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Eckernförder Zeitung

25. September 2016 | 10:48 Uhr

U-Hai verbindet ein Leben lang

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Gedenkfeiern zum 50. Jahrestag des U-Boot-Untergangs / Letztes großes Treffen der ehemaligen U-Boot-Fahrer

Zum 50. Mal jährte sich gestern der Tag des Untergangs von U-Hai vor Helgoland. Es war eines der U-Boote, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Beginn der U-Boot-Waffe der neu entstandenen Bundesmarine symbolisierten. Es war damals menschliches Versagen, das zur bisher einzigen maritimen Tragödie der damaligen Bundesmarine und heutigen Deutschen Marine führte, bei der 19 von 20 Besatzungsmitgliedern ihr Leben verloren. Noch heute treffen sich ehemalige Besatzungsangehörige, die seit der Indienststellung am 15.August 1957 bis zur Katastrophe am 14. September 1966 an Bord für gewisse Zeit ihren Dienst verrichteten.

Getreu dem Motto „Wir haben sie nicht vergessen, wir wollen sie nicht vergessen und wir werden sie nicht vergessen“ wird seit 1994 die Kameradschaft gepflegt und der vor 50 Jahren auf See gebliebene Kameraden gedacht. Gemeinsam mit der Besatzung des 1. U-Boot-Geschwaders unter Leitung des stellvertretenden Kommandeurs, Korvettenkapitän Stefan Mayer, und dem Leiter des Ausbildungszentrums für U-Boote, Christian Moritz, legten die ehemaligen Kameraden gestern Kränze vor dem Gedenkstein im Marinestützpunkt nieder.

Damit sich die Tragödie nicht wiederholt, wurde 1959 die U-Boot-Lehrgruppe in Eckernförde gegründet und 1960 nach Neustadt verlegt. Dort befindet sich heute das Ausbildungszentrum U-Boote (AZU), das als eine der weltweit besten U-Boot-Ausbildungseinrichtungen gilt. „Für uns ist es das letzte Mal, dass wir zusammenkommen“, bestätigte Siegmund Meinusch, seit 2003 Organisator der Treffen. Die Teilnehmer sind zwischen 70 und 91 Jahre alt und kommen aus allen Teilen Deutschlands – die Anreise sei daher für viele aus Altersgründen recht anstrengend, so Meinusch. Bereits am Vorabend der Kranzniederlegung trafen sich schon wie vor zehn Jahren 52 Ehemalige mit ihren Ehefrauen, um die eigene Bordzeit auf U-Hai nicht zu vergessen, Erinnerungen auszutauschen und an den Gedenkveranstaltungen in Eckernförde und in Möltenort teilzunehmen. Burkhard Templin aus Österreich hatte die weiteste Anreise. Er war damals Anfang der 60er Jahre Sonarbediener. Kurios mit Alleinstellungsmerkmal versah auch Wolfgang Reichard seinen Dienst als erster und einziger Signalgast auf U-Booten: „Wenn ich mit meinen Signalflaggen auf dem Turm Zeichen gab, musste mich von unten immer einer festhalten.“ Spartanisch ging es auf der Röhre zu. So hatten die Männer bei ihrer Fahrt nur rund 120 Liter Frischwasser dabei, gekocht wurde auf zwei Herdplatten und Kartoffeln nur mit Seewasser. Wer die Toilette aufsuchen musste, fand das Örtchen hinten im Maschinenraum nur durch einen Vorhang abgetrennt. „Wir waren maximal 14 Tage unterwegs, allerdings nie durchgängig, sondern immer mit Hafenaufenthalt“, erinnerte sich Meinusch an seine Zeit als Elektromechaniker Bord.

Nach einem gemeinsamen Auftakt am Dienstagabend im Hotel Gammelby nahmen sie gestern an den Gedenkfeiern im Marinestützpunkt und am U-Boot-Ehrenmal in Möltenort teil. Auf dem Programm stehen des Weiteren die Besuche der Marineschule Mürwik und ihrer wehrgeschichtlichen Ausstellung, des Ausbildungszentrums für U-Boote und des Schifffahrtsmuseums in Kiel.


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