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Eckernförder Zeitung

25. Januar 2017 | 00:30 Uhr

Brand im Kösliner Ring : „Wir sind die Augen des Gruppenführers“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Interview mit Christian Marten (28)

Eckernförde | Seit wann sind Sie Atemschutzträger?

Ich bin 18 Jahre in der Feuerwehr, davon zehn Jahre aktiv und seit neun Jahren Atemschutzgeräteträger.

Wenn es in ein brennendes Gebäude geht, sind Atemschutzträger die ersten. Überlegt man da noch, was alles passieren könnte?

Man ist voll mit Adrenalin. Man bekommt den Auftrag, und den versuchen wir schnellst- und bestmöglich auszuführen.

Sie gehen aber nie allein, oder?

Wir sind mindestens zu zweit. Wir gehen zusammen rein und kommen zusammen wieder raus.

Oft sieht man die Hand vor Augen nicht. Wie halten Sie da Kontakt?

Man hat immer Kontakt zum Nebenmann, man fühlt ihn. Der Kontakt nach draußen läuft über Funk.

Wie war die Lage im Kösliner Ring?

Wir sind mit einer Wärmebildkamera ausgestattet, die hilft uns sehr. Wir sehen die Raumumrisse. Wir sehen, wo die Hitzeentwicklung ist, auf die bewegen wir uns zu und versuchen, das Feuer zu löschen.

Sind Sie im Einsatz schon einmal verletzt worden?

Nein, zum Glück nicht – toi, toi, toi. Wir passen auf und gehen im Seitenkriechgang vor, das heißt, wir tasten uns immer mit einem Bein vor.

Wie haben Sie das Feuer gelöscht?

Die Hitze war einfach enorm. Wir konnten nicht mehr vorrücken. Die Führung musste sich einen neuen Matchplan überlegen, der dann auch aufgegangen ist.

Wie sah der aus?

Sie haben von draußen das Fenster geöffnet, um die Hitze loszuwerden, dann haben wir unten weitergelöscht.

Wie schützen Sie sich vor der Hitze?

Mit Wasser. Man muss immer den Raum kühlen, die Wände und die Decken. Das ist das A und O. Und dann geht es immer weiter Schritt für Schritt Richtung Brandherd. Das war gestern auch so. Wir konnten in den Brandraum reinschauen, nur dann wurde es zu extrem. Im Saunavorraum war bereits eine enorme Hitze. Gebrannt hat es in der Sauna selbst. Wir haben die Tür kurz aufgemacht, aber gleich wieder zugemacht. Wir haben beratschlagt, uns ist dann leider der Schlauch geplatzt, da mussten wir uns erstmal zurückziehen.

Wie lange kann man einen Atemschutzeinsatz an einem Stück fahren?

Das hängt von der Lage und der körperlichen Verfassung ab. Wenn es normal läuft 25 bis 30 Minuten.

Und dann ist die Sauerstoffflache leer?

Ja, aber wir haben ein Manometer, die Daten gehen zum Gruppenführer, und es gibt Pfeifsignale, wenn die Reserve erreicht ist.

Ihr Anzug, ist der feuerfest?

Ein bisschen kann er ab, aber wir haben ja Wasser dabei. Und wir haben den Würfelblick und schauen mit der Wärmebildkamera nach vorn, oben, links, rechts und nach hinten – so wissen wir immer, was im Raum passiert.

Wie ging’s Ihnen, als Sie wieder draußen waren?

Wir sind erstmal zum Gruppenführer und haben die Lage erklärt – wir sind ja die Augen des Gruppenführers. Dann kurze Ruhephase, was trinken, Flaschenwechsel, dann meldet man sich zurück und wartet auf den nächsten Einsatz.

Können Sie nach so einem Einsatz überhaupt noch schlafen?

Ja, da freut man sich ja am meisten drauf.

Man ist von innen klitschenass, die Klamotten kann man auswringen. Da hilft nur trinken, am besten schon vor dem Einsatz bei der Anfahrt.

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erstellt am 26.Jul.2016 | 06:40 Uhr

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