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Eckernförder Zeitung

28. März 2017 | 21:52 Uhr

Zwischen Herzblut und Existenzangst

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Eckernförder Beleghebammen sehen den Erhalt der Geburtshilfe an der Imland Klinik ohne Kinderstation als gefährdet an. Sie appellieren an die Entscheidungsträger, beide Stationen zu erhalten.

Eckernförde | Kinderstation und Geburtshilfe gehören für die 13 Eckernförder Beleghebammen untrennbar zusammen. Sie befürchten, dass Geburtshilfestationen ohne Kinderabteilung schon bald geschlossen werden könnten. Eckernförde darf nicht dazugehören, sagen die Hebammen. Die Geburtshilfe Eckernförde als erfolgreiche und 2016 von den Patienten zur mit Abstand beliebtesten Abteilung aller Imland-Klinikstationen an beiden Standorten gewählte Station dürfe nicht einer Struktur- und Kostendebatte geopfert werden. Das Eckernförder Modell mit der 1:1-Betreuung der Mütter, der Vertrautheit auf der Station und im Kreißsaal sowie der engen und bis ins Letzte funktionierenden Zusammenarbeit der Hebammen mit den Frauenärzten, Stationsschwestern und Kinderärzten sei so erfolgreich, dass andere Kliniken schon mehr als einen Blick darauf geworfen hätten. „Wir haben alles, was andere gerne wollen“, sagt Silke Hoffmann-Timm. „Das ganze Team brennt für die Geburtshilfe.“

Die Hebammen sind „tief erschüttert und enttäuscht, wie schnell aus der Schließung der Kinderstation die Bedrohung des Fortbestehens der geburtshilflichen Abteilung wurde. Ohne die Kinderstation ist uns ein Teil unseres Erfolgskonzepts weggebrochen, und ohne die Kinderabteilung werden wir nicht mehr lange bestehen können“ , befürchten sie. Die derzeitige Versorgung junger Patienten über Vormittagspräsenzen, Rufbereitschaft und durch die übrigen Stationen können die Hebammen nur als Übergangslösung akzeptieren, „es muss wieder eine vollwertige Kinderabteilung entstehen.“ Das ist für die Hebammen vor allem deshalb so wichtig, weil sich Geburtskliniken ohne Kinderstation ernsthafte Existenzsorgen machen müssen.

Die Geburtshilfe Eckernförde punktet mit einer individuellen 1:1-Betreuung von der Schwangerschaft bis nach der Geburt mit allen daraus erwachsenen Vorteilen. Besuche zu Hause, Geburtsvorbereitung, persönliche Zuwendung bei der Geburt und danach lautet das Eckernförder Erfolgsrezept, das immer mehr Mütter in Anspruch nehmen. 830 Babys haben die 13 freien Hebammen in der Imland Klinik Eckernförde 2016 zur Welt gebracht, 500 davon aus dem Kreis Rendsburg Eckernförde. So soll es gerne weitergehen. Anke Baß sieht für Geburtszentren durchaus einen Bedarf für Frauen, denen es nicht unbedingt auf eine individuelle Geburt in vertrauter Atmosphäre ankommt, doch sei es unerlässlich, den Müttern Wahlmöglichkeiten anzubieten.

Dem kann Lena Gieseke aus Kappeln nur beipflichten. Die 31-jährige Hebamme hat ihre Bachelorarbeit über das 1:1-System geschrieben und ist von den Vorzügen nicht nur fest überzeugt, sondern hat sie auch wissenschaftlich nachgewiesen. „Ich habe mich deswegen bewusst für Eckernförde entschieden.“ Ihr gleichaltrige Kollegin Annkathrin Brien aus Altenhof, die vor fünf Wochen selbst Mutter geworden ist und in Eckernförde Tochter Elise zur Welt gebracht hat, sagt klipp und klar: „Ich bin nicht bereit, unsere Geburtshilfe aufzugeben, ich will nicht woanders arbeiten.“ Ihre erfahrenen Kolleginnen Silke Hoffmann-Timm und Goda Messmer („Wir wollen so arbeiten und nicht anders“), die wie Anke Baß schon die Diskussion über den Erhalt der Geburtshilfe 2013 miterlebt haben, freuen sich über die große Einigkeit im Team.

Nachdem die Geschäftsführung die Lösungsvorschläge einer Arbeitsgruppe nicht umsetzen konnte, die Kooperationsverträge mit den Belegfrauenärzten und -hebammen im Februar einseitig kündigte und am 4. März mit einer Pressemitteilung an die Öffentlichkeit getreten war („Drei-Betten-Abteilung vor dem Aus“), sehen nun auch die Hebammen keinen Grund mehr, sich zurückzuhalten. Seit Dezember halte die Imland Klinik die vereinbarten Zahlungen für hebammenferne Dienstleistungen wie Reinigungstätigkeiten und darüber hinaus die Notfallbereitschaft für Frauen ohne feste Hebamme zurück. Das alles habe nichts mit Zuschüssen für die Haftpflichtversicherung zu tun, die sie gar nicht erhalten, sagen die Hebammen. Der finanzielle Verlust trifft die 13 Hebammen hart. Sie arbeiten trotzdem weiter, weil für sie das Wohl der Frauen, Kinder und jungen Familien an erster Stelle steht. Doch dieser Spagat zwischen Herzblut und Stress im Job mit der Sorge um die Station zermürbt und sorgt für schlaflose Nächte. „Die Nerven liegen blank, es geht um den Erhalt eines erfolgreichen Geburtshilfekonzepts und um unsere Existenz“, sagt Silke Hoffmann-Timm.

Die Hebammen hoffen, dass die öffentliche Debatte und ihre Briefe an die Kreistagsabgeordneten Wirkung zeigen. „Es müssen alle wollen, wir haben das Gefühl, dass das nicht der Fall ist. Es muss begriffen werden, dass es mit einem Wegfall der beiden Abteilungen bald auch keine Regelversorgung im Allgemeinen mehr in Eckernförde geben wird und Geld in die Hand genommen werden muss für eine gute, ortsnahe Versorgung von Frauen, Kindern und jungen Familien.“ Anke Baß hat Anzeichen erkannt, dass sich „langsam etwas tut in der Politik – das macht Mut“.

Rund 250 Euro zahlen die Kassen für eine Geburt inklusive acht Stunden Vor- und drei Stunden Nachbereitung. Nicht übermäßig viel für ein so wichtiges Ereignis und eine so große Verantwortung für zwei Leben.

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erstellt am 18.Mär.2017 | 06:28 Uhr

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