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Eckernförder Zeitung

24. März 2017 | 07:24 Uhr

Vorbild für alle Feierabend-Männerchöre

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Schon zum dritten Mal trat der Chor „canta d’elysio“ in Borby auf. Schon beim ersten Ton wurde klar: Hier hatte man besondere Stimmen vor sich. Merkbar ihre Vergangenheit im Dresdner Kreuzchor und bei den Thomanern. Mindestens so wichtig war aber ihre Vertrautheit mit den Werken. Hier standen wissende Sänger vor dem Altar, die mit traumwandlerischer Sicherheit genau den passenden Ton und die Stimmung trafen. Hermes Helfricht, früher selbst bei den singenden Stimmen, leitete die Zwölf: Dirigierte alles auswendig, kompetent und deutlich, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. So wurde jedes Stück dieses Konzerts, das mit einem kirchlichen Teil begann, zu einem bewegenden Hörerlebnis.

Das Vokalensemble ist entstanden aus der in Dresden üblichem Abschluss-Konzerttournee am Ende der Schulzeit. Dazu organisiert der Abiturjahrgang eine Abschiedstournee. Sie bedeutet auch das Ende der Mitgliedschaft im Kreuzchor. Eigentlich – nur dass das mit dem endgültigen Abschied nicht klappte. Also besteht „cantra d’elysio“ seit mehreren Jahren aus zwölf professionell geschulten Stimmen, von denen viele außer Musik noch Chemie, Physik oder Betriebswirtschaft studieren.

Die gute Ausbildung, eine lange Vorgeschichte und Erfahrung waren sofort zu hören und im Ausdruck der Stücke zu spüren. Damit war der „Männerchor“ neu definiert: So soll er sein, auch ein Vorbild für alle Feierabend-Männerchöre: Deutliche Stimmen, geschmeidig, kraftvoll und selbstsicher. Jeder wusste, was und wie zu singen ist und erinnerte mit höchster Güte an eine urdeutsche Tradition des Männergesangs. „canta d’elysio“ führte - der Name bedeutet nichts anderes - auf die „Insel der Seligen“. Zwölf junge Männer sangen ergreifend, ohne das sonst so störende Über-Pathos, ließen in Johann Sebastian Bachs „Gott, wie groß ist deine Güte“ das Bitten in der zweiten Strophe („Darum bitt ich, deine Güte, deine Gnad und Wundertreu“) im Zuhörer als selbst ausgesprochenen Wunsch entstehen. Zu Tränen rührend gelang das aufrichtig, schön und treffend gesungene „Heilig, heilig ist der Herr!“ von Franz Schubert.

Zwischenspiel auf der Orgel: Doppelrolle für Benjamin Huth, der mit großer Ruhe Johann Sebastian Bachs „Schmücke dich, o liebe Seele“ spielte und damit in den humorvollen, weltlichen Teil überleitete. Richard Wagners „Sängergruß“ aus dem „Tannhäuser“ war dabei, laut schmettern können die zwölf also auch. Ganz das Gegenteil dazu die „Lore-Ley“ mit empfindsamem, rätselhaftem Ausdruck, wie auch der traurig stimmende, dennoch tröstend wirkende „Lindenbaum“ von Franz Schubert. Das war Gesangskunst vom Allerfeinsten, bei dem sich im Comedian Harmonist-Titel „Wochenend’ und Sonnenschein“ jedoch das Künstlerische stark in den Vordergrund drängte und, wie auch das fixe Tempo, nicht ganz zur Wochenendstimmung passte.

Dennoch: Mit dem „Badewassersong“ und dem Beatles-Titel „Yesterday“ (gefühlvoll, mit Summchor als Begleitung) zeigte „canta d’elysio“, dass die Mitglieder dieses Ensembles nicht nur im Chor singen oder Orgel spielen, sondern auch solistisch gewichtige Rollen übernehmen können. Erst nach der zweiten Zugabe mochte das Publikum die Kirche verlassen. „War wieder wunderschön“, freute sich eine begeisterte Dame - und nahm den Gesang der zwölf auf der neuen, live produzierten CD gleich mit nach Hause.



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erstellt am 27.Aug.2013 | 00:35 Uhr

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