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Eckernförder Zeitung

04. Dezember 2016 | 19:31 Uhr

Katzenfunde : Unbekannte setzen Katzenwelpen aus

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Zum wiederholten Mal finden Hofbesitzer auf ihrem Grundstück Welpen – mutmaßlich vom selben Besitzer / Lage in Tierheimen angespannt

Holzdorf | Die Zahl von wild lebenden Katzen steigt stetig. Auf der Suche nach Nahrung werden sie nicht immer fündig, ein Teil der Tiere ist krank oder verletzt, leidet an Parasitenbefall und Infektionen. Verstärkt wird das Problem durch Menschen, die durch den Nachwuchs ihrer Hauskatzen überrascht werden und die Welpen aussetzen. So einmal mehr geschehen Anfang des Monats auf einem Hof im Raum Holzdorf. Der genaue Ort soll ungenannt bleiben, um keine Nachahmer zu verleiten. Die Hofbesitzer hörten nachts einen Wagen auf ihr Grundstück fahren, kurz anhalten und sofort wieder wegfahren. Kurz danach erfüllte klägliches Miauen die Nacht. Am Morgen kam den Bewohnern ein etwa zehn bis zwölf Wochen altes, hungriges und verfrorenes Kätzchen entgegen – und ging ihnen von da an nicht mehr von der Seite.

Die Familie kontaktierte eine Nachbarin, die in der Umgebung als Katzenfreundin bekannt ist und sich schon in der Vergangenheit um ausgesetzte Katzen gekümmert hatte. Auch sie möchte nicht namentlich genannt werden, um Rückschlüsse auf den Hof zu vermeiden. Die Katzenfreundin kam mit Futter und Katzenkorb. Sie brachte das Tier noch am selben Nachmittag ins Tierheim Weidefeld. „Die Tierheime haben immer Probleme wegen viel zu vieler abgegebener Tiere“, so die Katzenfreundin. „Aber die Ablieferung war notwendig, weil die Nächte kälter wurden und eine Katze in dem Alter nicht länger hätte allein draußen bleiben können.“ Ihre vorangegangenen Versuche, auf die Schnelle eine Familie für die Katze zu finden, waren ergebnislos geblieben.

„Es kommt immer wieder vor, dass herrenlose Jungkatzen aufgegriffen werden, bei denen die Herkunft nicht klar ist“, sagt René Kinza, Abteilungsleiter des Amtes Ordnung und Soziales Schlei-Ostsee. Es liege nahe, dass diese Tiere ausgesetzt wurden. „Die Tierheime versuchen, die Katzen zu vermitteln. Bei jungen Katzen funktioniert das noch ganz gut.“ Die verschiedenen Heime arbeiteten zusammen, um Kapazitäten optimal zu nutzen – „aber alle haben meist dasselbe Problem, dass sie voll belegt sind.“

Bereits im Sommer des vergangenen Jahres waren auf dem eingangs erwähnten Hof drei Katzenwelpen ausgesetzt worden. Damals hatten sich die verängstigten Tiere offenbar sofort in einen nahen Knick geflüchtet und wurden erst ein bis zwei Wochen später völlig ausgehungert entdeckt, weil ein kleiner klapperdürrer, rot getigerter Kater den Menschen auf dem Hof miauend nachzulaufen begann. „Der Kater hat erst einmal zwei Tage hintereinander gefressen und die Menschen dann allmählich zu seinen Geschwistern geführt“, sagt die Katzenfreundin. „Die waren sehr scheu und haben zunächst nur gefressen, wenn sie allein waren.“ Im Verlauf der nächsten Monate seien sie allmählich handzahm geworden und konnten so auch tierärztlich versorgt werden. Nach aufwändiger Suche, auch über das Internet, fanden sich schließlich neue Familien für die drei Katzen.

Knapp 40 Katzen beherbergt zurzeit das Tierheim Weidefeld in Kappeln, das zum Tierschutzverein Angeln-Schwansen gehört. „Die Kastrationsaktionen an wilden Katzen in der Vergangenheit (siehe Info-Kasten) haben durchaus etwas gebracht“, sagt Stefanie Bühler, stellvertretende Leiterin des Tierheims. Die Zahl der Fundkatzen sei hierdurch merklich zurückgegangen.

Trotzdem sei die Situation bei allen Tierheimen sehr angespannt. „Wir haben hauptsächlich Fundkatzen, das heißt, Katzen, die von Leuten gefunden wurden, und nicht solche, die von den Besitzern abgegeben werden. Es sind vor allem ältere oder kranke Katzen, die schwer zu vermitteln sind. Die Leute wollen meist nur die jungen Niedlichen – das ist sehr traurig.“ Auch Katzenpärchen seien schwer vermittelbar, weil das Tierheim sie nicht trennen will. Manche Katzen bleiben jahrelang hier.

Einschläfern würden sie aber kein Tier, so Bühler, es sei denn, eine Krankheit mache dies notwendig. „Katzen, die einen Besitzer haben, können wir ablehnen, wenn unsere Kapazitäten erschöpft sind. Fundkatzen müssen wir in jedem Fall aufnehmen.“ Irgendetwas falle ihnen immer ein. „Zur Not nimmt einer von uns Mitarbeitern eine Katze auf.“

Alle auf dem Hof der Familie gefundenen Katzen, sowohl aus diesem wie aus dem vergangenen Jahr, weisen eine ähnliche getigerte Fellzeichnung auf, die laut der Katzenfreundin selten vorkommt. Sie vermutet deshalb: „Jemand hat zum zweiten Mal Junge von derselben Mutter ausgesetzt – vielleicht weil er erfahren hat, dass die Katzen 2015 gut versorgt wurden.“ Irgendjemand habe wohl gedacht, er könne die Verantwortung erneut einfach abschütteln. Demnach wäre die Mutterkatze auch nach dem ersten ungewollten Wurf nicht sterilisiert worden. „Es ist angesichts der Unzahl freilaufender Katzen der Gipfel der Verantwortungslosigkeit, keine Sterilisation vorzunehmen und die Sorge um die unerwünschten Welpen auf andere abzuwälzen“, empört sich die Katzenfreundin. Sie hofft, dass es jemandem auffällt, dass irgendwo zum zweiten Mal Katzenwelpen plötzlich verschwunden sind und die Verantwortlichen so zur Rechenschaft gezogen werden können.

Wild Katzen kastrieren lassen:

Seit Montag können freilebende Katzen in Schleswig-Holstein wieder kostenfrei kastriert werden. Kann nachgewiesen werden, dass es sich um eine freilaufende Katze handelt, werden die Kosten durch einen Fond übernommen. Dieser wird finanziert durch eine Gemeinschaftsaktion von Tierschutzverbänden, Tierärzteschaft, Kommunaler Familie, Landesjagdverband und Land. Die Katzen müssen anschließend wieder an der Stelle des Fangs ausgesetzt werden. Die Aktion ist bis zum 11. November geplant. Der Zeitraum zwischen Oktober und November ist aus biologischer Sicht der sinnvollste für eine Kastration, so Nicola Kabel vom Umweltministerium.

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erstellt am 21.Okt.2016 | 06:00 Uhr

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