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Elmshorner Nachrichten

03. Dezember 2016 | 12:46 Uhr

Kriminalität : Dachrinnen-Betrug: Zweiter Versuch

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Eine Bande montiert in Kollmar ungefragt eine Dachrinne und kehrt vier Wochen später zurück, um das Geld einzutreiben.

Kollmar | Es ist gerade mal vier Wochen her, da hat Ute Heyne für ihr Haus am Kollmaraner Deich ungewollt eine neue Regenrinne montiert bekommen. Eine zweifelhafte Handwerkerbande hatte das gute Stück angebracht, als ihr fast 94-jähriger Mitbewohner Hermann Franzenburg alleine zuhause war (wir berichteten). „Die sind darauf spezialisiert, die Leichtgläubigkeit alter Menschen auszunutzen“, ist sich Ute Heyne, die selber in der Altenpflege arbeitet, sicher. Zumal sie anschließend viele ähnliche Geschichten aus Elmshorn und Umgebung hörte.

Große Angst vor Ärger mit der Polizei scheinen die Männer mit starkem osteuropäischem Akzent aber nicht zu haben. Denn knapp einen Monat später, nachdem die Geschichte groß in der Zeitung stand, sind sie jetzt zum Eintreiben des Geldes auf das Grundstück von Ute Heyne zurückgekehrt.

Anzeige gegen Unbekannt

Als die Männer einen Tag nach der Montage der Regenrinne zurückgekehrt waren, um ihr Geld abzuholen, hatte sich Heyne geweigert zu zahlen und hatte anschließend bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt gestellt. Heyne ging davon aus, die Angelegenheit sei für sie abgehakt – zumal das Autokennzeichen, das sie bei der Polizei angab, zu einem gestohlenen Wagen gehörte.

Umso größer war ihr Erstaunen, als die vermeintlichen Handwerker jetzt wieder vor ihrem Haus auftauchten und Geld für die Montage der neuen Regenrinne verlangten. „Auf einmal waren sie wieder da – nur diesmal mit einem blauen statt mit einem weißen Auto mit der Aufschrift ,Die Handwerker’“, erzählt die 53-Jährige. „Ich konnte es kaum glauben, dass die sich noch hierher trauen, nachdem die Geschichte doch groß in der Zeitung stand.“ Heyne reagierte geistesgegenwärtig, sagte ihrem Freund, er solle die beiden in ein Gespräch verwickeln und rief die Polizei.

Keine Nervosität

Um die angeblichen Handwerker bis zur Ankunft der Beamten aufzuhalten, zeigte Ute Heyne den angeblichen Handwerkern mit starkem osteuropäischen Akzent die schlecht gelötete neue Regenrinne, aus der es seit der Installation ständig heraus tropft. „Ich würde eine so schlechte Arbeit nicht bezahlen, habe ich ihnen gesagt. Daraufhin haben die Männer in aller Seelenruhe die Regenrinne abmontiert und auf unserem Rasen mit dem Löten begonnen.“

In der Zwischenzeit waren die Polizisten angekommen und hatten das Handwerker-Auto eingeparkt. „Die sind überhaupt nicht nervös geworden“, sagt Ute Heyne. „Sie haben den Polizisten ihre Ausweise gezeigt und dann entspannt weiter gearbeitet.“ Auf die Fragen der Beamten hätten die Männer vorgegeben, nichts zu verstehen. Nachdem die Polizisten die Personalien aufgenommen hatten, verließen sie das Grundstück wieder. Nicht ohne Ute Heyne geraten zu haben, auf keinen Fall Geld zu bezahlen und – falls sie eine Rechnung bekommen sollte – aufs Revier zu kommen.

Nach getaner Arbeit schickte Ute Heyne die zweifelhaften Handwerker vom Hof – bezahlen werde sie nur auf Rechnung. Das könnte aber teuer werden, sagten die Männer noch – mindestens 1000 Euro. Heyne hat nicht vor, dieses Geld zu bezahlen. Sie will dem Rat der Polizisten folgen und damit aufs Revier gehen. Vor allem geht es ihr aber darum, mit ihrer Geschichte andere ältere Menschen vor einem Betrug zu bewahren.

 

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erstellt am 23.Aug.2016 | 08:00 Uhr

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