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Elmshorner Nachrichten

10. Dezember 2016 | 06:12 Uhr

Wieder Ärger in Kollmar : Bakterien - Lebensmittelüberwachung schließt den Hafensnack

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Das Lebensmittelüberwachungsamt fordert Anschluss an das Abwassersystem. Die Inhaber bezeichnen die Forderungen als Schikane.

Kollmar | Jetzt ist es so weit: Nach fünfmonatigem Ringen ist der Hafensnack in Kollmar geschlossen. Das liegt aber keineswegs an der Räumungsklage, die die Gemeinde im Juli eingereicht hatte. Vielmehr hat das Lebensmittelüberwachungsamt des Kreises Steinburg den Kultimbiss von Hartmut Köhler bis auf Weiteres geschlossen und versiegelt. Der Grund: Bei einer Untersuchung von Proben aus den Wasserleitungen des Imbisses wurden Coliforme Bakterien gefunden. Außerdem fordert das Amt einen festen Anschluss an das öffentliche Trink- und Abwassersystem. So einfach wollen Hartmut Köhler und seine Frau Simone das aber nicht hinnehmen. Sie sehen gleich mehrere Verfahrensfehler und sind überzeugt davon, dass das Lebensmittelüberwachungsamt mit der Gemeinde Kollmar gemeinsame Sache macht, um sie und ihren Imbiss vom Hafen zu vertreiben. Gegen diese Unterstellung verwahrt sich Bürgermeister Klaus Kruse entschieden: „Geschlossen wurde der Imbiss unabhängig von unserer Auseinandersetzung.“ Diese Kontrollen seien seines Wissens nach regelmäßig erfolgt.

Donnerstag, 26. August: Eine Mitarbeiterin des Gesundheitsamtes entnahm Wasserproben am Hafensnack. Jährliche Überprüfungen sind bei einem Pumpsystem, wie es Hartmut Köhler besitzt, üblich. „Aber eine Probe bei 32 Grad Außentemperatur zu nehmen war fahrlässig“, sagt Köhler. „Da muss ja nur ein Bakterium über die Luft in den Behälter gelangen – und es vermehrt sich im heißen Auto auf der Fahrt ins Labor in Kiel in Sekundenschnelle.“ Deutlich später als sonst üblich, nämlich erst am Dienstag, kam die Meldung über den Befund. „Der Lebensmittelkontrolleur teilte uns das Ergebnis persönlich mit“, erinnert sich Köhler. „Meine erste Reaktion war: Das kann doch gar nicht sein.“ Schließlich habe er freiwillig besonders gute Wasserfilter einbauen lassen. Das habe auch der Filter-Hersteller bestätigt.

Nach Auskunft des Lebensmittelüberwachungsamtes wurde die Beprobung des Trinkwassers durch das Gesundheitsamt ordnungsgemäß durchgeführt. Der Hafensnack habe die Auflage bekommen, keine losen Speisen und Getränke an Verbraucher abzugeben. Lediglich verpackte Lebensmittel wie Eis oder Getränke in Fertigpackungen gestattete das Amt nach Auskunft von Amtsleiterin Birte Hellerich. Einen Tag später, am 31. August, habe Hartmut Köhler jedoch entgegen dieser Untersagung gehandelt, „so dass aufgrund der Gefahrenabwehr der ganze Betrieb geschlossen werden musste.“

Hartmut und Simone Köhler widersprechen dem. „Wir haben nur Pommes und Würstchen verkauft, die kommen doch mit Wasser gar nicht in Berührung. Und Cola und Wasser haben wir direkt aus den Flaschen ausgeschenkt.“ Das Ehepaar kritisiert auch das Verfahren des Amtes. „Der Lebensmittelkontrolleur hat unsere Bude lange aus der Entfernung beobachtet und dann die Mitarbeiter aus der Bude abgeführt, ohne auf uns zu warten“, sagt Hartmut Köhler. Dann wurde die Bude versiegelt. Gleich darauf forderten die Köhlers ein zweite Wasserprobe – wie vom Bundesgesundheitsamt vorgeschrieben. „Aber nur weil wir nicht locker gelassen haben, wurde die Probe durchgeführt.“ Diese war, so zumindest die mündliche Auskunft aus dem Labor in Kiel, einwandfrei. Wiedereröffnen dürfen die Köhlers ihren Imbiss dennoch nicht.

Hartmut und Simone Köhler wollen den Hafensnack unbedingt behalten.
Hartmut und Simone Köhler wollen den Hafensnack unbedingt behalten. Foto: Pfeifer
 

Jetzt fordert das Lebensmittelüberwachungsamt einen festen Anschluss an das öffentliche Trink- und Abwassersystem – zum ersten Mal seit 13 Jahren. Laut Amtsleiterin Hellerich ist das bei Betriebsstätten, die als feste Einrichtung eingestuft werden, so üblich. Das Ehepaar Köhler, das bislang mit einem Tanksystem arbeitet, reagiert ungläubig: „Im Deichvorland kann man keine Abwasserleitung legen. Die würde ja beim nächsten Hochwasser sofort überlaufen.“ Eine Frischwasserleitung wäre kein Problem. „Aber im Winter wird am Hafen das Wasser abgestellt.“

Dazu kommt, dass laut Köhler dann eigentlich auch die anderen Imbisse entlang der Elbe ähnliche Auflagen bekommen müssten. „Aber es sind immer nur wir.“ Außerdem habe das Lebensmittelüberwachungsamt erst vor zwei Wochen eine Baugenehmigung für einen dritten Container mit einer Personaltoilette genehmigt – „mit genau demselben Tanksystem, wie wir es schon jetzt haben.“

Das Lebensmittelüberwachungsamt gibt keine weiteren Stellungnahmen ab – mit dem Verweis auf das laufende Verfahren. Und die Köhlers wollen beim Verwaltungsgericht eine Rücknahme der Amtsanordnung beantragen und – erneut – vor Gericht ziehen.

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erstellt am 07.Sep.2016 | 14:00 Uhr

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