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Elmshorner Nachrichten

04. Dezember 2016 | 05:03 Uhr

Bei diesem Konzert singt das Publikum

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Saalbau „Elmshorn singt“ ist ein Ableger der Show „Hamburg singt“ und zog am Mittwoch rund 500 Besucher in den Theatersaal der Waldorfschule

Seit Jahren boomen Castingshows wie DSDS, The Voice of Germany oder Popstars. Ein fragwürdiges Phänomen, geht es doch um subjektive Urteilsbildung der oftmals bizarr auftretenden Juroren, denen es in erster Linie um Show und Geschäft geht. Singt jemand nicht in der Perfektion, wird er oft in einem Tonfall verrissen, der über jeglichen guten Geschmack hinausgeht, ohne Rücksicht auf Verluste. Oftmals wird Singen eben mit Perfektion assoziiert: Entweder man ist perfekt, oder man lässt es halt ganz bleiben.

Dass eine derart skurrile These in der Musik eigentlich nichts zu suchen hat, bewies Niels Schröder mit seinem am Mittwochabend im Saalbau der Waldorfschule Elmshorn stattfindenden Projekt. „Elmshorn singt“ – ein Showkonzept, das Schröder bereits in Hamburg unter dem Namen „Hamburg singt“ etabliert hat, und das sich von selbst erklärt. Eine ganze Stadt ist zum Singen eingeladen, vor allem Nicht-Sänger. Das klingt erstmal paradox, ist aber an sich eine logische Konsequenz aus der Begeisterung aller Menschen für Musik. Ein jeder hört gerne Musik und singt die Strophen des neuen Nr. 1-Hits unter der Dusche mit. Oder man grölt in der Diskothek den meist nicht immer so gut sitzenden Text des neuen Dance-Songs mit.

Niemand würde sich damit auf die Bühne wagen, dennoch hat jeder Spaß an Musik. Mit dem Konzept „Elmshorn singt“ bringt Niels Schröder vor allem die Auto-, Dusch- und Partysänger auf die Bühne. Obwohl – „auf die Bühne“ ist eigentlich der falsche Ausdruck. Denn die zahlreich erschienenen Sänger waren zeitgleich Besucher und hatten alle einen Platz im Publikum. Rund 500 Menschen passen natürlich auch nicht alle auf eine kleine Bühne. Also warum das Ganze nicht einfach umdrehen? Bei „Elmshorn singt“ wurde der ganze Saal zur Bühne umfunktioniert. Auf der Bühne vorne performten Niels Schröder mitsamt Solisten und kleiner Instrumentalband; das Publikum im Saal fungierte als Chor, der die Liedtexte von eingeblendeten Projektionen ablas. Wie Karaoke – nur besser.

Das liegt daran, dass Niels Schröder die Songs wie „Hold back the river“, „Mercy“ oder „Euphoria“ zusammen mit den Publikumssängern erarbeitete. Durch Handzeichen, die Tonhöhen anzeigen, ähnlich dem Prinzip der Solfège, erklärte er die unterschiedlichen Raffinessen der Songs. „Hier geht es jetzt hoch, dann wieder runter, dann wiederholen wir das Ganze nochmal.“

Schon sind die Erklärungen versiegt, stimmt der ganze Saal die Töne an und schmelzt in einem großen Choral mit 500 Stimmen durch Songs wie „Tears in heaven“ oder „I believe I can fly“ dahin. Wundert sich jetzt jemand, dass Niels Schröder es wie ein Leichtes aussehen lässt, einen ausverkauften Saal zum großen musikalischen Werk umzufunktionieren, lässt sich das relativ leicht erklären: Schröder ist ein Bühnenmensch, ein Animateur, der selbst so viel Spaß und Freude an der Musik und am Singen ausstrahlt, dass sich diese Energie auf das Publikum zu übertragen scheint.

Eine andere Erklärung liegt in der Natur der Songs selbst: Popsongs verbindet allesamt eingängige Melodien sowie einfache Funktionsschemata, die für ein jedes Ohr harmonisch klingen und leicht zu singen sind, und – und das ist wohl die wichtigste Erklärung: Jeder hat diese Songs im Radio, auf CDs oder bei Musikstreamingdiensten rauf- und runtergehört.

So begeisterte sich der ganze Saal unter der Animation und Chorleitung Schröders für die Mischung aus Karaoke, Konzert, Dancefloor und Show. Eine Show für jedermann, der Spaß und Freude am Singen hat. Die nächste Auflage findet am Donnerstag, 15. Dezember, ab 19.30 Uhr statt. Einlass ist um 18.45 Uhr, Karten gibt es für zehn Euro (acht Euro) bei Konzert & Event oder unter www.elmshorn-singt.de.

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