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Elmshorner Nachrichten

06. Dezember 2016 | 22:54 Uhr

190 Schüler bauen einen Zaun : Abiturienten unterstützen die extensive Landwirtschaft im Hammoor

vom
Aus der Redaktion der Elmshorner Nachrichten

Schlag um Schlag: Abiturienten der EBS unterstützen extensive Landwirtschaft im Hammoor. Auf der Wiese sollen ab Juni fünf Wasserbüffel leben.

Elmshorn | Schlag um Schlag treiben Julian Werner und Lenard Möller den Holzpfahl mit dem Vorschlaghammer immer tiefer in den feuchten Wiesenboden. Später drehen ihre Mitschüler Isolatoren in die Pfähle, wieder andere spannen ein 700 Meter langes Elektroband um die 1,4 Hektar große Wiese. Die 190 Abiturienten des Doppeljahrgangs der Elsa-Brändström-Schule (EBS) arbeiten in drei Schichten.

Am Ende brauchen sie etwa sechs Stunden, dann ist die zugewucherte Wiese mitten im Naturschutzgebiet Hammoor fertig umzäunt – und die neue Heimat für die fünf Wasserbüffel von Landwirt Joachim Uhl beinahe fertig.

Uhl ist nicht nur Landwirt, sondern auch Vorsitzender des Vereins „Schutz des Hammoores“. Seit zehn Jahren lädt er gemeinsam mit EBS-Lehrer Dieter Staack in jedem Frühjahr den Abschlussjahrgang des Gymnasiums zu einem Aktionstag für den Umweltschutz in das Naturschutzgebiet ein. Mal legen die Schüler neue Teiche an, mal schneiden sie Birken und Disteln zurück. Und in diesem Jahr geht es eben um die neue Heimat für die Wasserbüffel.

„Extensive Landwirtschaft“ nennt Torben Lismann das Projekt. Er ist Joachim Uhls Schwiegersohn in Spe und die Wasserbüffel sind sein Projekt. Die Wiese im Hammoor wird, anders als die umliegenden Wiesen, weder gedüngt noch mit Pestiziden besprüht. Normale Milchkühe könnten hier nicht gehalten werden, da es für sie nicht ausreichend geeignetes Futter gibt und der Boden zu sumpfig und feucht ist. „Aber Wasserbüffel sind sehr robust und genügsam, was das Futter angeht“, sagt Torben Lismann. „Sie fressen alles, was eine Milchkuh aus unseren Breiten stehen lassen würde – zum Beispiel Binsen und Sträucher.“

Außerdem verfügen Wasserbüffel über breite Klauen und relativ weiche Fesseln, weshalb sie mit dem sumpfigen und feuchten Weideland gut zurecht kommen. Dem Naturschutz kommt das Fressverhalten der Wasserbüffel sehr zugute. Die Naturschutzbehörde setzt die Tiere quasi als Landschaftspfleger ein, die den Bewuchs niedrig halten und somit gute Lebensbedingungen für verschiedene Vogel- Insekten- und Amphibienarten schaffen.

Heidi (vorne) und ihre kleine Herde sollen bald auf die neue Weide umziehen.
Heidi (vorne) und ihre kleine Herde sollen bald auf die neue Weide umziehen. Foto: Pfeifer
 

Im September hat Torben Lismann die Tiere gekauft, seitdem werden sie im Stall an die neue Umgebung gewöhnt. Im Juni sollen sie dann auf die frisch umzäunte Weide kommen. Die Aktion ist erst einmal nur ein Pilotprojekt, wenn es erfolgreich ist, kann sich Lismann durchaus vorstellen, noch mehr Wiesen im Naturschutzgebiet für die extensive Landwirtschaft nutzbar zu machen. Für den Bau des Zauns hätte er mit einem Helfer zusammen normalerweise zwölf bis vierzehn Stunden gebraucht. Dass die Schüler die Arbeit jetzt in der doppelten Zeit geschafft haben – trotz Anweisungen – gefällt ihm. Allerdings sei es nicht immer ganz einfach gewesen, 80 junge Erwachsene in einer Schicht im Blick zu behalten: „Ich bin ja schließlich kein Lehrer.“

Der eigentliche Lehrer, Dieter Staack, ist auch Mitglied im Hammoor-Verein. Er sieht in der Aktion nicht nur den Nutzen für das Naturschutzgebiet. „Für die Schüler ist das ein echtes Gemeinschaftserlebnis in der Natur, dass sie sonst so nicht erleben“, sagt er. „Für viele ist es die letzte Möglichkeit in ihrem Leben, einen Spaten in die Hand zu nehmen. Und ich finde es gut, dass sie gleich um die Ecke einen Beitrag leisten können, um die letzten unberührten Naturflächen zu bewahren.“

Auch den EBS-Schülern des 12. und 13. Jahrgangs, die gerade mitten in ihren Abitur-Prüfungen stecken, gefällt die Arbeit. „Das ist mal was anderes und macht echt Spaß“, sagt Lenard Möller. „Dadurch, dass wir so viele sind und uns abgewechselt haben, war es auch gar nicht so viel Arbeit.“ Er findet es sinnvoll, dass auf diese Weise Flächen genutzt werden können, die sonst brach liegen würden. Und Michele Opitz sieht noch einen anderen Vorteil: „Das ist eine echt lässige Aktion, die Stimmung war ausgelassen und das war auf jeden Fall spannender als Schule.“

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erstellt am 20.Apr.2016 | 12:30 Uhr

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