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Elmshorner Nachrichten

11. Dezember 2016 | 01:29 Uhr

Auf der Suche nach Treibgut

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Keramikarbeiten Gudrun Probst arbeitet seit über 30 Jahren als Bildhauerin / Neue Ausstellung in der Galerie Cavissamba in Haselau

Es ist Ebbe am Elbufer. Darauf hat Bildhauerin und Keramikerin Gudrun Probst gewartet. Den Blick immer auf den Elbstrand gerichtet, sucht sie regelmäßig nach Treibgut.

„Ich gehe immer nur bei Ebbe spazieren. Bei Flut kann ich keine Fundstücke finden“, schmunzelt die freischaffende Künstlerin. Knorriges Holz, alte Eisenteile von Schiffen, Steine, Tonscherben und buntes Glas, dies alles hebt sie auf und verarbeitet in ihrer Werkstatt die Materialien mit Ton. „Mein Arbeitsmaterial ist der Ton, doch die Inspirationen für meine Werke erhalte ich durch die Fundstücke“, verrät die 74-Jährige, die oft Scherben von der bei Kollmar 1402 versunkenen Ortschaft Nygenstadt findet.

Seit 1995 lebt sie mit ihrem Mann Hans-Peter in einem Haus direkt hinter dem Deich in Kollmar-Bielenberg. Dort befinden sich auch ihre Werkstatt und Galerie. Nach einer Ausbildung zur Stoffmusterzeichnerin studierte sie an der Werkkunstschule in Münster Bildhauerei bei Prof. Karl Ehlers und unterrichtete später selber als Werklehrerin an Sonderschulen in Niedersachsen. Seit über 30 Jahren präsentiert Gudrun Probst ihre Kunstwerke auf Ausstellungen. „Ein Höhepunkt war meine Ausstellung 2002 im St. James Cavalier auf Malta“, erinnert sich die Trägerin des Kultur-Förderpreises, den sie 2001 vom Kreis Steinburg verliehen bekommen hat.

Alle Skulpturen der Künstlerin haben eine positive Tendenz. Dies ist ihr wichtig. „Jedes meiner Werke ist ein Unikat und hat seine eigene Aussage. Es erhält einen Titel und einen kleinen Text mit meinen Gedanken“, verrät Probst. Ihre Kunstwerke entstehen immer erst mit dem Fundstück und werden dann mit dem Ton verbunden. „Mir ist nicht wichtig ob ein Stück schön ist, sondern was zwischen den Materialien passiert“, so Probst, die für ihre Arbeiten viel Zeit benötigt.

Ihr wichtigstes Werkzeug sind ihre Hände. Der Ton wird nach und nach hohl aufgebaut, zwischendurch getrocknet oder befeuchtet, geglättet, modelliert und geklopft. Bevor das Kunstwerk dann gebrannt werden kann, muss das Stück gut durchgetrocknet sein. In ihrem Keramik-Brennofen brennen die Stücke insgesamt 24 Stunden. Beim ersten Brand, dem Schrühbrand (Rohbrand) wird der Ofen bis zu 800 Grad heiß, anschließend heizt der Ofen beim Glasurbrand automatisch auf 1060 Grad hoch. Erst wenn der Ofen abgekühlt ist, kann Gudrun Probst ihre Schätze betrachten und das ist jedes Mal ein spannender Moment für sie. „Eisen ist aggressiv und zerstört den Ton. Die Materialien treten in einen Dialog miteinander. Sie messen sich in einem Kräftespiel“, erläutert Probst, die aktuell an einem Stück aus Treibholz und Ton arbeitet. „Ton hat immer die Tendenz einzusacken. Ich muss mir oft etwas einfallen lassen, wie ich es abstütze“, sagt die Bildhauerin, die zu jedem Objekt einen kleinen Text entwirft, der ihr während der Arbeit eingefallen ist.

Ihr künstlerisches Lieblingsthema sind Kreuze. „Kreuze haben durchweg etwas Positives“, sagt sie und fügt hinzu, dass es ein sehr schönes Erlebnis war, 2013 ihre Kreuze beim Hamburger Kirchentag zu präsentieren. Ihr Werk „Lichtes Kreuz“ aus Ton mit Glas und Eisen schmückt den Altar der Elmshorner Stiftskirche und ein aus Ton und Mooreiche hergestelltes Kreuz hängt seit 2001 an der Kirchenwand der Kollmaraner Dorfkirche.

Vom 21. Mai (Vernissage 16 Uhr) bis 26. Juni stellt Gudrun Probst ihre Plastiken in der Galerie Cavissamba von Leni Rieke in Haselau aus. Besucher können in der Zeit von Freitag bis Sonntag, jeweils von 14 bis 18 Uhr die Ausstellung besuchen.



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