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Eckernförder Zeitung

26. März 2017 | 20:59 Uhr

Kabarett : „Trumpeltier“ tanzt zu Persico-Takten

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Frauen Kabarett Kronshagen präsentiert frech-kritsch-kultiges Programm im Carls / Themen von Politik über Sport, Alkohol bis zur Gesundheit

Eckernförde | Ein gut besuchtes Kabarett im Carls. Frech – kritisch – Kult, ja, so kann man sie wohl beschreiben: die sieben kabarettistischen Frauen aus Kronshagen (Kiel) mit ihrem bissigen aber wahrlich nicht verbissenen Programm. Humor und Augenzwinkern werden bei den zum Teil bereits betagten Damen groß geschrieben, sie wissen allesamt Bescheid. Ihnen macht man kein X mehr für ein U vor. Neues fällt bei ihnen auf fruchtbaren Boden, wird für gut und interessant befunden – oder auch nicht. Das Interessante wird geformt, bedichtet, besungen, bespielt und dem amüsierten Publikum zur Reaktion anheim gegeben. Das hat seinen großen Spaß, lacht sich weg und spart nicht mit herzhaftem Applaus.

Welche Themen nahmen sich die Ladies im Carls vor? Natürlich und naheliegend: den Trump in einem Song übers „Trumpeltier“. Da hatten sie genau hingesehen, und die Lage wurde bestens kommentiert. Ja, auf Politik fuhren sie allem Anschein nach zu gern ab und trugen auch gern was zu Schulz, Albig, Stegner und Kubicki bei. Oder sie ließen Brandt und Kohl auf Himmelswolken sitzen und die nationale wie internationale Lage hoch engagiert kommentieren. Aus himmlischen Höhen ging‘s bis hinunter ins problemgeladene Alltagsleben, zum Beispiel dem alter Menschen. Was tun, wenn später mal die Rente nicht für die Pflege reicht, und man die Kinder nicht heranziehen will? Klar, kriminell werden, dann hat man – je nach Verbrechen – für die nächsten Jahre, also fürs Alter ausgesorgt, hat freie Kost und Logis im „Kittchen“. So wurde aus den „F K K-Damen“ ganz schnell ein neues Synonym, ein Frauen-Knast-Kränzchen. Weitere Themen wie innovative Gedanken für die Verpackungsindustrie, Datenschutz, Autofahren, Sport im Alter wurden humorig aufgegriffen, und die Performance von „special Olympic für Senioren“ war sehenswert. Rollatoren-Wettfahren war nur eine von diversen Disziplinen.

Ach – und der Alkohol, der ließ die Damen zu Persico-Takten vergnügt tanzen. Zwei beschütteten sich überdies mit ordentlich viel Bier, bis die Sprache immer rüder und Balance immer gestörter wurde. Eine herrliche Szene an der linken Bühnenseite, während sich rechts zwei „ordentliche“ Damen mit Prosecco und Cognac viele „Stößchen“ gönnten, bis auch die ziemlich hinüber waren. Schauspielerisch gut gemacht, und die Zuschauer freuten sich.

Sehr gut kam auch das Seminar zur Lebenshilfe an; hier konnte gelernt werden, Scham zu überwinden und in der Apotheke auch die eher peinlichen Sachen zu erfragen oder zu kaufen – auch wenn der Nachbar, der Arbeitskollege hinter einem steht. Nonverbale Zeichensprache für Läuse, Impotenz, Blasenschwäche, Scheidentrockenheit, Blähungen, Nagelpilz – da konnte man lachen, „bis der Arzt kommt“.

Die Kabarettistinnen punkteten mit schönen Textneuschöpfungen zu bekannten Melodien wie „Lemontree“ oder „Ich war noch niemals in New York“, stets begleitet von Könner Volkmar Helbig am Piano. Mit „Tür an Tür mit Aischa“ gab’s Nachdenkliches zum Thema muslimische Frauen in Deutschland – so war an vieles gedacht.

Hier gab es nicht Hochglanz. Es war nicht schlackenrein, aber authentisch, lebendig und glaubhaft rüber gebracht: ein sinnfälliges, eingängiges Programm.

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erstellt am 20.Mär.2017 | 06:38 Uhr

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