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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 07:09 Uhr

Unterwasserschall macht Schweinswale krank

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Unsere Welt wird lauter. Ständig nimmt der Geräuschpegel in unserer Umgebung zu und macht uns Menschen krank. Mit Schallschutzwänden, Tempolimits und noch vielen anderen Methoden wird versucht, unsere Welt leiser und angenehmer zu gestalten. Doch welche Auswirkungen hat Lärm auf die Unterwasserwelt ?

Vor kurzem lud der Bund ins Ostsee-Info-Center ein, um über dieses Thema zu informieren. Unter dem Titel „Belastungen der Lebewesen in den Meeren durch Unterwasserschall; Maßlose Übertreibung oder Realität?“ referierten die Experten Berthold Werner und Dr. Andreas Pfander über Ursachen für Unterwasserschall und ihre Wirkung auf die empfindlichsten Hörer der Ostsee – die Schweinswale.

Der Hydroakustiker Berthold Werner, mit über 40 Jahren Berufserfahrung, verschaffte den Zuhörern einen detaillierten Überblick über die physikalischen Grundlagen von Schall im Wasser. Seinen Vortrag unterstützte er mit Tönen verschiedenster Frequenzen mithilfe eines speziellen Tonerzeugers. Die Erkenntnis: Lärm ist nicht gleich Lärm. Besonders für Schweinswale spielt die Tonhöhe eine entscheidende Rolle. Schweinswale hören am besten in einem Frequenzbereich um 130 Kilo-Hertz und verwenden diese Töne auch zur Ortung von Nahrung. Wird ein Tier nun ständig durch ähnliche Töne abgelenkt, ist es nicht mehr in der Lage zu jagen.

Doch wodurch entsteht dieser Unterwasserlärm? Viele unterschiedliche Dinge sind für die Erzeugung von Unterwasserschall verantwortlich. Das Sprengen von Alt-Munition ist für die Schweinswale insbesondere in der Ostsee ein großes Problem. Mit einer Schmerzgrenze von etwa 160 Dezibel leiden die Meeressäuger massiv unter den bis zu 260 Dezibel lauten Explosionen.
Auch seismische Messungen, um Ölvorkommen am Meeresgrund aufzuspüren, verursachen Lautstärken von 220 Dezibel.

Bei dem Bau von Offshore-Windkraftanlagen müssen die Pfeiler der einzelnen Anlagen mit Rammen in den Boden gestoßen werden. Der auftretende Lärm während der gesamten Bauzeit ist immens. Eine weitere Geräuschquelle sind die schwenkbaren Spezialantriebe, genannt POD-Antriebe, von großen Kreuzfahrtschiffen. Die Motoren sind im Vergleich zu herkömmlichen Schiffsantrieben nicht so gut isoliert und erzeugen ebenfalls hohe Lautstärken.

Um die Wirkung von Unterwasserschall auch für die Zuhörer hörbar zu machen, ließ Werner ein Motorboot mit hoher Geschwindigkeit live über ein Hydrophon im Wasser vor der Hafenmole fahren. Viele Zuhörer zuckten bei dem lauten Geräusch aus den Lautsprechern zusammen.

Nach diesem eindrucksvollen Abschluss eröffnete Dr. Andreas Pfander den zweiten Teil des Abends. Es folgten viele interessante Informationen über die Anatomie und den Lebensraum von Schweinswalen. In der Ostsee leben zwei Populationen der kleinen Meeressäuger. Während sich eine Population meist im Zentrum der Ostsee aufhält, ist die andere bei uns in der westlichen Ostsee zu finden.

Auch das Hörvorgang der bis zu 1,8 Meter großen Wale ist besonders. „Schweinswale haben kein Trommelfell. Sie nehmen den Schall über ihren Unterkiefer auf“, berichtete Dr. Pfander.

Die Besucher verließen die Veranstaltung mit einer Menge neuer Blickwinkel und Informationen, denn nicht nur Menschen müssensich vor Lärm schützen – auch der Schweinswal benötigt dringend Schutz vor Unterwasserschall.

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