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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 02:17 Uhr

Minentaucher : Zehn Kilometer in tosender See

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Elf angehende Minentaucher haben gestern den härtesten Teil ihrer Ausbildung erfolgreich abgeschlossen: 20 Kilometer Laufen mit Gepäck und zehn Kilometer schwimmen in der tosenden Ostsee.

Eckernförde | „Das ist Minentaucherwetter“, sagt der Ausbildungsleiter der Minentaucher, Korvettenkapitän Mario Fink. Der Ostwind peitscht die Ostsee mit 6 bis 7 Beaufort gehörig auf, draußen sind die Wellen über zwei Meter hoch. Mitten drin, noch weit entfernt, kämpfen sich elf angehende Minentaucher, an einem Seil aufgereiht wie an einer Perlenkette, dem Marinehafen entgegen – in Rückenlage, mit Flossen ausgestattet, den Blick nach oben, mit 7 Millimeter Neopren vor dem Auskühlen geschützt. Die Ostsee ist aufgewühlt, doch der scharfe Wind und die Wellen sind in diesem Fall ihre Verbündeten, denn sie sorgen für Vortrieb. Und den können die Froschmänner gut bebrauchen – sie müssen zehn Kilometer zurücklegen. Gute fünf Stunden haben sie dafür gebraucht. Die letzte Etappe einer der körperlich intensivsten Prüfungen, die es bei der Deutschen Marine gibt. Und dass nach einem 20-Kilometer-Lauf mit 20 Kilogramm Gepäck. Wer das schafft, hat das Zeug zu einem Minentaucher, der bereit ist, in allen Wasserlagen Kampfmittel wie Minen oder Torpedos zu entschärfen und die Einsätze ihrer Kameraden an Bord oder im Hafen sicherer zu machen.

Das Zehn-Kilometer-Schwimmen gestern Nachmittag war der Abschluss der ersten viermonatigen Ausbildungsphase. Voraussetzung: ein Schulabschluss, das Deutsche Sportabzeichen „und Laufen, Schwimmen und Kraftsport muss man mögen“, wie der Ausbildungsleiter sagt. Jetzt folgen noch zwei Lehrgänge in Sachen Kampfmittel- und Sprengausbildung, dann gibt es im Dezember den begehrten Minentaucherfisch und die Aufnahme in die Minentaucherkompanie in Eckernförde oder nach einer weiteren eineinhalbjährigen Offiziers- oder Bootsleuteausbildung eine Verwendung an Bord der Minen-Spezialschiffe des 3. Minensuchgeschwaders in Kiel. Egal wo: die Minentaucher sind begehrt, ihr Job allerdings auch „heiß“ und nicht jedermanns Sache. Trotz angehobener Zulagen bleibt in der Minentaucherkompanie derzeit fast jeder dritte Dienstposten unbesetzt, weil der Nachwuchs fehlt, sagt Ausbildungschef Fink: Sollstärke 90, besetzte Planstellen 25 bis 30. Wer dabei ist, weiß, dass ihn am dauerhaften Dienstposten in Eckernförde eine anspruchsvolle, vielseitige, aber auch nicht ungefährliche Aufgabe mit Einsätzen in der Ostsee und in Kriegs- und Krisengebieten erwartet.

Zwei Lehrgänge gibt es pro Jahr, immer im Januar und Juli. Der Januar-Lehrgang musste abgebrochen werden, weil zu wenig Teilnehmer übrig blieben. Von den 16 jungen Männern der Juli-Lehrgangs haben es immerhin elf geschafft – eine gute Quote. Die vier Ausbilder und der Ausbildungsleiter sind von den Leistungen der jungen Soldaten angetan. Einer von ihnen ist Oliver K.. Der gebürtige Dresdener hat in München studiert und sich dann für die Minentaucherlaufbahn entschieden. Erstaunlich entspannt und konzentriert steht er nach den erbrachten körperlichen Höchstleistungen und der traditionellen Minentaucher-Begrüßungszeremonie mit anerkennenden und aufmunternden Worten des Ausbildungsleiters und des Kommandeurs des Seebataillons, Fregattenkapitän Axel Meißel, Sekt und Klapps auf den Po Rede und Antwort. Wecken um 5 Uhr, kurz frühstücken, warmmachen, dann 20 Kilometer mit Gepäck nach Ludwigsburg, kurze Essenspause, dann ins Wasser und zehn Kilometer zurück nach Eckernförde. „Dementsprechend kaputt“ fühle er sich, sagte der 25-Jährige nachdem er gegen 15.30 Uhr der Ostsee entstiegen und vor versammelter Minentaucher-Mannschaft angetreten war. „Der Wellengang war in unserem Sinne“, so Oliver K. , „man schluckt viel Wasser und bekommt eine gute Nasenspülung.“ Er sei sehr froh, die Prüfung nach vier Monaten bestanden und „einen großer Meilenstein auf dem Weg zum Minentaucher geschafft zu haben.“ Das Feuerwerk, die Boote und der Hafen beim Blick über die Schulter hätten ihn auf den letzten Metern dabei geholfen durchzuhalten. „Jetzt freue ich mich auf ein warmes Bad, ein gutes Essen und ein paar Bier mit den Kameraden“, sagt der angehenden Minentaucher zum Abschluss. „Das war der härteste Tag in meinem Leben.“

Sein Ausbildungsleiter weiß genau, was er damit meint. Er kennt wie alle gestandenen Minentaucher die Strapazen, die junge Männer auf dem Weg zum Minentaucherfisch zurücklegen müssen. Korvettenkapitän Fink ist von der Qualität des aktuellen Lehrgangs überzeugt. Einziges Manko in der Ausbildung: die seit sechs Jahren geschlossene Taucherübungshalle. Fürs Training geht’s extra nach Neustadt in Holstein. „Ich hoffe, dass uns die Halle 2018/19 wieder zur Verfügung steht“, sagt Ausbildungsleiter Mario Fink.

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erstellt am 12.Okt.2016 | 06:17 Uhr

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