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Eckernförder Zeitung

23. März 2017 | 21:13 Uhr

PERSÖNLICHE BETREUUNG ZÄHLT : Weisser Ring lässt Opfer nicht allein

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Die Außenstelle Rendsburg-Eckernförde leistete 2016 in 249 Fällen Unterstützung. Ein leichter Rückgang ist bei den Hilfe-Ersuchen zu verzeichnen.

Eckernförde | Sie waren oder sind Lehrer, Kaufmann, Kriminalbeamter, Krankenschwester – die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Weissen Ringes. Ihr Auftrag: den Opfern von Verbrechen beizustehen. „Wir kümmern uns um die Sorgen und Nöte der Opfer, begleiten sie beginnend unmittelbar nach der Tat bis zur Gerichtsverhandlung und noch danach“, sagt Karl-Heinz Rath, Leiter der Außenstelle Rendsburg-Eckernförde. Gestern stellte er im Rathaus den Jahresbericht vor. Insgesamt waren die 18 ehrenamtlichen Mitarbeiter im vergangenen Jahr in 249 Fällen im Einsatz.

Am häufigsten haben sie es mit Körperverletzungen und Sexualdelikten zu tun – keine leichte Kost, doch die Ehrenamtler sind gut ausgebildet. Von den 3755 geleisteten ehrenamtlichen Stunden fließt der größte Teil in die Aus- und Fortbildung. Am wichtigsten sind die drei großen „Z“: „Zuhören, Zeit und Zuwendung“, erklärt Helfer Uwe Rath. Manchen helfe schon ein 20-minütiges Telefonat, andere werden jahrelang von den Ehrenamtlern betreut oder müssen eine professionelle Therapie in Anspruch nehmen.

Immer mehr haben es die Helfer mit Opfern von Internetkriminalität zu tun: mit Menschen, die der vermeintlich großen Liebe Geld überweisen oder auf Lockangebote reagieren, für die zunächst eine Anzahlung geleistet werden muss. „Jeder, der solche Geschichten hört, sagt sich, dass ihm das niemals passieren würde“, sagt Karl-Heinz Rath. „Aber sogar ein Polizist ist einmal darauf hereingefallen, als er eine E-Mail bekam und ihm jemand ein Schloss in der Türkei schenken wollte. In solchen Fällen ist oft nicht der Verlust des Geldes das Schlimmste. Da müssen wir helfen, das Selbstbewusstsein wieder aufzubauen.“

Weiterhin erfolgreich sind Betrüger mit dem Enkeltrick – im vergangenen Jahr hat eine ältere Dame in Rendsburg dem vermeintlichen Freund ihres Enkels 80  000 Euro ausgehändigt. Karl-Heinz Rath: „Die Enkeltrickmafia ist eine gut organisierte Firma, die professionell arbeitet.“ Er hält eine größere Verantwortung der Kreditinstitute für angebracht, die die vermeintlichen Opfer anspricht, wenn sie größere Geldsummen abheben.

Ob es nun die Scham ist, sich zu melden, oder andere Gründe vorherrschen – die Außenstelle Rendsburg-Eckernförde verzeichnete im Vergleich zu den vergangenen Jahren einen Rückgang der Hilfeleistungen. Erklären kann sich Karl-Heinz Rath den Einbruch nicht (Zahlen siehe Info-Kasten). Interessanterweise, so Rath, sei das Verhältnis von männlichen und weiblichen Hilfesuchen seit Jahren stabil: Überwiegend bitten Frauen persönlich um Hilfe. An die – anonyme – Onlineberatung wenden sich dagegen mehr Männer.

Zuhören, tatkräftige Unterstützung, aber auch finanzielle Hilfe – das Spektrum der Leistungen ist breitgefächert. „Bis zu 300 Euro können direkt und sofort gezahlt werden“, erklärt Karl-Heinz Rath. So war es auch im Fall des Mannes, der seine zehnjährige Tochter aufnahm, nachdem seine von ihm getrennt lebende Frau obdachlos wurde. Neben der Betreuung des Kindes, das „seelisch verwahrlost“ und schwerst sexuell misshandelt worden war, gab es auch eine finanzielle Unterstützung für die zunächst wichtigsten Dinge. Auch hilft der Weisse Ring dabei, Wege zum Abbau der Verschuldung des Mannes zu finden.

Manchmal dauert eine Betreuung mehrere Jahre. In einem Fall wurden die Helfer des Weissen Rings sogar nach 25 Jahren noch einmal aktiv: Uwe Rath teilte der Mutter einer ermordeten Tochter mit, dass der Mörder mittlerweile mitgeteilt hat, wo er die Leiche verscharrt hat.

Ganz wichtig ist den Helfern des Weissen Rings, darauf hinzuweisen, dass sich jeder jederzeit an die Hilfeorganisation wenden kann – und dass ihre Angebote für die Kriminalitätsopfer kostenfrei sind.

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