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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 11:19 Uhr

Was wäre die Welt ohne Shakespeares Worte?

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Auf den Spuren des größten Dramatikers der Literaturgeschichte

„Schlag nach bei Shakespeare…“ hieß es in einem Lied aus einem Musical von Cole Porter, das in meiner Jugend oft im Radio lief. Und heute weiß ich: Cole Porter hatte recht!

Liest oder sieht man die Stücke, zweifelt man mit Hamlet über Sein oder Nicht Sein, liebt und leidet mit Romeo und Julia, ist eifersüchtig mit Othello, verzweifelt mit Richard III. und bietet ein Königreich für ein Pferd, begeistert als Heinrich V. seine Band of brothers, leidet mit Shylock, dem Kaufmann von Venedig, erlebt das Berauschende der Macht mit Macbeth, irrt mit König Lear und feiert mit dem dicken Ritter Falstaff. Man amüsiert sich bei den eleganten Verwechslungskomödien wie „Was ihr wollt“ und „Wie es Euch gefällt“ und lauscht weisen Worten, die oft gerade von Narren gesprochen werden. Die Welt der Herrscher und Könige spiegelt sich oft in einer Gegenwelt der kleinen Leute.

Sein Todestag jährt sich dieses Jahr zum 400. Mal und es überrascht nicht, das die Werke des größten Dramatikers die Menschen auch heute bewegen. Seine Stücke werden immer noch gespielt und verfilmt. Immer neue Bücher erscheinen über ihn und sein Werk. Der überproportionale Erfolg englischer Schauspieler und Schauspielerinnen liegt auch darin begründet, das diese meist im Theater und mit Shakespeare Stücken begannen und damit geschult wurden. Er schrieb für das Theater, das – anders als heute – alle Bevölkerungsschichten erreichte. Zum Beispiel in dem von ihm gegründeten Globe-Theater in London, in dem auf den Stehplätzen die Lehrjungen zusahen, daneben Handwerker und ihre Frauen bis zum Adel auf den höheren Rängen. Erfolgreiche Stücke brachten es bis zu Aufführungen am Königshof, beispielsweise vor Elisabeth der I. Viele dem Globe nachgebauten Theater entstanden weltweit von London bis Schwäbisch Hall. Nie wieder hat die Bühne eine derartige Anziehungskraft auf alle Schichten der Bevölkerung erreicht.

Und darin ist sein Erfolg bis heute begründet. Manche bezweifelten es im Laufe der Jahrhunderte, dass Shakespeare, der Sohn eines Handschuhmachers aus dem etwa 2000 Einwohner zählenden Stratford, dessen einzige angenommene Schulbildung eine Lateinschule war, tatsächlich der Autor war, und sie tun es bis heute. Er hinterließ in seinen Werken fast eine Million Wörter, wir kennen aber nur 14 von ihm selbst geschriebene, davon sind sechs Unterschriften. Es ist aber nicht wirklich wichtig für den Erfolg und die Qualität seines Werks.

Wie sie bis heute in den Menschen wirken, sieht man an der Geschichte des jungen Schreibers Marcel Reich-Ranicki, der 1942 einen Erlass der deutschen Behörden las, für die er arbeitete. Darin wurde definiert, welche Personen von der anstehenden Deportation ausgenommen waren, nämlich unter anderem Ehepartner und Kinder der von den Deutschen Beschäftigten. Sofort sandte er nach Teofila, seiner Verlobten, organisierte einen Geistlichen und zwei Zeugen und heiratete sie auf der Stelle. Später konnte er sich nicht mal mehr erinnern, ob er seine Braut geküsst hat, wusste aber, das er die ganze Zeit einen Spruch aus Richard III. im Kopf hatte: „Ward je in dieser Laun ein Weib gefreit?“

In den 70-er Jahren des vorigen Jahrhunderts bat ein Gefangener auf Robben Island, der Gefängnisinsel zur Zeit der Apartheid in Südafrika um Literatur. Als er erfuhr, das ihm nur ein Buch zustehe, entschied er sich für eine Gesamtausgabe der Werke Shakespeares, weil ihn diese eine Weile beschäftigen würden. Sechs Monate vor seiner Entlassung gab er das Buch seinen Mitgefangenen und ließ diese die ihnen wichtigste Stelle anstreichen und unterschreiben. Ein Mitgefangener markierte eine Stelle aus Julius Cäsar, nach der ein Feigling viele Tode vor seinem Sterben erleidet, ein Mutiger aber nur einmal stirbt. Er unterschrieb mit Nelson Mandela.

Beeindruckende Beispiele für die andauernde Wirkung des William aus Stratford.



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erstellt am 15.Jul.2016 | 06:07 Uhr

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