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Eckernförder Zeitung

06. Dezember 2016 | 18:59 Uhr

türkei-Abstinenz : Urlauber meiden die Türkei – wegen Erdogan

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Terroranschläge und Erdogan-Politik: Reisebüros verzeichnen schwere Einbrüche im Türkei-Geschäft .

Eckernförde | Die Sommerferien stehen vor der Tür, und in der Türkei regiert Staatspräsident Erdogan sein Land zurück ins Mittelalter. Das bleibt nicht ohne Folgen für den Tourismus und die Urlaubsreisen an die türkische Riviera.

Heinke Flohrs von der TUI Travelstar Reisewelt in Eckernförde und der Reisewelt in Gettorf spricht von großer Verunsicherung und hohem Gesprächsbedarf ihrer Kunden. Die Türkei ist wegen des „unschlagbaren Preis-Leistungsverhältnisses“ zwar das mit Abstand beliebteste Urlaubsland im Süden – in der Reisewelt liegt der Anteil der Türkeireisen bei südlichen Zielen bei 60 bis 70 Prozent –, verliert aber massiv an Renommée. Der Grund: Erdogan. Wegen ihm und seiner Politik verzichten immer mehr Urlauber auf einen Flug an die türkische Riviera. Viele Kunden hätten sich nach dem jüngsten Putsch und der Reaktion des Staatspräsidenten bewusst gegen eine Türkeireise entschieden, „weil sie Erdogan nicht mehr unterstützen wollen“, berichtet Heinke Flohrs. Mit anderen Worten: Der Mann schadet seinem Land. Die Angst vor terroristischen Anschlägen sei inzwischen nicht mehr der Hauptgrund, die Türkei zu meiden, sondern der Staatspräsident. Das Auswärtige Amt hat noch keine Reisewarnung ausgesprochen. „Ich persönlich würde fahren“, sagt Heinke Flohrs, betont aber, dass das immer eine individuelle Entscheidung bleibt. Und tatsächlich haben am vergangenen Wochenende einige ihrer Kunden die gebuchte Türkeireise angetreten, viele andere aber eben nicht. Die Lage an der türkischen Riviera sei zwar ruhig, aber sie könne die Sorge und Verunsicherung ihrer Kunden verstehen. Gerade jetzt zeige sich die Beratungskompetenz der Reisebüros und -veranstalter, auf die die Kunden vertrauen könnten.

Statt der Türkei steht vor allem Spanien hoch im Kurs – „dort ist es teuer und voll“, sagt Heinke Flohrs. Für einen reinen Badeurlaub sei Ägypten erste Wahl, auch das Preis-Leistungsverhältnis stimme, auch Griechenland erlebe wieder eine gute Nachfrage. Wer nicht unbedingt in den Süden muss, könne auch bei Städtereisen, Kreuzfahrten oder Wohnmobilreisen sein Urlaubsglück finden.

„Viele haben die Türkei von vornherein nicht gebucht“, sagt Reisebüroinhaber Lars Vondenhoff vom Derpart Reisebüro Linnekuhl & Hofeldt. Die Gründe liegen auf der Hand: die Terroranschläge in Istanbul und Ankara, die Unruhen und die Politik Erdogans, die zum Militärputsch geführt habe. Das hat auch ihm Einbrüche im ansonsten florierenden Türkei-Geschäft von 40 Prozent beschert. „In den Tourismusorten an der Riviera ist es ruhig, das bestätigen uns auch die Gäste, die gerade da und begeistert waren“, sagt Lars Vondenhoff. Von den 18  000 Gäste des Reiseveransalters TUI in der Türkei hätten lediglich 30 ihren Urlaub abgebrochen. Mit dem Preis-Leistungsverhältnis könne kein anderes Land mithalten. „Wer ein Vier- bis Fünf-Sterne-Hotel in der Türkei all inclusive bucht, bekommt dafür in Spanien nur Drei-Sterne mit Halbpension“, so Vondenhoff. Vom Sicherheitsaspekt her hätte er keine Bedenken, nach Cide oder Antalya zu fliegen, nur Staatschef Erdogan ist auch für ihn ein rotes Tuch. „Was der macht, geht gar nicht.“ Sehr gut liefen stattdessen andere Südländer wie Griechenland, Kroatien oder Spanien, auch Fernreisen nach Südafrika oder in die USA würden stärker nachgefragt. Einige Kunden verzichteten hingegen ganz auf Flugreisen und buchten „erdgebundene“ Reisen mit dem Auto nach Bayern, Österreich oder an den Garda-See.

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erstellt am 19.Jul.2016 | 05:51 Uhr

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