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Glauben : Zeitreise zurück zu den Anfängen des Islams

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Großes Interesse – Prof. Dr. Lutz Berger hält seinen Islam-Vortrag auf Einladung des Kulturforums ein zweites Mal .

Strande | „Ich wollte mich informieren, weil der Islam in der Presse oft sehr negativ dargestellt wird“, sagte eine Zuhörerin aus Dänischenhagen. Viele weitere Besucher interessierten sich auch dafür und waren zur Wiederholung des Vortrags des Kieler Islamwissenschaftlers Prof. Dr. Lutz Berger ins Strandhotel gekommen. Veranstalter war das Kulturforum Strande.

Die Idee zu dem Thema hatte der Vorsitzende Gerd Schneider. Sein persönliches Interesse und die aktuellen politischen Entwicklungen kamen dabei zusammen. Der frühere Gründungsdirektor des NDR-Funkhauses in Schwerin lebte in den 70er und 80er Jahren in Beirut und arbeitete dort als ARD-Nahost-Korrespondent für den Hörfunk. Über das große Interesse an der Veranstaltung war er selbst überrascht.

Prof. Berger skizzierte die Entstehung des Islam ab Anfang des 7. Jahrhunderts. „Religionsgeschichtlich ist der Islam eine Mischung aus Elementen des Christentums, des Judentums und vorislamischer arabischer Religionen“, so Berger. Allerdings sei die Nähe zum Judentum stärker als die zum Christentum. Vom eigenen Selbstverständnis der Muslime her sei der Islam die Offenbarung Gottes, die der Prophet Mohammed empfangen habe. Die Elemente der vorislamischen Religionen seien entscheidend dafür gewesen, dass der Islam für die Araber attraktiv war und sie nicht den damals in der Region verbreiteten christlichen Glauben angenommen hätten. Die damalige arabische Welt bestand aus Stämmen. Es gab noch keine staatlichen Ordnungen. Zunächst kam Mohammed mit seiner neuen Lehre überhaupt nicht gut an bei seinen Stammesbrüdern. Er musste schließlich gar von Mekka nach Medina fliehen. Mission war zunächst kein Thema für die Muslime, da sie ihren Glauben exklusiv für die Araber verstanden hatten. Das sei auch einer der Gründe dafür gewesen, warum nichtmuslimische Völker gegen die muslimischen Eroberer kaum Widerstand geleistet hätten. Die Eroberer übten keinen Druck auf die Eroberten aus, ihren bisherigen Glauben abzuschwören. Dazu kamen wirtschaftliche Vorteile. Mussten christliche Völker Steuern an die Zentrale nach Konstantinopel zahlen, blieb jetzt das Geld weitestgehend in den Provinzen. Die muslimischen Eroberer setzten einheimische Steuereintreiber ein, die von ihrem Job auch persönlich profitierten. Die Besatzer brachten Kaufkraft in die eroberten Provinzen. Die einheimischen Bauern profitierten nicht von der Besatzungsmacht, denn sie mussten Steuern zahlen. Sie wären die Gruppe gewesen, die Gründe für einen Aufstand gehabt hätte, waren aber zu schlecht organisiert um Aussicht auf Erfolg zu haben. Auf diese Weise konnten die muslimischen Eroberer innerhalb von kurzer Zeit ihr Territorium stark vergrößern und auch lange halten. In nur hundert Jahren entstand nicht nur der Islam, sondern auch das Weltreich der Kalifen, das sich von Spanien bis zum Indus erstreckte.

Ein religionsgeschichtlich interessanter Abend, der eigentlich einer Fortsetzung bedarf. Denn der Islam des 1. Jahrhunderts hat sich längst verändert. Er entwickelte einen Universalanspruch. Das heißt, aus der exklusiven Religion für die Araber wurde nach eigenem Selbstverständnis die einzig wahre Religion für alle Menschen. Die Muslime begannen zu missionieren. Der Islam spaltete sich in verschiedene Strömungen auf, Strömungen, mit denen wir es heute in unserer Nachbarschaft zu tun haben. Wer wissen will was seine muslimischen Nachbarn glauben und sie verstehen will, muss sich auch mit den folgenden Jahrhunderten der Entwicklung und mit der Gegenwart des Islam beschäftigen. Der Vortrag von Prof. Dr. Berger war ein guter Anstoß dazu.

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erstellt am 20.Mär.2017 | 06:43 Uhr

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