zur Navigation springen

Eckernförder Zeitung

03. Dezember 2016 | 12:45 Uhr

Treue Kunden : „Vertrauen in regionale Erzeuger ist groß“

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Nach ersten Umsatzeinbußen in der vergangenen Woche normalisiert sich das Geschäft auf dem Eier- und Geflügelhof Holtsee wieder

Holtsee | Obwohl der Holtseer Eier- und Geflügelhof nicht von der Vogelgrippe betroffen ist, sind die Kunden verunsichert. Denn der Ort liegt in einem Geflügelpest-Beobachtungsgebiet, nachdem am Wittensee tote Wildvögel gefunden wurden, die mit dem H5N8-Virus infiziert waren. Knapp 1000 Tiere leben auf dem Holtseer Betrieb, rund 800 Eier werden täglich produziert. Doris Uppendahl und ihr Mann Dietrich betreiben den Hof mit angeschlossenen Ferienwohnungen und Lohnunternehmen. Im Interview mit sh:z-Redakteur Tilmann Post sagt sie, wie sich die Grippe aufs Geschäft auswirkt.

Ab heute gelten neue Auflagen für Geflügelhalter – woran müssen Sie sich halten?

Das wichtigste ist, dass wir unsere Schuhe desinfizieren und innerhalb des Stalls Schutzanzüge tragen, damit wir den Erreger nicht hineintragen. Denn es macht mir große Sorgen, dass die Krankheit bereits in einem Großbetrieb ausgebrochen ist, dessen Hühner niemals draußen gewesen sind. So war es am vergangenen Wochenende in Grumby im Kreis Schleswig-Flensburg. Deshalb schaue ich morgens sehr unruhig in unsere Ställe.

Die Tiere dürfen nicht mehr auf dem Außengelände frei herumlaufen. Stellt Sie das vor Probleme?

Nein, die Ställe sind groß genug. Zudem würden wir die Hühner bei der derzeitigen Wetterlage ohnehin nicht nach draußen lassen. Es ist regnerisch und kalt – die Hühner würden Schmutz und Feuchtigkeit vom Außengelände in ihre Nester tragen.

Wie reagieren Ihre Kunden?

Jeder, der auf unseren Hof kommt, stellt Fragen. Das kann ich auch gut verstehen, denn täglich gibt es neue Meldungen über die Geflügelpest. Die Kunden wollen vor allem wissen, ob noch Eier verkauft werden dürfen. Wir haben auch viele Abnehmer beispielsweise aus Kiel, die vorher anrufen, bevor sie sich auf den Weg hierher machen. Selbst unsere Stamm-Feriengäste etwa aus Nordrhein-Westfalen erkundigen sich nach unseren Hühnern. Ich erkläre allen, dass unser Hof nicht betroffen ist und deshalb unsere Eier und unser Geflügelfleisch verkauft werden dürfen. Sehr hilfreich wäre es, wenn in der Öffentlichkeit klarer gemacht werden würde, dass der Erreger für den Menschen keine Gefahr darstellt. Schließlich sind laut Landwirtschaftsministerium noch nie Erkrankungsfälle aufgetreten.

Hilft den Menschen das?

Ja, den Eindruck habe ich schon. Bislang hat kein Kunde bestellte Ware storniert. Nachdem die ersten Geflügelpest-Fälle aufgetreten sind, hatten wir durchaus Umsatzeinbußen. In einer ganzen Woche habe ich nur ein einziges Hähnchen verkauft. Sonst sind es gerne einmal 15 Stück. Aber die Zurückhaltung hat sich inzwischen wieder gelegt. Das Vertrauen in regionale Erzeuger ist offenbar groß.

Was ist Ihre größte Sorge?

Dass Holtsee zum Sperrbezirk erklärt wird. In der Umgebung liegen mehrere Gewässer, wo es auch viele Wildvögel gibt. Die Geflügelpest ist ohnehin schon schlecht fürs Geschäft. Die Hygiene- und Schutzmaßnahmen kosten Geld und Zeit.

Wäre Ihr Betrieb dann in seiner Existenz bedroht?

Wir bieten seit 30 Jahren Eier und Geflügel an, haben über die gesamte Zeit immer wieder erweitert und uns einen Kundenstamm aufgebaut. Alle guten Restaurants in Eckernförde zum Beispiel beziehen ihre Eier von uns. Ich würde die Geflügelpest als Krise bezeichnen, die wieder vorübergeht.

Rechnen Sie damit, dass sich die Lage verschärft?

Wir stehen erst am Anfang, der Vogelzug setzt sich sicher bis Ende des Jahres fort. Da kann noch einiges auf uns zukommen. Hühner sind ein ganzjähriges Geschäft, aber auch wir spüren, dass der Umsatz üblicherweise zu Weihnachten anzieht. Vor den Feiertagen verkaufen wir zum Beispiel mehr Eier als zu Ostern. Und wenn wir jetzt schon schlachten müssten, würde den Hähnchen noch einiges an Gewicht fehlen. Auf der anderen Seite halten wir es auch wir außerordentlich wichtig, dass Maßnahmen gegen diesen extrem aggressiven Virus ergriffen werden, damit er sich nicht weiter ausbreitet.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 18.Nov.2016 | 06:21 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen