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Elmshorner Nachrichten

06. Dezember 2016 | 09:23 Uhr

Serie: Hinter verschlossenen Türen : Altes für die Nachwelt bewahren

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Nicht ausgestellte Gegenstände des Industriemuseums Elmshorn warten in einer Lagerhalle auf ihren großen Auftritt.

Elmshorn | Die EN ermöglichen einen Blick hinter sonst für Interessierte meist verschlossene Türen – und da verbergen sich spannende Geschichten.  .  .

 

„Wo ist denn der Besenstiel?“ Museumsleiterin Bärbel Böhnke tastet im Dunkeln nach dem Stock, um mit einem geübten Schlag den schlecht erreichbaren Lichtschalter anzuschalten. Lange Neonröhren tauchen die rund 600 Quadratmeter große Halle in helles Licht. Dem neugierigen Betrachter dürfte in diesem Moment ein fasziniertes „Boahh“ entschlüpfen. Was auf den ersten Blick wie wahllos über- und ineinander gestapeltes Alteisen aussieht, offenbart sich auf den zweiten als durchgeplant arrangierte Sammlung von Relikten der Elmshorner (Industrie)Geschichte.

Der Betrachter befindet sich im Depot des Elmshorner Industriemuseums. Es befindet sich in .  .  . Aber hier heißt es Stopp! Verschlossene Türen haben ihren Grund. Sie sollen Wertvolles vor allzu neugierigen Zeitgenossen und Langfingern schützen – und das soll auch für den Standort des Magazins gelten, denn „in diesem angemieteten Lager sammeln wir seit zirka 20 Jahren alles, was mit Elmshorner Geschichte zu tun hat“, erklärt Bärbel Böhnke. 95 Prozent aller Gegenstände seien gespendet, meint sie, für den gekauften „Rest“ – beispielsweise die Carsten-Exponate oder Gegenstände für die jeweiligen Sonderausstellungen – kann sie auf Unterstützung durch den Förderverein hoffen.

Nicht alles wird gesammelt

Was in der „Magazin-Scheune“ zu sehen ist, wird nach einem Sammlungskonzept mit bestimmten Kriterien eingelagert. Zu diesen gehören der Bezug zu Elmshorn, Erhaltungszustand, Ausstellungstauglichkeit und – wenn vorhanden – Hintergrundinformationen zum Objekt. Während man in der Aufbauphase des Museums so gut wie alles angenommen habe, müsse man jetzt selektieren. „Wir haben beispielsweise acht Wäschemangeln – das reicht“, erklärt Böhnke. Bei neuen Objektangeboten aus der Bevölkerung weiß das Museumsteam Handyfotos und Maßangaben zu schätzen. Das erleichtere die Einschätzung und beschleunige die Bearbeitung.

Jedes Stück hat eine Geschichte zu erzählen

Große Gegenstände stehen auf Paletten, damit man sie leichter schieben kann. Kleinere werden in Regalen gestapelt. Alle sind mit einem Kärtchen gekennzeichnet, auf dem Eingangsdatum und Objektnummer stehen. Unter der Nummer kann man dann im Inventarbuch des Industriemuseums nachlesen, woher das Stück stammt, welche Geschichte es zu erzählen hat – und wofür es gebraucht wurde. Denn das offenbart sich dem Betrachter – je nach Alter – nicht immer zwangsläufig. Die Funktion von feuerfesten Eisenschuhen für Schornsteinfeger, gusseisernen Einlegringen für den Herd, Blasebalg oder eines hölzernen Abflussrohres sind erklärungsbedürftig. Doch auch ein Grabstein, Milchzentrifugen, ein zigarrenförmiger Behälter (einst moderner Badeofen mit Duschgestänge), Fernsehtruhen oder ein Gynäkologenstuhl muten heute skurril an. Monatliche Kontrollgänge durch die Museumstechnikerin sowie „Entstaubungsaktionen“ zwei Mal im Jahr sorgen dafür, dass alle Exponate für die Nachwelt bewahrt und in Ehren gehalten werden erklärt Böhnke.

Zurzeit unterzieht sich das Museum mit seinen Depots einer freiwilligen Museumszertifizierung – einem „Gütesiegel“ wie beim Tüv. Doch das ist eine neue Geschichte, die es zu erzählen gibt.

 

info@industriemuseum-elmshorn.de

 

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erstellt am 23.Aug.2016 | 12:00 Uhr

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