zur Navigation springen

Elmshorner Nachrichten

26. Juni 2016 | 22:56 Uhr

Computer statt Mehlsäcke : Besuch beim Müller in Elmshorn

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Paul Heine ist Müller bei Peter Kölln. Täglich werden dort 250 Tonnen Hafer zu Flocken verarbeitet.

Elmshorn | Es klappert die Mühle am rauschenden Bach – nicht so in Elmshorn. Hier rauscht die Krückau. Obwohl sie meist eher leise vor sich hinplätschert. Auch eine Mühle gibt es, aber sie klappert nicht. Sie dröhnt. „Normalerweise haben wir auch Gehörschutz auf“, sagt Paul Heine, der durch das Werk von Peter Kölln führt. Das Unternehmen ist vor allem für seine Haferflocken und Müslis bekannt. Heine ist 19 Jahre alt und hat im vergangen Sommer in der Elmshorner Firma seinen Abschluss als Verfahrenstechnologe in der Mühlen- und Futtermittelwirtschaft gemacht, „Aber wenn jemand fragt, sage ich, ich bin Müller.“

Müller, dieser Beruf klingt nach Märchen, Max und Moritz und Mittelalter. „Viele Menschen denken, dass ich noch Säcke schleppen muss und im Staub stehe“, so Heine. Doch sein Berufsalltag sieht ganz anders aus. So hat auch hier die Technologie Einzug gehalten: „Ich sitze bei meiner Arbeit vor sechs verschiedenen Bildschirmen.“ Er zeigt einen abgetrennten Raum in der Mühlenhalle, in dem eine Reihe von Rechnern stehen. Auf jedem läuft ein Programm, mit dem Heine eine Maschine in der Mühle überwachen kann. Hier riecht es nach Getreide und Mehl, aber es sieht aus wie in einem Kontrollraum bei der Nasa.

Heine erzählt, dass er in seinem Job vor Exeltabellen sitzt und Schreibtischarbeit machen muss. Spaß macht ihm aber vor allem, wenn er umhergeht, Maschinen kontrolliert und nah am Produkt arbeitet. Acht verschiedene Sorten Hafer verarbeitet die Firma Kölln. Pro Tag werden hier 250 Tonnen zu Flocken verarbeitet. Je nach Zusammensetzung müssen Maschinen in der Mühle unterschiedlich eingestellt werden, dazu müssen Heine und seine Kollegen in der Mühle immer wieder den Hafer inspizieren und die Einstellungen nachjustieren. „Ich habe einen sehr vielseitigen Beruf“, sagt der Jungmüller, der von Laboranalysen und Computerarbeit, von Anlagenführung und Qualitätskontrollen erzählt.

Stimmt alles? Müller Paul Heine untersucht bei der Firma Kölln die fertigen Haferflocken.
Stimmt alles? Müller Paul Heine untersucht bei der Firma Kölln die fertigen Haferflocken. Foto: Lottmann
 

Dabei arbeitet er an unterschiedlichen Maschinen, wobei die ältesten rund 80 Jahre alt sind. Viele seien aber neuer. So wie etwa eine Maschine, die fehlerhafte Haferkörner automatisch aussortiert. Das funktioniere über die Optik, erklärt Heine. Stimmt die Farbe nicht, werden die Körner mit Druckluft aus dem Prozess ausgelesen. Pro Linie schafft der Farbausleser etwa 180 Tonnen pro Tag. „Das ist mit die modernste Maschine in der Müllerei.“, so Heine.

„Ich wollte was mit Lebensmitteln machen“, beantwortet Paul Heine die Frage, warum er Müller geworden ist. Etwas Handfestes wollte er nach der Realschule machen, erzählt er: „Es ist ein schönes Gefühl, am Ende etwas in der Hand halten zu können, was man selbst hergestellt hat.“

250 Tonnen Haferflocken stellt die Firma Kölln am Tag her.
250 Tonnen Haferflocken stellt die Firma Kölln am Tag her. Foto: Lottmann
 

Es gebe bundesweit nur zwei Institutionen, wo der Berufsschulunterricht für Müller stattfindet, erzählt Heine. Zwölf Wochen im Jahr musste er dazu in Stuttgart verbringen und legte am Ende einer der besten Abschlussprüfungen ab. Aber Heine reicht das noch nicht. Schon während des ersten Lehrjahres habe er sich für den Kursus zum Meister angemeldet. „Wenn ich das schaffe, bin ich mit 20 Jahren Müllermeister“, sagt Heine und erzählt, dass die Kurse häufig überbucht seien.

„Ich mag meinen Beruf. Hier wird mir viel Verantwortung übertragen. Das ist ein schönes Gefühl“, sagt der Müller, der auf die Frage nach seinem Lieblingsfrühstück wenig überraschend antwortet: „Ich esse jeden Morgen Haferflocken. Kein Witz.“

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen