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Eckernförder Zeitung

07. Dezember 2016 | 19:31 Uhr

Wahlhelfer: Kreative Stimmenverteilung verboten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Von Mehrfachkreuzen, fehlenden Stimmen und Geisterwählern – eine Wahlbeobachtung aus Detmold

Wahlsonntag irgendeiner Wahl, es war keine Kommunalwahl. Eigentlich sollte das Wahllokal um acht Uhr öffnen, jedoch war der Leiter noch nicht da. Seine Vertreterin begann mit der Belehrung, erfolglos. Schließlich schlug er auf. Tastete sich in den Raum. Roch gut nach Kommodenlack, hatte den Dreistern vom Vorabend noch im Gesicht, das konnte lustig werden. Fünf Wahlhelfer, von denen eigentlich nur drei benötigt wurden, einigten sich auf fliegenden Wechsel. Wählerverzeichnis, Stimmzettel, Wahlurne.

Eine gute Position war die Überwachung der Wahlurne, eigentlich ein Pappkarton mit Schlitz. Der Einwurf genau in Augenhöhe, gefaltete Stimmzettel, keine Briefumschläge, Licht kam von links, Wähler meist Rechtshänder, alle Stimmzettel in gleicher Position, so konnte der Wahlhelfer, da die Ankreuzfelder nicht parallel aufeinander lagen, sehen, wo sich das Kreuz des Wählers befand. Eigentlich hätte man hier als Wahlhelfer gleich einschreiten müssen, falls die verkehrte Partei markiert war. Doch diesen waren die Hände gebunden. Sie waren vergattert. In jeder Beziehung zum Schweigen verpflichtet.

Auch bei fehlenden oder Mehrfachkreuzen, hätten sie sich schon im Vorfeld einmischen können, um die Ungültigen gleich beim Einwurf aussortieren zu können. Sie hätte die Wähler belehren können. Ebenfalls blieben ab und zu die Stimmzettel im Schlitz stecken, weil nicht ordentlich geknickt oder die Oberflächen zu rau. Selbst in diesen Fällen, hätte eine Zettelkontrolle Not getan. Obwohl die Bleistifte in den Wahlkabinen ganz kurz angebunden waren, als Entscheidungshilfe, gelang es einigen Wählern, die Kreuze im unteren Bereich des Stimmzettels zu platzieren, erschwerten somit das Sortieren. Noch hielten die Wahlhelfer sich zurück. Aber deren große Stunde kam ja noch. Die Auszählung!

Als Wahllokale werden öffentliche Gebäude ausgesucht. Nun erfüllen nicht alle dieser Bauten die notwendigen Voraussetzungen, zum Beispiel in Bezug auf Barriere-Freiheit. Denn auch an Menschen mit Behinderung muss gedacht werden. Auch in diesem Fall. So kam es, dass die Wahllokale zweier Wahlkreise in einem Gebäude, direkt nebeneinander auf einer Ebene lagen. In jedem der Wahllokale befanden sich drei Kabinen, der Geheimhaltung wegen.

Nur hatte man nicht mit der Tücke des Objekts gerechnet. Die Wähler kamen stoßweise, manchmal einzeln, manchmal in Scharen. Wenn ein Wahllokal überlief, wurden die Wahlkabinen des anderen Wahlkreises mit genutzt, was zur Folge hatte, dass auch dort fälschlich die Urne bedient wurde, die zum anderen Wahlkreis gehörte!

Um 18 Uhr war Daddeldu. Auszählung. Im Wahllokal 1, (ich nenne es einmal so), fehlten etwa 30 Stimmzettel. Die waren einfach weg! Es gibt bestimmt Stimmzettelsammler, die eine Wertsteigerung erwarten, bei Verkauf an Interessenten. Oder die, die die Stimmzettel weggefressen haben, aus Wut, weil ihre Partei nicht berücksichtigt worden war. Was fehlt, kann nicht gezählt werden, das ist biblisch, Prediger 1,15a. Na, und 10 Prozent muss man schon abschreiben, natürlicher Schwund, in der Geschäftswelt durchaus üblich, hier waren es etwa 5. Der Verlust wurde mit Leerzetteln aufgefüllt, es waren ja noch genug da, somit als ungültig erklärt.

Im Wahllokal daneben, sah es schon anders aus, hier hatte man 30 Stimmzettel mehr, als man ausgegeben hatte. Man konnte ja den einen oder anderen vergessen haben. Überprüfung war schwierig, denn nicht alle Wähler hatten ihre Wahlbenachrichtigung abgegeben, sich mit dem Personalausweis identifiziert.

Jetzt kamen die Geisterwähler zum Zug. Menschen die auf den Wählerlisten standen, aber versäumt hatten, ihre Stimme abzugeben. Die, die jetzt einen der überzähligen Stimmzettel zugeschrieben bekamen, wissen gar nicht, dass sie gewählt haben, nicht einmal wen. Absolut, geheime Wahl! Eine echte Aufgabe für Wahlhelfer. Positiv bewertet, Wahlbeteiligung selbstständig erhöht. Hoffentlich ist von diesen Geisterwählern keiner im Zeitraum zwischen Wahlbenachrichtigung (Erstellung Wählerverzeichnis) und Wahltag verstorben, das würde sonst auffallen.

Wahlhelfer als Retter in der Not, denn sie geben selbst Toten eine Stimme! Auf die anschließend ausgestellten Wahlkontrollzettel ist Verlass!
Viele wundern sich über die Wahlergebnisse. Aber nur deshalb, weil sie nicht wissen, wie sie zustande kommen!


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erstellt am 01.Nov.2016 | 12:43 Uhr

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