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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 07:11 Uhr

Landwirtschaftsserie : Warten auf das richtige Erntewetter

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Teil 8: Bauer Köhn hofft auf regenfreie Tage . Versorgung von 400 Mastschweinen und 350 Rindern.

Rieseby | Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sinkt jährlich. Der Konkurrenzdruck der verbliebenen Betriebe steigt, auch infolge von Umweltauflagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen. Gleichzeitig sorgen Lebensmittelskandale für Aufregung, während parallel dazu Lebensmittel immer günstiger verkauft werden. In diesem Spannungsfeld wirtschaften Landwirte wie der Familienbetrieb Reimer Köhn. In einer monatlichen Serie wird der Betrieb vorgestellt und über Arbeit, Aufwand und Verantwortung bei der Produktion von Lebensmitteln berichtet.

Regen, Sonne, Wärme und Kälte – die Wetterbedingungen machen Landwirt Reimer Köhn und seinen Kollegen dieses Jahr schwer zu schaffen. Nachdem schon die Gerste weniger und in mäßiger Qualität geerntet wurde, fiel auch die Rapsernte Ende Juli und Anfang August schwach aus. Der Ölertrag sei mit über 40 Prozent okay gewesen, sagt Reimer Köhn, aber es gab rund 20 bis 30 Prozent weniger Ertrag. Aufgrund der sehr langen Blühphase der Pflanzen haben sie große Ausfälle durch Insektenbefall. „So schlecht haben wir das noch nicht gehabt“, sagt er. Jetzt geht Köhns Blick zum Weizen. Er ist reif, fast überreif, aber er kann nicht geerntet werden, es ist zu nass, das Getreide zu feucht. Und eine Trocknungsanlage hat Familie Köhn nicht. „Jetzt drei trockene Tage, und der Weizen ist geerntet“, sagt Köhn fast schon flehend. Müsse er mit der Ernte zu lange warten, sinke die Qualität von Brotweizen auf Futterweizen, und damit der Verkaufserlös. „Wetter ist Wetter“, da hilft alles planen nicht, so Köhn. Und so ziehen sie Arbeiten vor, um Luft zu haben, wenn die Ernte und Strohbergung beim Weizen mit aller Macht losgeht.

Neu auf dem Hof ist Tobias Bandholz. Er ist Auszubildender im dritten Lehrjahr aus Kappeln. Er sitzt auf dem Trecker und ist mit der Scheibenegge unterwegs zur Stoppelbearbeitung. Auf den abgeernteten Rapsflächen wird mit der Egge der Boden rund sechs Zentimeter tief bearbeitet. Dadurch wird die Verdunstungsfähigkeit des Bodens reduziert. Zudem werden mechanisch das Wurzelwerk der Altpflanzen und Strohreste untergegraben, um so die Verrottung zu beschleunigen. Außerdem bewirkt die Egge, dass Unkraut und bereits neu gekeimter Raps untergepflügt werden, wie Bandholz aufzählt. „Köhn kann gut erklären und hat einen Mischbetrieb mit Acker und Tieren“, sagt er als Grund für seine Wahl des Hofes. „Acht Tage vor der Prüfung gehen wir ins Trainingslager“, sagt Köhn und ist mit Tobias sehr zufrieden.

Rund 14 Tage nach der Vorbehandlung wird der Boden tiefer gepflügt und zur Aussaat mit Weizen vorbereitet. Sobald die rund 50 Hektar Weizenschläge abgeerntet und das Stroh als Einstreu geborgen ist, werden die Flächen ebenso behandelt. Allerdings schwankt Köhn, ob er statt Gerste als Folgefrucht lieber etwas mehr Raps anbaut. Die Verkaufserlöse je Hektar sind vielversprechender. Spätestens am 10. September muss er sich entschieden haben, danach ist es zur Rapsaussaat zu spät.

Neben der Bestellung der Äcker und Vorbereitung des Fruchtplans für 2017 laufen die Arbeiten für die rund 350 Rinder und die etwa 400 Mastschweine ohne Pause, tagtäglich, weiter. „In meinem nächsten Landwirtsleben werde ich reiner Ackerbauer“, scherzt Köhn. Mitte Juni waren rund 400 Ferkel in zwei Ställen zur Mast eingestellt worden. Auf Teilspaltböden stehen die Tiere in verschiedenen Laufställen, haben etwas zum Spielen und können sich frei bewegen. Ihre Ausscheidungen fallen durch die Spalten in einen Gülletank, der regelmäßig entleert wird. Über eine automatische Breifütterung werden die Tiere mit Frischwasser und Mischfutter versorgt. Nach 90 bis 100 Tagen, wenn sie knapp 100 Kilogramm wiegen, werden die Schweine an den Schlachter verkauft. Auf eine Koppel zum Wühlen kommen die Tiere nicht, das sei bei den Verkaufserlösen nicht umsetzbar. Wenn für mehr Aufwand bei der Mast und Haltung der Tiere auch entsprechend mehr Erlös erwirtschaftet werden würde, dann würden viele Landwirte entsprechend umstellen, ist Köhn überzeugt. Preisbewusst einzukaufen könne man niemanden vorwerfen, aber der Wettbewerbsdruck lasse ihm kaum Spielraum, so Köhn. Sind die letzten Schweine verkauft, wird die Anlage gereinigt und erneut mit Ferkeln besetzt.

Für den Betrieb ist das, bei anziehenden Preisen für das Fleisch durch die große Nachfrage in China, eine Chance, den immer noch schlechten Milchpreis zu kompensieren. Dort sei verhalten etwas Bewegung hinein gekommen. Es zeichne sich ab, dass der Literpreis monatlich um rund einen Cent steigt, vielleicht Ende des Jahres sogar um zwei Cent, so Köhn. Im Juni lag er bei 21 Cent, im Juli könnte er schon bei 22 Cent liegen. Zu Weihnachten ein Preis um die 26 bis 27 Cent je Liter Milch wäre eine Perspektive. „Jeder Cent mehr pro Liter ist für uns bares Geld“, sagt Köhn. So kann der Betrieb das monatliche Defizit reduzieren.

Im August steht jetzt noch der dritte Grasschnitt für die Futtersillage an. Im September wird bestellt, Raps gedrillt und je nach Witterung Ende des Monats schon der erste Mais geerntet. „Wie immer hängt alles vom Wetter ab“, stellt Köhn fest.

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erstellt am 12.Aug.2016 | 06:03 Uhr

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