters ein neues „altes“ Gesicht.

Elmshorn | „Das wird wie früher!“, freuen sich Vera Hippauf und Britta Henze vom Gebäudemanagement der Stadt Elmshorn mit Blick auf die aktuell laufende Sanierung des Stadttheaters Elmshorn. Im Rahmen des dritten Bauabschnittes bekommt der historische Gebäudeteil des Elmshorner Stadttheaters ein neues „altes“ Gesicht. Die Fassade des Gebäudes wird nicht nur energetisch saniert, sondern es erfolgt gleichzeitig eine Rehistorisierung. In dem direkt an das Stadttheater angeschlossenen Eckhaus befand sich früher das Tanzlokal und die Gaststätte Klosterhof. Heute sind hier die Theatergaststätte sowie im Obergeschoss eine Mietwohnung untergebracht.

Die Gestaltung der Fassade mit einem Gurtgesims ist für Henze und Hippauf der spannendste Teil der Sanierung. „Ich begleite Sanierungsmaßnahmen von Gebäuden seit 1989, aber es ist das erste Mal, dass ich dabei einen Stukkateur auf der Baustelle dabei habe“, berichtet Henze. Sie hat die Arbeit der Stukkateure und die Entstehung des Gesimses dokumentiert. Zahlreiche Einzelschritte sind notwendig, vom Anbau einer Unterkonstruktion (aus Metall) und Anbringung von Zuglatten, auf der eine Schablone entlanggezogen wird, und mehreren Mörtelschichten, bis das Gesims fertig ist.

Mittlerweile sind die Profilierungen erkennbar. Ist das Gesims fertig, erfolgt die Wiederherstellung des Bänderputzes im unteren Bereich des Gebäudes. Damit nicht genug. Der alte Eingang des Gebäudes und auch der kleine französische Balkon werden ebenfalls wiederhergestellt. Bevor allerdings die Sanierung sowie die Dämmung der Fassade erfolgen konnte, musste zunächst der vorhandene Putz entfernt werden. Diese Arbeit hielt, typisch bei Altbauten, für alle Beteiligten zahlreiche Überraschungen bereit. Loses Mauerwerk wurde dabei ebenso sichtbar, wie Löcher in Wänden und Decken.

In der Küche von Mieterin Anna Haentjens (2.v.l.): Ein Blick hinter die Kulissen des dritten Bauabschnitts der Sanierung des Stadttheaters Elmshorn: Die Leiterin des Gebäudemanagements Vera Hippauf, der Geschäftsführer der Theatergemeinschaft Dr. Peter Thomsen und die Bauleiterin der Sanierungsmaßnahme vom Gebäudemanagement Britta Henze (v.l.).
In der Küche von Mieterin Anna Haentjens (2.v.l.): Ein Blick hinter die Kulissen des dritten Bauabschnitts der Sanierung des Stadttheaters Elmshorn: Die Leiterin des Gebäudemanagements Vera Hippauf, der Geschäftsführer der Theatergemeinschaft Dr. Peter Thomsen und die Bauleiterin der Sanierungsmaßnahme vom Gebäudemanagement Britta Henze (v.l.). Foto: Kamin
 

Die energetische Fassadensanierung sowie die Historisierung der Fassade sind aber nur ein Teil, wenn auch der am deutlichsten sichtbare und repräsentative Abschluss der Sanierungsmaßnahme. Darüber hinaus werden auch die Lüftungsanlagen, die Toiletten im Bereich der Gaststätte, weite Teile der Haustechnik, die Fenster erneuert sowie die Brandschutzvorgaben umgesetzt.

Dieser dritte Sanierungsabschnitt umfasst auch Veränderungen im Bereich der ersten Etage des Gebäudes. Bisher waren hier zwei Wohnungen untergebracht. Künftig wird es nur noch eine Wohnung und Räume für die Technik des Theaters geben. Mit dieser Änderung konnte die räumlich stark beengte Situation für die Technik und Beleuchtung deutlich entzerrt werden, so der Geschäftsführer der Theatergemeinschaft Dr. Peter Thomsen. Nicht nur Thomsen, Hippauf und Henze begleiten die Sanierung des Stadttheaters, sondern auch Mieterin Anna Haentjens. Sie wohnt über der Theatergaststätte, hat die Auswechslung der Fenster, die Veränderung des Eingangsbereichs und der Räume im ersten Stock hautnah miterlebt. Lachend zeigt sie die Ohrschützer, die sie als Schutz gegen den Baulärm trug, wenn nahezu direkt neben ihrem Schreibtisch gearbeitet wurde.

Stukkateur Dennis Bargmann bei der Arbeit an der Fassade. Er zieht die Schablone über das entstehende Gutgesims und modelliert so das neue Element.
Stukkateur Dennis Bargmann bei der Arbeit an der Fassade. Er zieht die Schablone über das entstehende Gutgesims und modelliert so das neue Element. Foto: Kamin

„Ich kenne jetzt jeden Stein persönlich“, schmunzelt sie und freut sich über die vielen positiven Veränderungen im Theater und in ihrer Wohnung. „Jetzt habe ich endlich Platz für ein Sofa in meiner Küche! Das habe ich mir schon lange gewünscht“, sagt Haentjens. Voraussichtlich im September wird der dritte Bauabschnitt der Sanierung fertig sein. Die besondere Herausforderung für Gebäudemanagement und Handwerker bei den Arbeiten ist die kurze Zeit, die ihnen pro Jahr zur Verfügung steht.

Die Baumaßarbeiten können nur in der spielfreien Zeit der Spielstätte stattfinden. Das ist von Mai bis September. Vorher müssen bereits die Ausschreibungen erfolgt sein, die Investitionen im Haushalt der Stadt Elmshorn festgeschrieben und die Verträge mit den Handwerkern gemacht worden sein. Das ist allerdings noch nicht alles.

Das Gebäude an sich ist ebenfalls eine Herausforderung, da es aus mehreren Teilen besteht. Das Hauptgebäude wurde 1900 erbaut, der Bühnenanbau ist von 1948, das Foyer von 1952. Der Toilettenanbau wurde 1970 errichtet. Das Gebäudemanagement musste zu Beginn der Sanierung die komplette Maßnahme planen, sinnvolle und wirtschaftliche Bauabschnitte aufschlüsseln und die Kosten im Blick haben. Die Ausführungsplanung erfolgte durch das Architekturbüro Kurt Wittrock und Partner. Die gesamte Sanierung, der vierte und letzte Bauabschnitt erfolgt in der spielfreien Zeit 2017, wird rund zwei Millionen Euro kosten. 1,5 Millionen Euro finanziert die Stadt, 500.000 Euro steuert der Freundeskreis des Stadttheaters Elmshorn bei, dem es innerhalb kürzester Zeit gelang, diesen Betrag in Form von Spenden zu sammeln. Diese Anschubfinanzierung hat wesentlich zum Start der Maßnahme beigetragen.
 

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erstellt am 09.Aug.2016 | 16:30 Uhr

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