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Elmshorner Nachrichten

09. Dezember 2016 | 16:41 Uhr

Das größte Glück der Erde...

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Inklusion ...erleben zehn Schüler der Anne-Frank-Schule auf dem Rücken der Therapiepferde des Reiterhofs Dose

Stolz sitzt Philip im Sattel von Pico. Als Lena Reimer die Zügel ergreift und mit dem weißen Pony in einen leichten Trab fällt, strahlt der Junge über das ganze Gesicht und traut sich sogar, die Hände in die Luft zu heben und die Augen zu schließen. „Das ist unglaublich“, sagt Maren Schramm, Schulleiterin der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule begeistert. „Am Anfang hat er sich noch nicht mal aufs Pferd getraut.“

Zehn ihrer Fünftklässler mit sonderpädagogischem Förderbedarf besuchen derzeit einmal in der Woche den Reiterhof Dose. Bei dem therapeutischen Reitprojekt dürfen die Inklusions-Kinder nicht nur im Sattel sitzen, sondern lernen auch, Verantwortung zu übernehmen, in dem sie die Pferde von der Weide holen, putzen und satteln. „Erst hatten einige Kinder Berührungsängste“, erinnert sich Schramm. „Aber jetzt strahlen sie, wenn sie aufs Pferd dürfen. Und das neue Selbstbewusstsein wirkt sich auf den Unterricht aus.“

Auch Riza hat sich erst nicht aufs Pferd getraut. „Aber jetzt kann ich schon traben“, erzählt der 12-Jährige stolz. Wie jedes der Kinder hat auch er mittlerweile ein Lieblingspferd. „Ich mag Carlos am liebsten, der ist immer ruhig“, sagt er. Das Reiten macht Riza viel Spaß, mit Wehmut blickt er dem Ende des Projekts entgegen. „Das ist schade. Ich würde gerne länger reiten.“

Pico, Mister und Carlos sind ausgebildete Therapiepferde. „Die verzeihen auch mal Fehler“, sagt Reitlehrerin Ulrike Dose-Dibbern, die bereits seit 35 Jahren Reittherapie auf ihrem Hof anbietet. Auf dem Weg zum Reiterhof werden die Inklusions-Kinder immer von drei älteren Schülerinnen begleitet. Sie helfen beim Unterricht und bei der Pflege der Pferde. Gerade bei so schwierigen Aufgaben wie dem Hufeauskratzen brauchen die Kinder noch Hilfe. Schließlich gehört einiges an Mut dazu, ein großes Pferd oder Pony davon zu überzeugen, den Huf zu heben und in die eigene Hand zu legen.

Durch die Bewegung auf den Pferden, durch das Öffnen von Schnallen oder das Einstellen der Steigbügel begegnen die Schüler auch ganz neuen körperlichen Herausforderungen, berichtet Sandra Glameyer, Sonderpädagogin der Paul-Dohrmann-Schule. Sie betreut die Inklusions-Kinder und hatte die Idee mit dem Reitprojekt. „Schon nach wenigen Wochen merkt man, wie gut das Reiten den Kindern tut. Sie sitzen besser im Sattel, das hilft ihnen auch im Alltag bei der Koordination.“

Zehnmal dürfen die Schüler der Anne-Frank-Schule auf dem Reiterhof Dose reiten. Finanziert wird das Projekt von der Pinneberger Sozietät Poppe, die anlässlich ihres Jubiläums 10  000 Euro für Schulprojekte gespendet hat. Mit 3000 Euro für das inklusive Reitprojekt hat die Anne-Frank-Schule den größten Anteil erhalten. „Das Projekt hat mich gleich überzeugt, weil es auf bodenständige Weise den Schülern hilft“, sagt Stephan Mathé, Partner der Kanzlei.

Am liebsten würde Schulleiterin Schramm das Projekt auch anderen Inklusions-Kindern anbieten. „Dafür wären wir aber auf Spenden angewiesen.“

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erstellt am 09.Jul.2016 | 10:00 Uhr

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