zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

11. Dezember 2016 | 07:10 Uhr

Segelmeisterschaft : Zwischen Ehrgeiz und Vergnügen

vom

Der Amtsdirektor der Hüttener Berge, Andreas Betz, nahm zusammen mit fünf Freunden an der Segel-Weltmeisterschaft in Kopenhagen teil

Groß Wittensee/Kopenhagen | Was haben die Leitung des Amtes Hüttener Berge und die ORC-I-Segel-Weltmeisterschaft in Kopenhagen gemein? Erstens: Damit man Erfolg hat, braucht es ein eingespieltes Team, bei dem alle Abläufe ineinander greifen. Zweitens: Andreas Betz. Der Amtsdirektor in Groß Wittensee nahm gemeinsam mit fünf langjährigen Freunden an dem Ende Juli stattfindenden Wassersport-Wettkampf in Dänemark teil. Fünf Tage lang lieferten sie sich Rennen mit den internationalen Profis. Ergebnis: Platz 52 von 59.

„Früher haben wir um die ersten Plätze gekämpft, jetzt um die letzten“, scherzt Betz. Vor 20 Jahren war er im Kader der Nationalmannschaft und sehr aktiv im Tornado, einem Zwei-Rumpf-Boot. „Aber vom Segeln kann man nicht leben“, so Betz. Weshalb er sich für die Beamtenlaufbahn entschied und nie bereute.

Das Segeln hat seitdem zurückstehen müssen. Auch die anderen fünf an Bord haben wie Betz Beruf und Familie. „Zwei bis dreimal im Jahr nehmen wir uns aber die Zeit, aus dem Alltag rauszukommen und auf hohem Niveau zu segeln.“ Zur Vorbereitung auf auf Kopenhagen musste deshalb die Kieler Woche herhalten. Ihr Ziel für die diesjährige Weltmeisterschaft, nicht letzter zu werden, haben sie erreicht. „Man muss natürlich Abstriche in seinen Ambitionen machen“, sagt Betz. Der Wettkampfgedanke spiele zwar weiterhin auf jeden Fall auch eine Rolle. Der Spaß stehe aber mittlerweile im Vordergrund.

Immerhin, so Betz: „Wir können mit Fug und Recht behaupten, dass wir eines der bestausgestatteten Boote hatten.“ Zwar nicht, was das aufs Rekorde getrimmte Segeln anbelangt – dafür aber den Komfort. Die mittlerweile 15 Jahre alte, 10,6 Meter lange Comfortina 35, die Betz und seine Freund segeln, war mit ihren mehr als sechs Tonnen Gewicht deutlich schwerer als die Vier-Tonner der Konkurrenz. Und die Teakholzverkleidung mag Luxus sein. Den Vorteil einer ordentlichen Toilette merke man aber spätestens nach der Hälfte einer der drei bis acht Stunden dauernden Rennen, freut sich Betz.

„Es war eine Herausforderung, das Boot durch den Wettkampf-TÜV zu bekommen,“ sagt er. „Wir waren quasi mit einem Wohnwagen auf einem Parcour voller Rennmaschinen unterwegs.“ Für das Turnier geforderte Ersatzbeleuchtung, Notruder und zusätzliche Sicherheitsausrüstung mussten erst installiert werden. „Ich bin auch deswegen überhaupt nicht enttäuscht, weil wir mit unserem schweren Boot bei dem schwachen Wind, der herrschte, von vornherein im Nachteil gegenüber den anderen, deutlich leichteren Booten waren.“

An Bord ist Betz der Steuermann. Er hält das Boot auf Kurs, liest den Wind, trifft die taktischen Entscheidungen und koordiniert die Mannschaft. „Das kenne ich ja aus der Amtsverwaltung.“ Ob das Team dort ähnlich eingespielt ist, wie an Bord der sechs alten Freunde? Hier kenne man sich so gut, sei so eingespielt, dass die Aufgabenbereiche fließend ineinandergriffen. „Jeder weiß genau, was er zu tun hat. Das würde nicht gehen, wenn unsere Crew sich nicht so gut verstehen würde.“ Auf den anderen Booten habe es öfters einmal Streit gegeben. Der Leistungsdruck habe dort seine Wirkung gezeigt, so Betz. An Bord der Comfortina wurde stattdessen viel gelacht. „Für uns ist der Druck im Beruf. Die Weltmeisterschaft war Freizeit.“

Nur über eine Sache habe Betz sich geärgert: „Über mich selbst. Man fährt nicht mehr so aggressiv in die Tonnen, lässt dann doch mal den Konkurrenten vor, wenn es eng wird.“ Sein persönliches Ziel für die WM lag etwas höher als die des restlichen Teams: eine Platzierung unter den ersten 50. Doch dann erinnert sich Betz wieder an das, worum es ihm und seinen Freunden bei ihrem Lieblings-Freizeit-Vergnügen eigentlich geht. „Einmal wurde uns die Vorfahrt genommen. Früher wären wir damit zum Schiedsrichter gegangen. Jetzt haben wir dem Drängler hinterher gerufen: ‚Das kostet euch eine Runde Bier!‘“ Das wichtigste sei eben die gemeinsame Freude am Sport, erklärt Betz. „Ein Aktiv-Urlaub mit tollem Wetter und den besten Freunden – das ist nicht jedem vergönnt.“

 

zur Startseite

von
erstellt am 05.Aug.2016 | 06:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen