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Elmshorner Nachrichten

29. März 2017 | 07:26 Uhr

Pflegetag : Älterwerden – und was dann?

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Bei der vom Seniorenrat Elmshorn organisierten Podiumsdiskussion drehte es sich um Pflegekräftemangel und Generationenwohnen.

Elmshorn | Im Altenheim in Kummerfeld ist bereits der letzte Bewohner ausgezogen und auch hinter der Zukunft des Elmshorner Hauses Elbmarsch steht ein großes Fragezeichen. Angesichts der immer älter werdenden Bevölkerung war das für den Elmshorner Seniorenrat Grund genug, einen Pflegetag zu veranstalten und dem Thema einmal mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

„Die Probleme sind seit über 30 Jahren bekannt – trotzdem hat sich in der Pflege kaum etwas getan“, kritisierte der Seniorenrats-Vorsitzende Günter Allertseder am Abend bei einer Podiumsdiskussion mit den Vertretern von CDU, SPD, Grünen und FDP im Kollegiumssaal. Insbesondere der Pflegekraftmangel führe dazu, dass ambulante Pflegedienste keine neuen Kunden aufnehmen könnten und in stationären Pflegeheimen Betten frei bleiben müssten. Lösungsvorschläge forderte Allertseder von den Parteien ein.

Viel mehr als Senioren im Bett wenden

Landtagskandidatin Birte Glißmann (CDU) möchte dem Problem mit einer Imagekampagne für den Beruf des Altenpflegers begegnen. „Viele denken, dass man als Altenpfleger nur Senioren im Bett wendet. Aber es ist viel mehr, es ist vor allem der direkte Kontakt mit Menschen – und man kann mit relativ wenig Aufwand ein Lächeln auf ihr Gesicht zaubern.“ Ulrich Lenk (SPD), selbst ausgebildeter Heimleiter, sieht das Problem eher bei den Arbeitszeiten und der Bezahlung. „Eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist als Altenpfleger oft nur schwer möglich – und es gibt kaum Aufstiegschancen.“ Dazu komme eine überbordende Bürokratie in der Pflege, die dazu führe, dass die Altenpfleger oftmals mehr am Schreibtisch als am Menschen arbeiteten. „Wir müssen verhindern, dass die Pflegekräfte durch ihren Beruf ausgelaugt werden.“

Sven Herrmann (Grüne) sieht das Übel in der Privatisierung des Pflegesektors. „Beim Dienst am Menschen sollte der Staat mehr Verantwortung übernehmen. Es muss in die Pflege mehr Geld investiert werden.“ Dem widersprachen die anderen Politiker. Denn: Die Kommunen hätten die Pflege vor allem privatisiert, weil im Haushalt kein Geld für defizitäre Pflegeheime da ist. Wenn überhaupt müssten Land und Bund finanziell unterstützen. Lenk: „Die Misere in Kummerfeld ist vor allem entstanden, weil die Mitarbeiter durch die Tarifverträge mehr Geld verdient haben als anderswo.“ Um die Pflege attraktiver zu machen, müsse man bei einer Verstaatlichung das Lohnniveau überall anheben – und das durch Steuermittel aus dem Land oder Bund gegenfinanzieren.

Vor der Podiumsdiskussion hatte  eine Pflegemesse im Kollegiumssaal stattgefunden. Rund 100 Besucher kamen und informierten sich bei stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen und anderen Anbietern aus dem Bereich.  Der Seniorenrat war zufrieden mit der Resonanz, viele Menschen hätten die Gelegenheit genutzt, sich einen Überblick zu verschaffen. Die Mitglieder können sich gut vorstellen, die Messe zu wiederholen.

 

Überhaupt, die Zuständigkeit: Wie Jan-Ralph Bockisch (FDP) hervorhob, sind sowohl die Reduzierung von Bürokratie als auch die Bezahlung von Pflegekräften Thema für die Landes- und Bundespolitik. In Elmshorn können die Politiker da nur wenig tun. Lenk: „Die einzige Möglichkeit ist die Entwicklung von neuen Wohnformen in neuen Quartieren wie Krückau-Vormstegen. Dort sollen alte Leute lange selbstbestimmt wohnen können.“

Möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen zu können, das war auch ein Wunsch, den mehrere Zuschauer äußerten. „Ich werde solange zu Hause bleiben, bis ich sterbe“, sagte ein Mann. Nach Beobachtung der Politiker ist das etwas, was sich eigentlich alle Menschen erhoffen, was ab einer höheren Pflegestufe aber oft nicht zu realisieren ist. Generationenprojekte seien eine Möglichkeit, den Weg ins Heim hinauszuzögern. Solche Projekte müssten politisch mehr gefördert werden.

Günter Allertseder war mit vielen Antworten unzufrieden. „Aber das ist ein Anlass, den Bohrer ins Brett zu setzen. Nächstes Jahr treffen wir uns wieder.“

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erstellt am 08.Mär.2017 | 16:00 Uhr

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