zur Navigation springen

Elmshorner Nachrichten

04. Dezember 2016 | 04:58 Uhr

Von Hochregalen und Mittelstandssorgen : Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms war zu Besuch bei den Kölln-Werken

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Es sei absehbar, dass das Unternehmen Peter Kölln weiter wachsen muss.

Elmshorn | Die Regale sind 30 Meter hoch und 80 Meter tief. Dazwischen sausen computergesteuerte, leuchtend gelbe Bedienungsgeräte hin und her und transportieren Waren an ihren Bestimmungsort. Beeindruckt blicken die Bundestagsabgeordnete Valerie Wilms (Grüne) und Gertrud Borgmeyer, Kreisvorstandssprecherin der Grünen, auf die Hochregal-Schluchten und Tausende Müsli-Packungen, die sich hier bei Peter Kölln stapeln.

Der Markt für Müsli wachse derzeit sehr stark, sagt Geschäftsführer von Boetticher, der die Politikerinnen durch das Lager führte. Deshalb sei es absehbar, dass auch das Unternehmen Peter Kölln weiter wachsen muss. „Etwas Platz haben wir noch hier auf dem Gelände. Aber ich schließe nicht aus, dass wir uns irgendwann einen anderen Standort auf der grünen Wiese suchen müssen – allerdings im Umkreis, um die Synergien vor Ort nutzen zu können.“ Das liege aber noch in der Ferne.

Ein Schritt in die Zukunft ist schon mal erfolgreich verlaufen: Das 1987 aufgebaute Hochregallager hat ein neues Computersystem bekommen. „Das ist ein Abenteuer für ein Unternehmen“, erklärte Geschäftsführungsmitglied Stefan Geiser. Denn die Produkte werden ungeordnet eingelagert – nur der Computer weiß, was wo liegt.

Die Regale im Lager von Peter Kölln sind 30 Meter hoch und 80 Meter tief.
Die Regale im Lager von Peter Kölln sind 30 Meter hoch und 80 Meter tief. Foto: Pfeifer

Wilms nutzte den Besuch bei den Kölln-Werken nicht nur, um das Hochlager zu besichtigen, sondern, um mit Christian von Boetticher über die Sorgen des Mittelstands zu sprechen und ihr Beileid über den Tod des langjährigen Kölln-Chefs Hans Heinrich Driftmann auszudrücken. „Frau Wilms hatte uns angeboten, den Termin zu verschieben“, sagte von Boetticher. „Aber Herr Driftmann war zu sehr Unternehmer, als dass er gewollt hätte, dass nach seinem Tod alles still steht.“

Unter anderem ging von Boetticher auf die Herausforderungen der Energiewende ein. Hohe Energiekosten bedeuteten für den Mittelstand ein großes Problem, denn „jeder Cent, den wir für Energie zusätzlich ausgeben müssen, macht unser Produkt teurer. Unsere Hauptwettbewerber sind multinationale Konzerne. Denen ist es egal wo sie produzieren, die gehen dahin, wo die Kosten am niedrigsten sind.“ Kölln sei dagegen – ebenso wie viele andere mittelständische Unternehmen – standorttreu. „Wir bekommen viel Lob aus der Politik, weil wir vor Ort über der Quote ausbilden, weil wir übertariflich bezahlen und uns auch bei der Inklusion und Integration engagieren.“ Dennoch werde politisch kaum etwas für den Mittelstand getan.

Infrastruktur und Standortvorteile waren dann auch Punkte, auf die von Boetticher zu sprechen kam. „Dieses Werk steht in Elmshorn nur aus einem Grund – wegen der Krückau.“ Seit der Transport von Waren über den Wasserweg durch die Verschlammung nicht mehr möglich ist, seien die Kölln-Werke auf den Straßenweg angewiesen. „Und da ist die Elbe für uns ein Nadelöhr in Richtung Süden.“ Dieses Risiko könne zwar eingepreist werden – „aber das bedeutet wiederum einen Wettbewerbsnachteil.“ Eine zusätzliche Elbquerung, sagte von Boetticher in Richtung der Bundestagsabgeordneten Wilms, wäre für Kölln von großem Vorteil.

Elmshorn bedeutet allerdings nicht nur einen Standortnachteil für Kölln, sagte von Boetticher. „Wir haben hier eine sehr gute Schullandschaft – und natürlich die Nordakademie. Für uns ist das ein großer Vorteil bei der Suche nach qualifizierten Mitarbeitern.“ Die meisten Angestellten blieben ihr ganzes Leben lang bei den Kölln-Werken – auch aufgrund der guten Arbeitsbedingungen. „Aus diesen Gründen haben wir auch keine Probleme mit dem Fachkräftemangel“, erklärte Personalchef Stefan Geiser. Das Unternehmen bekäme immer viele Bewerbungen auf eine Stelle.

In diesem Zusammenhang erkundigte sich Valerie Wilms nach der Frauenquote in der Führungsebene des Unternehmens. Hier musste Geiser zugeben, dass es durchaus Luft nach oben gebe. „Das liegt aber nicht daran, dass wir Frauen nicht fördern würden. Viele Frauen entscheiden sich bewusst gegen eine Führungsposition und für ihre Familie.“ Das sei besonders schade, da viele Frauen gerade unter den Auszubildenden deutlich qualifizierter seien als ihre männlichen Kollegen.

Am Ende war es ein einvernehmlicher Abschied zwischen Politikerin und Geschäftsmann. „Wir schauen, wo wir Gemeinsamkeiten finden können“, sagte Valerie Wilms. „Es bringt nichts, immer ideologisch zu argumentieren. Wir müssen Lösungen finden.“

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 04.Mai.2016 | 13:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen