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Elmshorner Nachrichten

24. März 2017 | 09:11 Uhr

Elmshorn : City-Quartier: Dächer reinigen Luft

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Kibek-Hochhaus: Eine neuartige Beschichtung für Dachbahnen absorbiert die Schadstoffe von 68 Autos rund um das neue Viertel.

Elmshorn | Das ehemalige Kibek-Hochhaus: Es ist das Wahrzeichen Elmshorns – und wird jetzt zum Mittelpunkt eines ganz neuen Quartiers. Seit April 2015 baut das Elmshorner Immobilienunternehmen Semmelhaack im Herzen der Stadt vier neue Häuser. Das Kibek-Hochhaus selbst thront mit seinen 13 Stockwerken über der größten Baustelle der Stadt.

Aber nicht nur was die Dimensionen betrifft, ist das Bauprojekt City-Quartier etwas Besonderes. Die Dächer der Gebäude werden auch zu den ersten in ganz Deutschland zählen, die die Luft besser machen können. Und zwar nicht mit Hilfe von Duftbäumchen oder Riechsalz, sondern mit einer brandneuen Technologie. Die Pinneberger Firma Binné liefert die Dach- und Dichtungsbahnen für die Gebäude im City-Quartier. Und die sind mit einer sogenannten Nox-Off-Beschichtung versehen. Die wirkt katalytisch und wandelt Stickoxide aus der Luft in ungefährliche Salze um. Stickoxide sind in den Abgasen von Autos enthalten, tragen zur Feinstaubbelastung bei und schädigen Pflanzen. Bei Menschen können sie zu Bronchienverengungen führen.

„Beim Nox-Off-Effekt aktivieren Sonnenstrahlen die photokatalytische Oberfläche auf den Dachbahnen“, erklärt Geschäftsführer Thilo Binné. „Das gleiche passiert auch ganz natürlich weiter oben in der Atmosphäre – aber das ist für uns Menschen natürlich zu spät.“ Ein Messlabor für Photokatalyse der Leibniz Universität Hannover hat festgestellt, dass hundert Quadratmeter der Nox-Off-Bahn die jährliche Verschmutzung eines gängigen Pkws mit etwa 12000 gefahrenen Kilometern neutralisieren. Die Dachfläche im City-Quartier ist etwa 6  800 Quadratmeter groß, es werden also die Schadstoffe aus etwa 68 Pkw neutralisiert.

Entwickelt hat das Konzept eine Firma in Dänemark. Zusammen mit Binné wurde die Beschichtung dann auf den Dachbahnen aufgebracht. „Dieses Projekt von Semmelhaack ist das erste, bei dem wir den Prototyp unserer Dachbahnen mit Luftfilter einsetzen“, erklärt Binné. Zumindest in Norddeutschland ist das City-Quartier damit Vorreiter. „Uns ist schon klar, dass wir damit nicht die Welt retten können“, sagt der Geschäftsmann. „Aber wir können einen guten Beitrag leisten – vor allem, wenn in Zukunft noch mehr Häuser mit dieser Technik ausgestattet werden.“

Die Firma Semmelhaack hat sich von der Technologie schnell überzeugen lassen. „Erstmal kostet uns das nur zusätzliches Geld“, sagt Oberbauleiter Arne Bielenberg. „Aber wir waren überzeugt von der Idee, bei uns hat Binné offene Türen eingerannt. Und ökologisches Bauen wird zukünftig eine immer größere Rolle spielen.“ Schließlich werde das Thema Feinstaubbelastung in der Politik immer wieder diskutiert.

Insgesamt entstehen im City-Quartier 151 Mietwohnungen, die ersten, in Haus B, sind bereits bezogen, die Häuser A und C folgen Mitte März und Anfang April. Fertig werden soll das ganze Projekt am ersten Oktober. Bei den Gebäuden A bis D sind bereits rund 80 Prozent der Wohnungen vermietet. Beim Hochhaus sind es deutlich weniger, dieses Projekt ist laut Oberbauleiter Bielenberg aber auch so komplex, dass sich damit noch nicht so gut planen ließe. Das Gebäude wird nicht nur entkernt, sondern die Fassade auch komplett neu gemacht – und zwar auf Wunsch der Stadt so, dass es dennoch seinen ursprünglichen Charakter behält.

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erstellt am 10.Mär.2017 | 16:00 Uhr

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