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Eckernförder Zeitung

10. Dezember 2016 | 11:59 Uhr

Sensation in der Ostsee : Tauchgang in Eckernförde: Wenn ein Delfin die Menschen sucht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein drei Meter langer Großer Tümmler ist seit Sonntag in der Eckernförder Bucht und sucht die Nähe zu Tauchern. Der Delfin hat dabei keine Scheu vor Körperkontakt.

Eckernförde | Die Delfinhysterie hält an: Das Tier, das am Sonntag und Montag die Eckernförder mit seinen Sprüngen und Pirouetten vor Strand und Hafen entzückt hat, ist wieder gesichtet worden. Der Trubel um ihn scheint ihm nicht zu groß zu sein. Immerhin hat das Auftauchen eines Delfins in der Eckernförder Bucht nicht nur die Bootsinhaber aufs Wasser gelockt, sondern auch Neugierige dazu gebracht, in Unterwäsche ins Wasser zu springen. Das Interesse der Menschen an ihm stört den Säuger offensichtlich nicht. „Ich glaube, der hat Spaß hier“, sagt Thorsten Peuster (51), Betreiber der Tauchschule „Tauchen & Meer“ im Jungfernstieg. „Er könnte ja auch die Flucht ergreifen.“

Thorsten Peuster war selbst ganz nah dran an dem Delfin. „Wir waren am Sonntag zu dritt im Wasser und haben Fotos am Riff vor der Mole gemacht“, berichtet er im Gespräch mit der Eckernförder Zeitung. „Auf einmal tauchte der Delfin hinter meinem Kollegen auf und schwamm an uns vorüber.“ Ein Delfin in der Eckernförder Bucht? Die Taucher waren im Taumel, klatschten unter Wasser ab und dachten, dass es mit den wenigen Sekunden getan war. Doch weit gefehlt: Eine Stunde lang spielte der Delfin mit ihnen. „Er kam uns ganz nah, und wenn wir ihn mal nicht beachtet haben, hat er uns mit der Schnauze angestubst“, so Peuster. Teilweise schmiegte er sich fest an die Taucher, die seitlich abgedrängt wurden. „Dadurch sind wir immer im Kreis geschwommen. Ich habe dann irgendwann mit dem Kopf geschüttelt und nach vorn gezeigt. Der Delfin hat mich dann nachgemacht, auch den Kopf hin- und herbewegt und ist tatsächlich geradeaus geschwommen.“

Auch Nicken, Kopfstand und Pirouettendrehen ahmte das Tier nach, das von sich aus den Körperkontakt suchte. „Wir haben es nie selbst berührt, außer wenn es zu aufdringlich wurde und wir es ein wenig wegschieben mussten“, sagt Thorsten Peuster, der besonders von den Augen des Tieres schwärmt: „Wenn dir so ein Delfin in die Augen guckt, dann geht das durch Mark und Bein. Man hat das Gefühl, er guckt dir in die Seele.“

Neugierig beäugt der Delfin die nackten Beine von Heiko Rahn. Thorsten Peuster: „Die fand er besonders interessant.“
Neugierig beäugt der Delfin die nackten Beine von Heiko Rahn. Thorsten Peuster: „Die fand er besonders interessant.“ Foto: Thorsten Peuster
 

Immer wieder drückte der Delfin seine Schnauze in die Hände der Taucher. Wie sich so ein Delfin anfühlt? „Wie eine Stück Speck: kalt und glatt.“ Streckenweise habe das Tier „eindeutiges Paarungsverhalten“ gezeigt: Bei einem seiner Kollegen habe das drei Meter lange Säugetier zweimal versucht zu landen. Die Anatomie war eindeutig: „Das war ein Männchen.“ Für Thorsten Peuster aber auch ein Zeichen, vorsichtig zu sein: „Wer weiß, wie sich Delfine verhalten können, wenn sie geil sind?“

Das Gesamtverhalten des Delfins findet der Tauchlehrer nicht ungewöhnlich. Dass die Tiere Kontakt zu Menschen suchen, hat er schon auf der ganzen Welt erlebt. Als die Taucher schließlich auftauchten, hatten sich die Mole und der Strand mit Menschen gefüllt, denn zwischendurch war das Tier immer wieder zum Atmen aufgetaucht. Mehrere Boote hatten vor Ort geankert. „Aber es haben sich bis auf einen Bootsfahrer alle sehr rücksichtsvoll verhalten“, sagt Thorsten Peuster.

Als Thorsten Peuster (vorn), Heiko Rahn (hinten) und Marcel Patrick Knieriem ins Wasser gehen, ist kaum ein Mensch auf der Mole. Als sie auftauchen, ist alles voll.
Als Thorsten Peuster (vorn), Heiko Rahn (hinten) und Marcel Patrick Knieriem ins Wasser gehen, ist kaum ein Mensch auf der Mole. Als sie auftauchen, ist alles voll. Foto: Knieriem
 

Eine der Beobachterinnen war Janine Ruser: Sie filmte den Delfin vom Strand aus:

Am nächsten Tag dann war der Tauchlehrer wieder im Wasser, diesmal mit seinem Kollegen Philipp Hoy (19). Der Delfin begrüßte die beiden schon in zwei Metern Wassertiefe. Philipp Hoy, der für seinen Film über die „Kalmare vor der Haustür“ beim diesjährigen Green-Screen-Festival den Preis für den besten Kurzfilm erhalten hat, hatte auch seine Kamera dabei:

 

Auch der Hobbytaucher Michael Wittl hatte das Glück, dass der Meeressäuger Kontakt mit ihm aufnehmen wollte. Dem 53-jährigen aus Rickert sind Begegnungen mit Delfinen und anderen Fischen, wie Mantas oder Haien, auf Tauchgängen, beispielsweise vor den Azoren, nicht unbekannt. Aber einem Großen Tümmler in der Ostsee ist auch er noch nicht begegnet.

Bitte lächeln: Dieser Schnappschuss gelang
Bitte lächeln: Dieser Schnappschuss gelang Michael Wittl. Foto: Michael Wittl

Rund 30 Minuten war Wittl, ausgestattet mit Taucheranzug und Schnorchel, am Sonntagnachmittag mit Freunden im Wasser. „Der Delfin hat uns Menschen gesucht“, bestätigt er den Eindruck Thorsten Peusters. „Er hat mich von hinten an den Flossen angetickt, ist um mich herumgeschwommen und hat sich ganz oft auf den Rücken gedreht, dass ich seinen Bauch sehen konnte“, so Wittl. Eine Haltung, die im Tierreich häufig Vertrauen und Nähe ausdrücke. Er vermutet, dass der Tümmler, der so sehr die Nähe der Menschen sucht, auf Ersatzkontakt für seinen Artgenossen aus ist. „Denn normalerweise leben Delfine in komplexen Sozialverbänden“, so Wittl. Eines ist dem Hobbytaucher aber klar: „Der Delfin ist uns im Wasser total überlegen.“

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erstellt am 05.Okt.2016 | 06:30 Uhr

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