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Eckernförder Zeitung

08. Dezember 2016 | 13:03 Uhr

Tauschring : Tauschen und Zusammenwachsen

vom
Aus der Redaktion der Eckernförder Zeitung

Tauschring „Damp&Drumrum“ möchte durch bargeldlosen Leistungsaustausch die Integration von neuen Mitbürgern fördern

Damp | Beim Tauschring „Damp&Drumrum“ können Mitglieder aus den Gemeinden Damp, Thumby, Holzdorf und Waabs private Dienstleistungen und Dinge anbieten und erfragen. Statt Geld, tauschen sie dabei Punkte aus. Der Tauschring möchte hierdurch eine Kultur des Miteinander und der gegenseitigen Hilfe fördern sowie die Einbindung neuer Gemeindemitglieder – speziell auch der Flüchtlinge. Im April ging die Webseite des Tauschrings an den Start. Karin Möller ist, neben Norbert Christians, Organisatorin und entwarf die Homepage der Gruppe. Mit Redakteur Sven Raschke sprach die Künstlerin im Hauptberuf darüber, inwieweit sich die Erwartungen erfüllt haben.

Frau Möller, was haben Sie gegen Geld?
Gegen Geld haben wir gar nichts. Die Idee zum Tauschring ist aus dem Helferkreis Damp heraus entstanden. Viele der Flüchtlinge sagten: „Wir bekommen so viel Hilfe. Wir möchten auch etwas tun und zurückgeben.“ Wenn sie aber etwas für andere Menschen tun, dürfen diese sie dafür nicht bezahlen – das verbietet das Gesetz. Der Tauschring ist aber nicht nur für Flüchtlinge gedacht, sondern für jeden Bürger, der Hilfe braucht oder anbieten möchte. Im Grunde genommen handelt es sich um ganz klassische Nachbarschaftshilfe.

Nutzen denn viele Flüchtlinge das Angebot?

Offiziell sind wir 30 Mitglieder, sieben davon Flüchtlinge. Ansonsten haben wir vor allem ältere, alleinstehende Mitglieder, die nicht mehr alles in Haushalt und Garten allein machen können. Wir haben auch Mitglieder, die über keinen Internetanschluss verfügen. Auch für die sind unsere monatlichen Treffen da.

Was wird am meisten getauscht?
Im Moment stehen zusammen 25 Angebote und Gesuche auf der Webseite. Häufig geht es ums Rasenmähen oder Fensterputzen. Die Flüchtlinge unter den Mitgliedern nehmen häufig Fahrtdienste nach Neumünster und Eckernförde in Anspruch. Eine Frau suchte jemanden, der ihrer Tochter eine Trickfilmfigur an die Zimmerwand malt. Weil ich Künstlerin bin, hatte ich mich gleich angeboten. Dann stellte sich heraus, dass das Zimmer im Dachgeschoss liegt, wo ich wegen meiner Arthritis nicht hinkomme. Da hat sich spontan eine armenische Künstlerin gemeldet und die Aufgabe übernommen. Richtung Pommerby wohnt eine alleinstehende Dame, die dringend Hilfe im Garten benötigt. Sie hat jemanden gefunden, bietet dafür selbst gebackenen Kuchen und Bügelhilfe an – und sie kommt seitdem regelmäßig zu unseren Treffen.

Das Angebot ist ja noch recht überschaubar. Was mache ich mit meinen Punkten, wenn ich kein für mich interessantes Angebot finde?
Die Punkte gehen ja nicht verloren. Man kann auch ein halbes Jahr warten und schauen, ob sich etwas ergibt. Es geht für mich außerdem nicht rein um Angebote und Nachfragen. Das Interessante ist auch, dass man Menschen trifft und kennenlernt, denen man ansonsten niemals begegnet wäre.

Hatten Sie auch negative Erfahrungen gemacht?
Wir haben ein Auge darauf, wer Mitglied wird, und wir überprüfen auch, was angeboten und erfragt wird. So verhindern wir auch, dass etwa Firmen sich über unsere Seite günstige Arbeitskräfte suchen. Probleme müssen die Mitglieder untereinander klären. Eine Zufriedenheitsgarantie können wir als Organisatoren nicht geben. Aber bisher gab es auch noch keine negativen Rückmeldungen.

Gibt es Pläne, den Radius des Angebotes in Zukunft zu erweitern?
Wir beschränken uns ganz bewusst auf die Gemeinden Thumby, Holzdorf, Waabs und Damp, damit die Wege kurz sind. Denn alle Orte sollen für die Mitglieder auch ohne Auto, etwa mit dem Fahrrad, erreichbar sein. Aber wir könnten mehr Mitglieder sein. Im ersten Monat lief es ziemlich stockend an. Aber in den letzten Wochen steigt die Zahl kontinuierlich. Es läuft langsam an. Die Leute merken mehr und mehr: „Oh, das kann man ja über den Tauschring machen.“ Das gilt auch für mich selbst. In Waabs müssen wir noch aktiver werden. Dort wollen wir uns demnächst persönlich vorstellen. Viele finden die Idee richtig toll, aber den richtigen Schubs müssen sie noch kriegen. Bis Ende des Jahres auf 50 Mitglieder zu kommen, wäre ein gutes Ziel.

Was bieten Sie selbst an, was nehmen Sie in Anspruch?
Ich bin Porzellanmalerin und biete deshalb die Einführung in die Kunst der Malerei auf Porzellan an, inklusive Material und Brennmöglichkeit. Mein Mann steht für Fahrdienste zur Verfügung. Dafür brauchen wir Hilfe im Garten. Ende Oktober steht das Umgestalten der Beete an.

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erstellt am 24.Aug.2016 | 06:00 Uhr

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