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Elmshorner Nachrichten

04. Dezember 2016 | 00:54 Uhr

Haus der Technik : Baustelle: Was hat die Arbeiter krank gemacht?

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Drei Schadstoffe kommen in Frage. Auch in Zukunft werden intensive Untersuchungen notwendig sein.

Elmshorn | Stillstand seit September, sechs kranke Bauarbeiter und die Ursache ist noch nicht völlig geklärt – die Baustelle des Hauses der Technik hat den Mitarbeitern der Stadtverwaltung in den vergangenen Wochen große Sorgen beschert. Das Gebiet rund um den Hafen ist seit Jahren als Altlastenverdachtsfläche bekannt. 140 Jahre lang war das Hafengebiet ein Warenumschlagsplatz – gut möglich, dass darunter auch Schadstoffe waren. Im östlichen Teil befand sich außerdem früher ein Brennstoffhandel, bei dem vielleicht auch Heizöl verkauft wurde und auf dem Buttermarkt stand ein Gaswerk. Außerdem sind Leichtflüchtige Chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKWs) beispielsweise über chemische Reinigungen und Schlosserwerkstätten jahrelang ins Grundwasser der Krückaustadt gelangt.

Was die Erkrankung der Bauarbeiter tatsächlich ausgelöst hat, weiß niemand. LCKWs wurden im Bereich der Baustelle festgestellt, ebenso wie natürlich vorkommender Schwefelwasserstoff und Cyanid, das noch aus dem Gaswerk stammen könnte. „Aber die Konzentrationen waren nie gesundheitsgefährdend“, sagt der sachverständige Geologe Klaus Pätzmann. Er geht davon aus, dass es sich in erster Linie um ein lokales Problem handelt. Möglicherweise sind die Arbeiter mit einem Minibagger im Zuge der Erdaushubarbeiten auf einen Punkt gestoßen, an dem sich die Schadstoffe in besonders konzentrierter Menge befanden. Zu den Gegebenheiten der Baustelle des Hauses der Technik zählt die einzigartige Tiefe, die für das Pumpwerk benötigt wird: Die endgültige Ausschachtung soll neun Meter tief werden. In fünf bis sieben Metern Tiefe trafen die Bauarbeiter auf einen sogenannten Grundwasserleiter, an den das Auftreten des LCKW gekoppelt ist.

Dieser Grundwasserleiter verläuft auch in anderen Teilen des Sanierungsgebietes. So lange dieser nicht freigelegt wird, können die LCKWs nicht ausgasen. Cyanide und Schwefelwasserstoffe liegen zwar deutlich weiter oben in den Erdschichten, diese wurden aber bislang in anderen Teilen des Sanierungsgebietes nicht nachgewiesen. Trotzdem wird der belastete Grundwasserleiter auch bei weiteren Bauprojekten beachtet werden müssen.

Das gilt insbesondere beim Kanalbau und beim Bau der Tiefgarage für das neue Rathaus. Die künftigen Sicherheitsmaßnahmen beim Bau des Hauses der Technik – unter anderem Atemschutz, Schutzkleidung und die Einrichtung eines Dekontaminationsbereiches – werden während der kompletten Erdarbeiten aufrecht erhalten werden. Zusätzlich will die Stadt den Sicherheitsbereich rund um die Baustelle vergrößern und den Durchgang vor dem Ladenlokal eines Orthopädie-Schuhmachers schließen.

Im Herbst 2017 sollen die Bauarbeiten für das Haus der Technik abgeschlossen sein, dann kann ein Investor einige Monate später als geplant seine beiden Stockwerke obendrauf setzen. Die Maschinen kommen später, da das Pumpwerk erst 2019 in Betrieb genommen werden wird. Zumindest von dieser Seite gibt es also keinen Termindruck.

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erstellt am 22.Nov.2016 | 12:53 Uhr

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